«L'Osservatore Romano»

23. Dezember 2009 15:51; Akt: 23.12.2009 17:43 Print

Vatikan findet die Simpsons «okely dokely»Vatikan findet die Simpsons «okely dokely»

Den «Simpsons» ist nichts heilig. Umso überraschender, dass ausgerechnet die Zeitung des Vatikans die gelbe Familie über den grünen Klee lobt, inklusive ihren «manchmal respektlosen Umgang mit Religion».

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Trotz Hang zur Blasphemie: Für Rom sind die Simpsons top.

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In einem mit dem hübschen Wortspiel «Aristoteles’ Tugenden und Homers Donut» betitelten Artikel gratulierte die Zeitung «L'Osservatore Romano», das offizielle Publikationsorgan des Kirchenstaats, den Simpsons am Dienstag zum 20-Jahr-Jubiläum und zu ihrem «philosophischen Gehalt». Ohne Homer Simpson und die anderen gelben Charaktere wüssten «viele Menschen nicht, wie man lacht».

Die «Simpsons» hätten Trickfilme für ein erwachsenes Publikum zugänglich gemacht, heisst es weiter. Gerühmt werden die «realistischen und intelligenten Geschichten». Religion werde dermassen häufig thematisiert, sei es durch den frömmelnden Nachbarn Ned «okely dokely» Flanders, die einschläfernden Predigten von Reverend Lovejoy oder Homers Zwiegespräche mit Gott, dass man von einer «simpsonschen Theologie» sprechen könne.

Gott ist Homers letzte Zuflucht

Homers religiöse Verwirrung und Unwissenheit seien «ein Spiegel der Indifferenz und des Bedürfnisses, das der moderne Mensch gegenüber dem Glauben empfindet», schreibt die Zeitung weiter. Als Beleg wird ein Ausruf Homers aufgeführt: «Ich bin normalerweise kein religiöser Mensch, aber wenn du da oben bist, dann rette mich, Superman.» Gott sei für Homer die letzte Zuflucht, auch wenn er seinen Namen manchmal kläglich schlecht treffe. Das aber seien nur kleine Unzulänglichkeiten, denn «die beiden kennen sich gut».

Natürlich findet der «Osservatore» auch Kritikpunkte, etwa die «sehr unflätige Sprache, die Gewalt in einzelnen Folgen und die manchmal extremen Entscheidungen der Autoren». Dennoch wirkt das Lob aus dem Vatikan ironisch angesichts der Tatsache, dass das Schweizer Fernsehen die Serie seit kurzem mit dem Warnhinweis «für Kinder unter 12 Jahren nicht geeignet» einleitet, nachdem sich eine Zuschauerin wegen «grober Gewaltdarstellungen und Pornografie» beschwert hatte.

(pbl)