Rigide Moral

06. Juli 2010 17:23; Akt: 06.07.2010 17:23 Print

Staatlich verordnete FrisurenStaatlich verordnete Frisuren

Die Islamische Republik Iran regelt nicht nur die sittliche Bekleidung der Frauen, sondern auch die Haartracht der Männer.

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Ein Beamter präsentiert den Katalog mit den erlaubten Frisuren (Bild: Mohsen Rezaii/Mehr News)

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Das iranische «Ministerium für Kultur und islamische Führung» hat einen Foto-Katalog von akzeptierten Männerfrisuren veröffentlicht, wie die britische Zeitung «The Telegraph» berichtet. Die Haartracht-Liste soll mit einer Reihe von «dekadenten westlichen Frisuren» aufräumen. Gegelte Elvis-Tollen liegen gerade noch drin, aber bei langen Haaren und Pferdeschwänzen sehen die Mullahs rot.

Die Islamische Republik ist bekannt dafür, dass sie rigide Kleidervorschriften für Frauen durchsetzt. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass es auch Vorschriften für Männer gibt. Bisher fehlte aber ein verbindliches Regelwerk, das erlaubte und verbotene Frisuren klar definiert.

Ziegenbart erlaubt

Es fällt auf, dass die meisten Männergesichter, die den Katalog zieren, glatt rasiert sind. An sich gilt im Iran ein Bart als Zeichen für religiöse und damit auch politische Linientreue. Dies gilt indes nicht für modische Ziegenbärte — früher eine zuverlässige Provokation für die Mullahs. Auf dem Katalog ist aber einer dieser verpönten Bärte zu sehen, dies darf somit als Zeichen einer erstaunlichen Toleranz interpretiert werden.

Wer die Grenzen der erlaubten Frisur überschreitet, kommt beim ersten Verstoss noch mit einem Zwangshaarschnitt davon; Wiederholungstäter müssen mit empfindlichen Bussen rechnen. Bereits in der Vergangenheit sind Coiffeursalons im Iran geschlossen oder mit Bussen belegt worden, weil sie einen allzu «westlichen» Schnitt anboten.

Unreine Hunde

Neuerdings mühen sich die islamischen Sittenwächter zudem mit einer Unart ab, die in den wohlhabenderen nördlichen Vororten der Hauptstadt Teheran um sich greift: Dort halten sich immer mehr Leute einen Hund. Diese Tiere gelten in der islamischen Tradition als unrein. Grossayatollah Naser Makerem Shirazi erliess den auch letzten Monat eine Fatwa, einen religiös begründeten Bann, gegen diese dekadente Mode. «Freundschaft mit einem Hund ist eine blinde Imitation des Westens», donnerte der Kleriker laut der britischen Zeitung «Daily Mail». «Es gibt im Westen viele Leute, die ihre Hunde mehr lieben als ihre Frauen und Kinder.»

Die Mullahs wissen, warum sie dem dekadenten Treiben Einhalt zu gebieten haben. Schliesslich können Frauen, die nicht dezent gekleidet sind, Erdbeben verursachen. Dies erklärte der iranische Geistliche Kasem Sedighi allen Ernstes dieses Frühjahr. Da ist es wohl besser, kein Risiko einzugehen.

(dhr)