Kampfjet-Evaluation

03. Dezember 2011 10:58; Akt: 05.12.2011 14:14 Print

Wie ich Werbung für den Gripen machte

von Lukas Egli - Sie wollen Kampfflugzeuge verkaufen, möchten aber kein Inserat schalten? Kein Problem, PR-Profis bringen Ihre Jets auch in den redaktionellen Teil. Zum Beispiel den Gripen.

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Ich: «Aaaaaaaaaahhhhhhhhhhhh!» Er: «Hahaha!»: Der Autor (rechts) mit Gripen-Pilot Tobhias Wikström alias «Combat» nach einem halbstündigen Flug über Nordschweden.

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Es war einer jener Anrufe, auf die man als Reporter jahrelang wartet, meist vergeblich. «Hast du Lust, mal in einen Kampfjet zu steigen?», fragte mich der Redaktionsleiter des «Sonntagsblick Magazins» eines schönen Dienstags im September 2009 am Telefon. «Kampfjet?», wiederholte ich perplex, «äh, ja, klar!» Über Militärflugzeuge hatte ich mir noch nie viel Gedanken gemacht, selbst damals bei der «Stop F/A 18»-Initiative nicht, die ich altersgerecht selbstverständlich unterstützt hatte. Das Angebot klang vielversprechend – es versprach ein Abenteuer. Und einen Geschwindigkeitsrausch. Wie hätte ich da Nein sagen können?

Im Rückblick muss ich sagen: Das war ganz schön naiv. Dass bei der Geschichte handfeste Interessen im Spiel waren, war mir damals schon klar. Aber wer im Hintergrund die Fäden zog, überraschte mich dann doch. So viel sei verraten: Es waren nicht finstere Waffenhändler – es waren Journalisten.

Von Militärarzt gecheckt – dann ab in die Luft!

Eine Woche nach dem Anruf wurde ich mit einem Fotografen, je einem Journalisten und Fotografen von «Le Matin Dimanche» und dem Chefredaktor der Fachzeitschrift «Cockpit», Max Ungricht, mit der SAS nach Stockholm und von dort nach Lulea geflogen, ins Meiringen Nordschwedens gewissermassen, wo die schwedische Luftwaffe tun und lassen kann, was sie will. Ich wurde einen Tag lang von einem Militärarzt auf Herz und Nieren gecheckt. Dann hiess es: Ab in die Luft!

«Gooooooood morning, Laplaaaaaand!» Ich kann es nicht verhehlen: Der Flug am Bottnischen Meerbusen mit Kapitän Tobhias Wikström, einem erfahrenen Gripen-Pilot, war einfach grossartig! Vielen Dank, lieber «Sonntagsblick», dass du mir diese Geschichte («Im Griff des Gripen») ermöglicht hast. Das war Bubenspass im besten Sinn – wohl die aufregendste Reportage meiner bisherigen Laufbahn. Dennoch blieb ein unguter Geschmack zurück.

Wenn die Schweiz etwas beschaffen will, mischen im Bundeshaus Lobbyisten mit. Selbstverständlich auch, wenn es um den Ersatz der Tiger-Flotte geht. Eine der erfolgreichsten PR-Agenturen in Rüstungsfragen ist Farner PR. Firmengründer Rudolf Farner hatte sein Handwerk in den 1950er Jahren in den USA gelernt. Als man hierzulande noch von «Gunstgewerblern» sprach, führte er bereits professionelles Lobbying ein.

«Ist alles gut gegangen?»

Seither sitzen seine Agenten in wichtigen Ausschüssen und beraten die richtigen Volksvertreter. Neben bezahlten Assets für die Luxemburgerli von Sprüngli und die japanischen Automarke Mitsubishi verfolgte Farner PR aber immer auch eigene Projekte. So bekämpfte die Agentur aus eigenem Antrieb die Armee-Abschaffungsinitiative der GSoA von 1989. Den Vorwurf der Linken, ein verlängerter Arm der Rüstungsindustrie zu sein, wird Farner nie mehr los.

Andere gehen ungleich diskreter vor. Zum Beispiel die Zürcher Agentur Hirzel Neef Schmid alias Die Konsulenten. Keine halbe Stunde, nachdem ich meine Reportage über den Gripen-Flug beim «Sonntagsblick» an der Dufourstrasse abgegeben hatte, rief mich Jürg Wildberger an. «Und, ist alles gut gegangen?», fragte mich der ehemalige Chef von «10vor10». Wieder war ich etwas perplex. «Äh, ja, super»!, antwortete ich, «warum fragen Sie?» Noch während ich zurückfragte, dämmerte mir, dass er womöglich die Reise nach Lulea eingefädelt hatte.

