Seekrieg geht weiter
06. Februar 2010 11:43; Akt: 06.02.2010 22:21 Print
Walfänger reisst Loch in Tierschützerschiff
In der Antarktis hat nach Angaben der Tierschutzorganisation Sea Shepherd zum zweiten Mal seit Jahresbeginn ein japanischer Walfänger eines ihrer Boote gerammt. Und zwar mit voller Wucht, wie das Video beweist.
Einen Monat nach dem Zusammenstoss eines japanischen Walfangschiffs mit einem Schnellboot von Walschützern ist es erneut zu einem Zwischenfall in antarktischen Gewässern gekommen. Die «Yushin Maru No. 3» sei mit der «Bob Barker» bei Cape Denley in australischen Gewässern kollidiert und habe dabei oberhalb der Wasserlinie ein ein Meter grosses Loch in das Walschützer-Boot gerissen. Verletzt wurde bei dem Vorfall niemand.
Das Deck der Bob Barker ist kaputt.(Bild: AP Photo)
Die Bob Barker (links) verfolgt das japanische Walfängerschiff.(Bild: AP Photo)
Auf von Sea Shepherd veröffentlichten Videoaufnahmen sind die «Bob Barker» und die «Yushin Maru 3» zunächst nebeneinander zu sehen, dann nähern sie sich einander an. Das japanische Schiff scheint abzudrehen, richtet sein Heck dann aber scharf gegen die «Bob Barker». Die Aufnahmen wurden vom Schiff der Tierschützer aus gemacht. Die Kollision ist wegen Gischt nicht zu erkennen, allerdings ist ein schepperndes Geräusch zu hören, bevor sich die beiden Schiffe trennen.
«Fortgesetzte Eskalation der Gewalt»
Der Chef der Sea-Shepherd-Mission, Paul Watson, sprach von einer «fortgesetzten Eskalation der Gewalt» der Japaner. Die «Bob Barker» hinderte Watson zufolge die Walfänger daran, erlegte Tiere zur Verarbeitung auf ein grösseres Schiff zu verladen. Sie habe hinter dem Fabrikschiff «Nisshin Maru» Position bezogen, sagte Watson über Satellitentelefon. Vier japanische Schiffe hätten die «Nisshin Maru» dadurch nicht erreichen können und die «Bob Barker» umkreist. Eines habe das Boot der Tierschützer daraufhin absichtlich gerammt. Das entstandene Loch werde bereits repariert, erklärte die Organisation.
Die japanische Fischereibehörde erklärte, das Boot der Tierschützer habe den Zusammenstoss verursacht. Die «Bob Barker» habe sich plötzlich der «Yushin Maru 3» genähert, und die Tierschützer hätten versucht, Flaschen mit Buttersäure auf das Fangschiff zu werfen. Die japanische Behörde sprach von einem Akt der Sabotage gegen den Walfänger.
Bereits am 6. Januar hatte ein japanischer Walfänger ein Boot der Sea Shepherd Conservation Society gerammt. Die «Ady Gil» war nach der Kollision, bei der ihr der Bug weggerissen wurde, gesunken.
Seit Jahren versucht Sea Shepherd, mit High-Tech-Schnellbooten japanische Walfänger zu stoppen und so die Meeressäuger zu schützen. Scharmützel mit Stinkbomben, Lärmpistolen oder Seilen zur Blockade von Schiffschrauben gehören dabei zur Tagesordnung. Beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig, sich immer gefährlicher zu verhalten. Australien und Neuseeland, die für Rettungsaktionen in dem Gebiet verantwortlich sind, haben sowohl Japan als auch die Tierschützer daher zu Zurückhaltung aufgefordert.
Japan tötet - offiziell zu wissenschaftlichen Zwecken - jährlich etwa 1200 Wale in der Antarktis. Tierschützer sowie mehrere Mitgliedsstaaten der Internationalen Walfangkommission (IWC) wollen dies verhindern. Sie werfen Tokio vor, unter dem Vorwand der Forschung kommerziellen Walfang zu betreiben.
(kub/sda/ddp)

































