Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Fälle häufen sich
16. März 2010 16:55; Akt: 16.03.2010 16:55 Print
Wann kommt der Skandal in die Schweiz?
Der Missbrauchsskandal zieht Kreise: In Deutschland und Österreich kommen täglich neue Detials ans Licht. Es fragt sich: Wie lange dauert es noch, bis die ersten Schweizer Opfer an die Medien treten.
Das Wort «Missbrauchsskandal» kommt seit Wochen nicht mehr aus den Schlagzeilen. Angefangen hat es, als etwa 100 ehemalige Schüler des Berliner Elitegymnasium Canisius-Kolleg Ende Januar vom jahrelangen Missbrauch durch ihre Lehrer berichteten. Die Meldung löste einen Schneeballeffekt aus. Bald erweiterte sich die Liste und es hagelte Vorwürfe aus allen Ecken Deutschlands – vom Kloster Ettal in Bayern, über das Jesuiten-Gymnasium Aloisiuskolleg in Nordrhein-Westfalen bis hin zu den Regensburger Domspatzen.
So viel kostete der katholischen Kirche der Missbrauch – bis jetztNachdem in Irland in den letzten Jahren über Tausende Missbrauchsfälle unter dem Dach der Kirche ans Licht gekommen waren, wurden die Opfern mit insgesamt 750 Millionen Euro entschädigt. Die Zahlungen gingen an Menschen, die als Kinder in kirchlich geführten Schulen, Heimen und Krankenhäusern sexuell, körperlich oder seelisch misshandelt wurden.
In den USA wurden über 10 000 Fälle sexuellen Missbrauchs Kinder und Jugendlicher durch katholische Geistliche bekannt geworden, vor allem aus den 1940ern und bis in die 1990er Jahre. Im Juli 2007 erklärte sich die Erzdiözese von Los Angeles bereit, eine Entschädigung in Höhe von insgesamt 660 Millionen Dollar als aussergerichtlichen Einigung an rund 500 Kläger zu zahlen. Damit summierten sich die kirchlichen Entschädigungszahlungen auf rund zwei Milliarden US-Dollar (2,15 Milliarden Franken). Die hohe Entschädigungssummen haben viele Diözesen an den Rand der Zahlungsunfähigkeit getrieben - der Erzbischof von Boston sitzt seit 2004 nicht mehr in seiner Residenz, sondern in einer Mietwohnung.
(kle)
Vier Wochen später schwappte der Skandal auf Österreich über. Inzwischen sind fünf Geistliche des oberösterreichischen Klosters suspendiert. Die ihnen zur Last gelegten Vorfälle im Stiftsgymnasium sollen sich vor allem in den 1980er Jahren, einer auch in den 1990er Jahren zugetragen haben.
Die Welle erreicht die Schweiz – ganz sicher
Auch in der Schweiz wird erwartet, dass sexuelle Übergriffe in der katholischen Kirche von nun an vermehrt an die Öffentlichkeit geraten. Laut einem Bericht des «Tages-Anzeigers» kam es in den letzten 15 Jahren bereits zu 60 Meldungen. Doch für Adrian Von Kaenel, Präsident des Fachgremiums «Sexuelle Übergriffe in der Pastoral» dürfte diese Zahl zunehmen. Er selber wisse von Priestern, die trotz Verdachts auf Missbrauch weiterhin im Amt seien, gesteht Von Kaenel. Das bedeute aber nicht, dass die «weltlichen Behörden» automatisch eingeschaltet werden sollten. Damit sich die Opfer melden, müsste es einen «Anzeigeautomatismus» geben.
Missbrauchs-Hotline startet Ende März
Diesen Schritt scheinen die Nachbarn im Norden schon vollzogen zu haben: Angesichts immer neuer Missbrauchsfälle will die katholische Kirche am 30. März eine spezielle Hotline einrichten. Dort sollen Fachleute Opfern und Tätern als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, wie der Trierer Bischof Stephan Ackermann am Dienstag erklärte. Das Hilfsangebot geht auf einen Beschluss der Deutschen Bischofskonferenz zurück.
(kle)



























