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Erdbeben in Chile
28. Februar 2010 00:44; Akt: 28.02.2010 00:44 Print
Tsunami hat Hawaii erreicht
Nach dem schweren Erdbeben in Chile ist die erste Flutwelle in Hawaii angelangt. Über Schäden und Opfer liegen noch keine Meldungen vor. Zuvor hatten zwei Meter hohe Wellen Teile von Französisch-Polynesien heimgesucht. Die Zahl der Todesopfer in Chile ist unterdessen auf 214 gestiegen. Auch die Schweizer Botschaft in Santiago wurde schwer beschädigt.
Rund 14 Stunden nach dem schweren Erdbeben in Chile hat eine Flutwelle die Hawaii-Inseln erreicht. Das Wasser begann sich von den Stränden zurückzuziehen, so dass Riffe freigelegt wurden - ein typisches Zeichen für einen Tsunami. Wissenschaftler in den USA bestätigten, dass ihre Messinstrumente einen solche Flutwelle vor Hawaii aufzeigten. Über etwaige Schäden war zunächst nichts bekannt.
Der Pazifische FeuerringSantiago Chile ist am Samstagmorgen von einem schweren Erdbeben erschüttert worden. Das Land liegt am sogenannten «Pazifischen Feuerring».
Der Pazifische Feuerring ist ein hufeisenförmiger Vulkangürtel am Rande des pazifischen Ozeans. Er ist auch bekannt unter den Bezeichnungen «Zirkumpazifischer Feuerring» oder «Pazifischer Feuergürtel». Sein Umfang beträgt rund 40'000 Kilometer.
Er verläuft von Chile nordwärts entlang der südamerikanischen Küste durch Zentralamerika, Mexiko, die Westküste der USA und den Süden Alaskas. Von dort erstreckt er sich über die Inselkette der Aleuten nach Japan, die Philippinen und Indonesien, Papua-Neuguinea und die südwest-pazifischen Inseln, bis er schliesslich Neuseeland erreicht.
Etwa 90 Prozent der Erdbeben weltweit ereignen sich innerhalb des Feuerrings. Fast 90 Prozent der weltweit rund 1500 aktiven Vulkane liegen dort. (sda)
Mindestens drei Menschen kamen auf der Robinson-Crusoe-Insel Juan Fernández vor der chilensichen Küste ums Leben, als der von dem Beben ausgelöste Tsunami die Küsten überspülte. «Es war eine Serie von Wellen, die immer grösser und grösser wurden», sagte der Pilot Fernando Avaria dem Fernsehsender TVN. Dies habe den Bewohnern Zeit gegeben, die Strände zu verlassen. Vier Menschen würden aber noch vermisst.
2,3 Meter hohe Welle erfasst Talcahuano
Auf den Cook-Inseln sowie im Inselstaat Tonga wurden die Küstenregionen evakuiert. Auf Tahiti wurden alle Strassen gesperrt, die näher als 500 Meter von den Küsten entfernt liegen. Auch hier wurde die Bewohner aufgerufen, sich in höher gelegene Gebiete zu begeben.
Ebenfalls vom Tsunami erfasst wurde die Stadt Talcahuano: Eine 2,3 Meter hohe Flutwelle erreichte die Stadt an der chilenischen Pazifik-Küste, wie das US-Tsunami-Warnzentrum für den Pazifik (NOAA) in Washington bekannt gab. Berichte aus Talcahuano lagen zunächst nicht vor.
Hunderte unter Trümmern vermutet
Die mächtigen Erdstösse um 3.34 Uhr Ortszeit hatten die Menschen in Chile im Schlaf überrascht. Das Epizentrum lag nach Angaben der US-Erdbebenwarte etwa 92 Kilometer nordwestlich der Küstenstadt Concepción. Die Erde bebte in fast 60 Kilometern Tiefe. In schneller Folge gab es mehr als 20 Nachbeben mit Stärken von bis zu 6,9.
Die offizielle Zahl der Todesopfer in Chile ist unterdessen auf 214 gestiegen. Hunderte Menschen wurden noch unter den Trümmern vermutet. Die Behörden rechneten damit, dass die Opferzahlen stündlich steigen. Bis zu 400 000 Menschen könnten obdachlos oder betroffen sein. Schwere Nachbeben schreckten die Bewohner, die stundenlang in mit Glasscherben und Trümmern übersäten Strassen ausharrten. Das ganze Ausmass der Zerstörung vor allem in der Region um die Grossstadt Concepción etwa 500 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago war auch Stunden nach dem Beben unklar.