Beide kultivierten die harte Recherche

Jürg Wildberger war einst einer der bekanntesten Journalisten der Schweiz. Er war Gründer und langjähriger Leiter des Nachrichtenmagazins «10vor10» des Schweizer Fernsehens, noch heute eine der erfolgreichsten Sendungen von SRF. Er gilt als Erfinder des Infotainments auf der Mattscheibe. Wildberger war Wirtschaftsjournalist bei der «Finanz und Wirtschaft» und der «Berner Zeitung», war Chefredaktor von «Weltwoche» und «Facts», war Leiter des ersten Schweizer Privatfernsehsenders mit Vollprogramm, TV3. Seit 2007 ist er Partner bei Hirzel Neef Schmid. Wer als Chefredaktor jahrelang Politik, Verwaltung und Wirtschaft auf die Finger geklopft hat, weiss, wem man auf die Schulter klopfen muss, wenn man etwas von ihm will – auch auf Medienseite.

Zum Beispiel Hannes Britschgi, zum Zeitpunkt meines Gripen-Flugs Chefredaktor beim «Sonntagsblick». Die Karrieren von Wildberger und Britschgi verliefen in vielerlei Hinsicht parallel: Während Wildberger «10vor10» aufbaute, war Britschgi «Rundschau»-Chef – auch das ein Paradepferd des Schweizer Fernsehens, eine Medienmarke, die für Integrität steht. Wie Wildberger war auch Britschgi später «Facts»-Chefredaktor. Beide kultivierten mit ihren Redaktionen die harte Recherche, setzten auf Indiskretionen aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik, kämpften gegen Behördenwillkür und Ungerechtigkeit. Nichts hebt das Prestige einer Publikation mehr als ein Primeur, der einen Mächtigen zu Fall bringt.

Wie hätte er auch Nein sagen können?

PR-Berater Jürg Wildberger kontaktierte also seinen «Facts»- und TV-Spezi Hannes Britschgi, als sein schwedischer Kunde Saab die Schweizer Kampfjet-Evaluation aufmischen wollte, und machte ihm ein unschlagbares Angebot: Der «Sonntagsblick» durfte – exklusiv! –ins Cockpit steigen. Eine klassische Top-Gun-Story, bei der beide nur gewinnen konnten. Wie hätte Hannes Britschgi auch Nein sagen können?

Doch damit nicht genug. Meine Reportage im «Sonntagsblick Magazin» gefiel so gut, dass Berater Wildberger eine Woche nach Erscheinen bei seinem Kumpel einen Sonderdruck der Geschichte für seine Agentur und deren Auftraggeber, Kampfjet-Bauer Saab, bestellte. Acht Seiten, vierfarbig auf Hochglanzpapier, Auflage 2500 Stück. Flott kalkulierte Chefredaktor Britschgi über den Daumen und stellte knapp 9000 Franken in Rechnung, «Sonntagsblick»-Logo inbegriffen (ein Autorenhonorar war nicht vorgesehen; um eine Abdruckgenehmigung fragte er mich nie). So billig wird die Zürcher PR-Agentur Hirzel Neef Schmid nie mehr zu einer Imagebroschüre kommen.

Britschgi als Leiter der Journalistenschule

Und was für eine Broschüre das war! Wer kann seinen Kunden so eindrücklich zeigen, wie er selbst Rüstungsgüter in den grössten Publikumsmedien der Schweiz platzieren kann? Kampfjets, sympathisch dargestellt! PR-Novize Jürg Wildberger einen Top-Job gut gemacht.

Hannes Britschgi, kurzzeitig Politikchef der «Blick»-Gruppe, ist seit Anfang 2011 Leiter der Ringier-Journalistenschule. Es wäre interessant zu erfahren, wie er den Journalisten-Nachwuchs für die fintenreichen Tricks der PR-Branche sensibilisiert.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • leon Patrick am 05.12.2011 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    Eurofighter!!!!!!!!!!

    Unseren beiden grössten Handelspartner sind Italien und deutschland. Also kaufen wir doch den Eurofighter,den Bauen Italien und Deutschland,da kommen gute gegengeschäfte zustande

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  • Hellebarde am 04.12.2011 20:48 Report Diesen Beitrag melden

    Ordentliche Luftwaffe, ansonsten sein lassen!

    Das Argument, dass die Luftwaffe nur für den Luftpolizeidienst eingesetzt wird, ist ein Witz. Letzten Endes ist die Luftwaffe die erste Verteidigungslinie. Fällt die Luftwaffe, ist die Schweiz in der Heutigen Zeit am Ende. Das Schweizer Volk hat sich mehrmals für eine Armee ausgesprochen. Eine ordentliche Verteidigung kostet und das muss allen klar sein. Daher schlage ich vor. Den Kauf von 50 Lockheed Martin F-22 ( wenn sie ihn denn her geben) zudem 60 Lockheed Martin F-35. Zudem 20 Bell- Boing V-22. Des weiteren ein Raketenschirm. Das veraltete Klump wie F-5 Tiger endlich weg. Alle FA-18 weg. Alle Super Puma weg. Alle Cougar weg. Dann haben wir einigermassen eine Luftwaffe die Sinn macht. Eine Armee ist auch Abschreckung und das darf niemand vergessen. Wenn das Volk in der Verteidigung ihrer Heimat einen Sinn sieht, ist sie auch bereit dafür aufzukommen.

