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Schweinegrippe
26. April 2009 20:54; Akt: 27.04.2009 10:02 Print
Einreisende müssen zur Gesundheitskontrolle
Angesichts des Übergreifens der mexikanischen Schweinegrippe auf die USA hat die US-Regierung Gesundheitskontrollen für Einreisende angekündigt.
Alle, die aus Ländern mit bestätigten Fällen von Schweinegrippe in die USA kommen, sollen bei der Einreise über ihren Gesundheitszustand befragt werden. In Zweifelsfällen können auch weitere Tests angeordnet werden. Heimatschutzministerin Janet Napolitano bezeichnete am Sonntag die Massnahme als «passive Kontrolle».
Frauen beten mit Schutzmasken auf dem Zocalo Platz in Mexiko Stadt. Kirchen blieben am Sonntag geschlossen.(Bild: Keystone/AP)
Passagiere am internationalen Flughafen von Chicago O'Hare.(Bild: Keystone)
Pandemie-Alarmstufen der WHO
Das Risiko einer Grippepandemie ist nach Einschätzung der WHO so hoch wie seit der Pandemie von 1968 nicht mehr. Um den Ausbruch einer schweren weltweiten Grippewelle möglichst früh zu erkennen, hat die WHO einen globalen Alarmplan aufgestellt. Das Pandemierisiko wird dabei in sechs Stufen angegeben. Seit einigen Jahren gilt wegen der Vogelgrippe Stufe 3. Das hat sich bislang auch durch die Schweinegrippe in Nordamerika nicht geändert. Die Risikostufen lauten:
Stufe 1: Inter-Pandemiephase. Es werden keine Infektionen von Menschen durch Grippeviren von Tieren beobachtet.
Stufe 2: Infektionen von Menschen durch ein neues Grippevirus aus dem Tierreich sind nachgewiesen.
Stufe 3: Ein neues Grippevirus von Tieren infiziert Menschen, wird aber nicht oder nur in Einzelfällen von Mensch zu Mensch übertragen.
Stufe 4: Die Übertragung von Mensch zu Mensch ist erhöht.
Stufe 5: Erhebliche Übertragung von Mensch zu Mensch.
Stufe 6: Pandemie. Rasche und anhaltende Übertragung von Mensch zu Mensch.
Kurz zuvor hatte die US-Regierung den öffentlichen Gesundheits-Alarmzustand ausgerufen. Das Zentrum für Seuchenkontrolle teilte mit, inzwischen seien 20 Fälle in insgesamt fünf Staaten bestätigt worden. Durch die Verhängung des Alarmzustands erhalten die Behörden einfacheren Zugang zu Grippetests und Medikamenten. Heimatschutzministerin Janet Napolitano erklärte vor Journalisten im Weissen Haus, aus den Lagern der Bundesregierung würden rund zwölf Millionen Dosen des Medikamentes Tamiflu freigegeben, so dass die einzelnen US-Staaten sie nötigenfalls erhalten können.
Bei der Ausrufung des Alarmzustandes handele es sich um eine Routinemassnahme, sagte sie. Zuletzt hatte es beispielsweise eine ähnliche Erklärung während der Überschwemmungen im Mittleren Westen und anlässlich der Amtseinführung von Präsident Barack Obama gegeben.
20 Fälle bestätigt
Das US-Zentrum für Seuchenkontrolle teilte mit, inzwischen seien 20 Fälle in insgesamt fünf US-Staaten bestätigt worden, zuletzt in Ohio. Es seien weitere schwere Fälle zu erwarten. Bei dem Erreger handele sich offenbar um eine natürliche Form, es gebe keinen Hinweis auf Terrorismus. Anders als in Mexiko gab es in den USA bisher noch keine Toten.
Schüler infiziert
Infektionen mit der Schweinegrippe sind jetzt auch an einer Schule in New York bestätigt worden. Bürgermeister Michael Bloomberg teilte am Sonntag mit, dass acht Schüler des Privatgymnasiums «St. Francis Preparatory School» positiv auf das Virus getestet worden seien.
Bloomberg mahnte zur Besonnenheit: Bislang gebe es keine Epidemie in der Stadt. Anders als in Mexiko seien die Symptome mild. Die Schule soll am Montag geschlossen werden. Insgesamt hatten mehr als 100 der 2700 Schüler im Stadtteil Queens über grippeähnliche Symptome geklagt.
Dem New Yorker Bürgermeister zufolge haben sich auch einige Familienmitglieder der kranken Kinder angesteckt. Ein Anstieg der Grippefälle in anderen Teilen der Stadt sei nicht zu beobachten.
Erste Fälle nun auch in Kanada
Auch in Kanada gibt es nun die ersten Fälle von Schweinegrippe beim Menschen. Insgesamt seien sechs Personen erkrankt, erklärten die Behörden am Sonntag.
Zwei Fälle gebe es in der westlichen Provinz British Colombia, vier weitere im genau entgegengesetzten Landesteil Nova Scotia. In Nova Scotia erkrankten den Angaben zufolge vier Studenten, die jüngst in Mexiko waren.