Schweizer Botschaft beschädigt
Der Sitz der Regionalregierung soll zerstört worden sein. Mauern von Gefängnissen und mehrstöckige Gebäude stürzten ein. Ein TV- Reporter berichtete: «Es gibt keine Strasse in Concepción, wo kein Schutt liegt. Man hört Kinder unter den Trümmer schreien.»
Auch die Schweizer Botschaft in Santiago wurde schwer beschädigt, wie das Eidgenössische Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) gegenüber dem «Sonntag» bestätigt. Teile des Hochhauses seien nicht mehr zugänglich, sagt EDA-Sprecher Erik Reumann. In der Kanzlei im 14. Stock seien Glastüren zersplittert und Räume blockiert. Alle Botschafts-Mitarbeiter seien aber wohlauf. Dem EDA lagen zunächst auch keine Hinweise auf Schweizer Opfer vor.
Autobahnbrücken stürzten ein
Das chilenische Fernsehen zeigte nach der Katastrophe vom Samstag Bilder von eingestürzten Wohnhäusern, Spitälern, brennenden Gebäuden, zerstörten Brücken, auch in Santiago. Vor allem an älteren historischen Gebäuden wie Kirchen und Lehmziegelbauten entstanden schwere Schäden.
In der Hauptstadt stürzten auch neue Autobahnbrücken ein. Die wichtigste Strassenverbindung von Santiago in die besonders betroffenen Gebiete war zunächst unterbrochen. Internet und Telefone funktionierten nicht. Die Strom-, Gas- und Wasserversorgung brach zusammen. Die Hochhäuser in Santiago hielten den heftigen Erdstössen jedoch stand.
Flughafen in Santiago geschlossen
Der internationale Flughafen von Santiago wurde erheblich beschädigt und für mindestens eine Woche geschlossen. Der Flughafenchef konnte zunächst nicht sagen, wann der Flugbetrieb wieder aufgenommen werden kann.
Präsidentin Bachelet rief die Menschen auf, Ruhe zu bewahren und zu Hause zu bleiben. Sie flog in das Katastrophengebiet und versprach den Opfern schnelle Hilfe.
Grossstadt Concepción voraussichtlich stark betroffen
In der Hauptstadt Santiago de Chile schwankten für eineinhalb Minuten Gebäude, einige stürzten ein, darunter der Glockenturm der Kirche Nuestra Señora de la Providencia. In einigen Vierteln fiel der Strom aus. Telefonverbindungen im gesamten Land waren unterbrochen. Mehrere Krankenhäuser wurden laut Bachelet wegen Erdbebenschäden evakuiert. Auf den gewaltigen Erdstoss folgten binnen zweieinhalb Stunden elf zum Teil schwere Nachbeben, wie die US-Erdbebenwarte mitteilte.
Das chilenische Fernsehen zeigte Bilder zerstörter Häuser, beschädigter Autos und von Trümmern übersäter Strassen. Dutzende Menschen irrten durch die Strassen. Das zweigeschossige Parkhaus eines Mietshauses stürzte ein und begrub etwa 50 Autos unter sich. Am Rand von Santiago stürzte eine Brücke ein. Der Flughafen von Santiago wurde nach Angaben seines Direktors Eduardo del Canto für mindestens 24 Stunden geschlossen. Das Passagierterminal sei bei dem Beben schwer beschädigt worden, sagte er im Fernsehen.
Stärkstes Erdbeben 1960
Das Zentrum des Bebens lag 115 Kilometer von der zweitgrössten chilenischen Stadt Concepción entfernt, in der mehr als
Das stärkste jemals registrierte Beben wurde am 22. Mai 1960 in derselben Region gemessen. Bei dem Erdstoss der Stärke 9,5 kamen damals 1655 Menschen ums Leben, zwei Millionen wurden obdachlos. Der davon ausgelöste Tsunami tötete Menschen in Hawaii, Japan und auf den Philippinen, an der Westküste der USA richtete er Schäden an.
(Video: YouTube)

(kub/sda/dapd)



