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  • Ogis innere Stimme am 05.12.2011 09:48 Report Diesen Beitrag melden

    Lug und Trug

    Ich finde es der Hammer wie uns das ganze Verkauft wird. Fakt ist der Hersteller von Gripen gehört zu 100% der RUAG und RUAG wie ihr wisst ist schweizerisch also machen wir die Flugzeuge in der Schweiz. Seit doch so ehrlich und schreibt das den es ist nicht schlecht dies zu machen es ist immer noch besser als bei anderen. Aber wieso so ein Werbetext???

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Die neusten Leser-Kommentare

  • mike schneider am 09.12.2011 11:06 Report Diesen Beitrag melden

    man braucht sie

    Ich finde man braucht Kampfjets, weil wen etwas pasiert und wir dan mit unseren alten Tigers anrüken ist das nicht so gut.

  • Ben bern am 05.12.2011 16:40 Report Diesen Beitrag melden

    kaum einer versteht den Artikel

    Hier geht es nicht um den Gripen! Hier geht es um das Thema Lobbying! Das genau gleiche funktioniert bei Autos, AKW, Zigaretten, Medikamenten oder in der heutigen Ausgabe: Musik-Download! Eine "SP-Politikerin" betreibt hier "Politik". NEIN sie ist im Vorstand der Suisa und macht einfach ihren Job von der Firma. NICHT als SP-Politikerin. Und hier hat jetzt ein Journalist sehr treffend mit einem ihn betreffenden Fall abgerechnet. Aber hier wird nur über Gripen toll!

  • Danny am 05.12.2011 15:20 Report Diesen Beitrag melden

    Eines nicht ohne das andere

    Vor jedem Frieden stand bisher ein Krieg. Was war zuerst da? Huhn oder Ei? Krieg oder Frieden? Ohne Krieg kein Frieden. Solange es den Menschen gibt, gab es, gibt es und wird es eines geben......Krieg. Traurig, aber Tatsache.

  • Bruno S. am 05.12.2011 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    intelligent

    Den Frieden mit Armee und Aufrüstung erreichen zu glauben ist etwa gleich intelligent wie den Alkoholismus mit Schnapsbrennerei bekämpfen zu wollen

    • chrigi am 05.12.2011 16:21 Report Diesen Beitrag melden

      nüchtern betachtet

      Dem stelle ich einfach mal entgegen, dass Länder mit Atomwaffen sich seit sie diese haben nicht mehr gegenseitig bekriegt haben. Eine Armee und deren Aufrüstung steht zudem nicht im Widerspruch zu Frieden. Den schliesslich handelt es sich dabei um ein Symtom und nicht um die Ursache von Kriegen. Frieden ist demetsprechend ein Zustand, der solange anhält, bis der Drang, gegen bestehende, diplomatisch nicht lösbare Unzufriedenheit vorzugehen grösser ist, als die Hemmung vor einem gewalttätigen Konflikt.

    • Suna B. am 06.12.2011 13:22 Report Diesen Beitrag melden

      korrekt

      korrekt... sonst würde bruno s. ja behaupten: wenn man angegriffen wird,jedoch aber frieden möchte, ist die lösung, sich nicht zu wehren... toller "frieden", wenn frieden für unterdrückung steht...

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  • R.Bosshard am 05.12.2011 14:56 Report Diesen Beitrag melden

    Fluzeug-Kauf

    1. Ist es egal in welchem Land eingekauft wird. Das Geschäft beinhaltet immer ein Gegengeschäft. Auch mit Schweden haben wir diverse Zusammenarbeitsverträge. 2. Ist die Wahl des Grippen gar nicht so schlecht. es ist ein Modernes Flugzeug mit adäquater Elektronik und Bewaffnung. Heute ist das Flugzeug nur die eine Hälfte eines Luftkampfes. Die andere Hälfte ist die Führung vom Boden aus. 3. ist der Grippen in den Abmessungen zu vergleichen mit Hunter, Mirage und Tiger. Wo die Platz gefunden haben passt als auch ein Grippen hinein

    • A. Lacher am 05.12.2011 15:07 Report Diesen Beitrag melden

      Grippe?

      Grippe? Meine rede. Diese Kampfjets sind eine Krankheit - und zwar eine, die Ausgerottet werden muss!!!

    • Zivil IFR Controller am 05.12.2011 16:48 Report Diesen Beitrag melden

      Kampfjets sind Sinnvoll

      @A.Lacher Ach und wen die kleine Neutrale Schweiz, die nur auf Verteidigung setzt keie Kampfjets mehr kauft glaubst Du wirklich das sich alle adere Länder auf der Welt dem Anschliessen? Wach auf, komm in die Realität. Und wie willst du ohne Kampfjets Luftpolizeidienst mache??? Der dient nämlich zur Hauptsache der Sicherheit der Zivilen Luftfahrt und uns Leutchen am Boden in der Schweiz über die über 120Millionen Flugzeuge pro jahr fliegen

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