Verdachtsfälle in Europa
Verdachtsfälle wurden am Sonntag aus Frankreich, Spanien, Israel und Neuseeland gemeldet. In Spanien wurden drei Menschen beobachtet, die aus Mexiko zurückgekehrt sind. In Frankreich wurden vier Menschen unter Beobachtung gestellt, die ebenfalls kürzlich in Mexiko waren. Bei dreien von ihnen verliefen die Tests negativ, wie das französische Gesundheitsministerium später mitteilte.
In Neuseeland wurden zehn Schüler nach der Rückkehr aus Mexiko zu Hause unter Quarantäne gestellt. Die Jugendlichen hatten über grippeähnliche Symptome geklagt und warten nun ebenfalls auf Testergebnisse.
BAG: Keine Gefahr für die Schweiz
Für die Schweizer Bevölkerung besteht laut den Gesundheitsbehörden zurzeit keine Gefahr durch die Schweinegrippe. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) verzichtet deshalb vorerst auf Sofortmassnahmen. Für Fragen aus der Bevölkerung hat das BAG eine Hotline eingerichtet.
Ab Montagmittag beantwortet Medgate im Auftrag des Bundesamts unter der Telefonnummer
Massnahmen im Zusammenhang mit der Schweinegrippe ergreift das BAG vorerst nicht. Empfehlungen für Reisebeschränkungen werde die Schweiz in Absprache mit der WHO und den europäischen Gesundheitsbehörden veröffentlichen, wenn es die Situation erfordere, heisst es in der Mitteilung.
Erste Länder warnen vor Reisen
Erste Länder haben inzwischen Reisewarnungen ausgesprochen. Italien, Polen und Venezuela empfahlen ihren Bürgern, Reisen in die betroffen Gebiete in Mexiko und den USA aufzuschieben. Hongkong und Südkorea warnten vor Reisen in die Hauptstadt Mexiko-Stadt und die drei betroffenen mexikanischen Provinzen.
Costa Rica, Nicaragua, Brasilien, Peru, Chile und Kolumbien ordneten erste Vorsichtsmassnahmen an.
Importverbote Verhängt
Immer mehr Länder verbieten mit Blick auf die von einem Schweinegrippe-Virus verursachte Epidemie inzwischen den Import von mexikanischem Fleisch. Russland verhängte ein Importverbot für Fleischprodukte aus Mexiko sowie aus den US-Staaten Kalifornien, Texas und Kansas, wo es bestätigte Krankheitsfälle gibt. Ausserdem kündigte die russischen Gesundheitsbehörde strengere Kontrollen insbesondere auf den Flughäfen an. Serbien verbot alle Fleischeinfuhren aus Nordamerika.
Die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) hatte dagegen erklärt, Schweine seien vermutlich nicht die unmittelbare Quelle der Infektionen.
Schulen bleiben in Mexiko geschlossen
Das öffentliche Leben in Mexiko, dem Ursprungsort des neuartigen, auf den Menschen übergesprungenen Schweinegrippe-Virus, ist inzwischen wie gelähmt. Gottesdienste und Fussballspiele wurden abgesagt, öffentliche Veranstaltungen verboten. Seit Mitte April erkrankten in Mexiko bereits mehr als 1300 Menschen, 86 starben an dem neuen Grippeerreger.
Die mexikanische Regierung stellte umgerechnet 514 Millionen Franken für Massnahmen gegen die Schweinegrippe bereit. Schulen und Universitäten bleiben bis zum 6. Mai geschlossen. Hunderte Veranstaltungen wurden abgesagt.
Der mexikanische Präsident Felipe Calderon ermächtigte die Gesundheitsbehörden, Grippekranke zu isolieren und deren Wohnungen zu inspizieren. Soldaten suchten am Wochenende auf Bahnhöfen und Bushaltestellen nach Personen mit Symptomen der Krankheit. Der Bürgermeister von Mexiko-Stadt sagte für zunächst zehn Tage alle öffentlichen Veranstaltungen ab. Die Stadt habe genug Medikamente zur Behandlung der mit dem neuartigen Virus infizierten Menschen, sagte Marcelo Ebrard. Die katholische Kirche schränkte die Gottesdienste ein.
«Potenzial für eine Pandemie»
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigte sich besorgt und erklärte, die Grippe habe das «Potenzial für eine Pandemie», also einer die Kontinente übergreifende Ausbreitung. Allerdings fehle es derzeit noch an genauen Informationen, wie die Entwicklung der Schweinegrippe in Mexiko und den USA verlaufe. Deswegen werde man bis Dienstag warten, bis eine weitere WHO- Expertengruppe in Genf die Lage analysiert habe und gegebenenfalls Massnahmen wie Reise- oder Handelsbeschränkungen vorschreibt, sagte Fukuda.
Virus verbreitet sich von Mensch zu Mensch
Der neue Grippeerreger weist genetische Merkmale des Schweins, von Vögeln und auch des Menschen auf - in einer Art, wie es die Forscher bislang noch nicht beobachtet haben. «Wir sind sehr, sehr besorgt», sagte WHO-Sprecher Thomas Abraham. «Wir haben es mit einem neuen Virus zu tun, und er verbreitet sich von Mensch zu Mensch.»
(Quelle: AP/SDA)


























