Nach Ballon-Schwindel

19. Oktober 2009 11:09; Akt: 19.10.2009 14:27 Print

Wird Falcon von seinen Eltern gequält?Wird Falcon von seinen Eltern gequält?

Das Verschwinden des 6-jährigen Falcon Heene in einem Heissluftballon, das die USA stundenlang in Atem hielt, war vorgetäuscht. Für die Eltern wird es ein juristisches Nachspiel haben. Das hindert sie aber nicht, ihren Sohn weiterhin vor die Kameras zu zerren – selbst wenn er jetzt krank ist.

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Es sah aus wie ein Science-Fiction-Film und klang wie der schlimmste Albtraum aller Eltern: Ein silberfarbener Heliumballon schwebt über Colorado, ... ... an Bord ein sechsjähriger Junge namens Falcon Heene. Über Stunden hielt der Fall amerikanische Medien in heller Aufregung. Bilder des Ballons wurden live in das ganze Land übertragen. Doch die Befürchtungen der Familie und der Öffentlichkeit waren unbegründet. Falcon versteckte sich auf dem Dachboden der elterlichen Garage in einem Pappkarton. Begonnen hatte die Odyssee auf dem Grundstück der Familie Heene in Fort Collins in Colorado. Falcons Vater Richard ist ein experimentierfreudiger «Unwetterjäger», der gerne Naturphänomenen nachgeht. Der grosse Heliumballon war auf dem Grundstück festgemacht - nicht ausreichend, wie sich später herausstellte. Und der kleine Falcon kletterte in ein Fach des Fluggerätes und wurde dafür von seinem Vater ausgeschimpft. Kurz bevor der Ballon abhob, wurde Falcon noch von seinem Bruder in dem Fluggerät gesehen. Deswegen dachte alle Welt stundenlang, dass der Junge zum Ballonfahrer wurde. Zweimal durchsuchten Ermittler das Haus, mehrmals wurde sein Bruder befragt. Der Ballon legte in zwei Stunden mehr als 70 Kilometer zurück und flog über Häuser, Bäume, Teiche und die Prärie. Die Behörden suchten die Strecke ab. Zeugen berichteten, etwas sei aus dem Ballon gefallen. Die Aufregung war umsonst: Der Ballon schwebte von ganz allein zu Boden und landete etwa 20 Kilometer vom Flughafen Denver entfernt. Stunden später wurden Falcon entdeckt. Er und sein Vater erklärten schliesslich den Journalisten, wie es zu dem Irrtum kommen konnte. Nein, es sei kein Gag gewesen, betonte Richard Heene. «Ich habe ihn angebrüllt. Es tut mir wirklich leid, dass ich ihn angebrüllt habe.» Dann umarmte er seinen Sohn. «Er hat mir Angst gemacht, weil er mich angebrüllt hat», sagte der Sechsjährige später Journalisten. «Deswegen bin ich auf den Dachboden geklettert.» Doch wenig später nahm der Fall eine überraschende Wende: Das Verschwinden des Sechsjährigen war vorgetäuscht. Den entscheidenden Hinweis hatte der kleine Falcon selbst gegeben - in einem TV-Interview. Auf die Frage, warum er denn nicht aus seinem Versteck gekommen sei, meinte er: «Ihr habt gesagt, wir haben das für die Show gemacht.» Den Eltern war die Antwort sichtlich peinlich. Es folgten Verhöre der Eltern, auch die Kinder wurden ausgiebig befragt. Zudem durchsuchte die Polizei die Wohnung der Familie und stellte unter anderem Computer sicher. Die Heenes entpuppten sich als medienerprobte Familie: Sie hatten bereits zweimal in der Reality-TV-Serie «Wife Swap» teilgenommen. (Im Bild: Tauschfamilie Martel) Das Ganze war laut Angaben der Polizei eine Inszenierung. Ziel der Eltern sei es gewesen, in TV-Reality-Shows zu kommen und den Heliumballon des Vaters zu vermarkten. Den Eltern drohen nun Haftstrafen bis zu sechs Jahren und ein Bussgeld bis 500 000 Dollar.

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Sheriff Jim Alderden erklärte am Sonntag, die Eltern hätten «eine gute Show für uns abgezogen, und wir haben sie ihnen abgekauft». Vermutlich hätten sie die Geschichte erfunden, um auf ihren selbst gebauten Ballon aufmerksam zu machen oder um sich für einen Auftritt in einer Reality-TV-Show zu positionieren, sagte Alderden. Inzwischen hat sich auch ein ehemaliger Mitarbeiter Heenes zu Wort gemeldet, der behauptet, er habe gemeinsam mit ihm den PR-Coup vorbereitet. «Er wollte nichts anderes als eine neue Reality-Serie», erzählte Robert Thomas gegenüber «gawker.com».

Es steht schwarz auf weiss

Ein Medienunternehmen hat der Familie Geld für die Vermarktung der Geschichte versprochen. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass das fragliche Medium bereits vorab informiert gewesen sei, sagte Alderden. Zudem will die Polizei Robert Thomas als mutmasslichen Mitwisser vernehmen.

Der 25-jährige Thomas hat einen E-Mail-Wechsel mit dem Vater des Jungen, Richard Heene, an das Onlinemedium «gawker.com» verkauft. Daraus geht hervor, dass Heene vor einigen Monaten mit ihm über einen vergleichbaren PR-Gag sprach. «Das Ergebnis wird eine dramatische Bekanntheitssteigerung für die Heene-Familie sein», schrieb der Vater.

Sheriff Alderden zum Vorfall: «Wir habens ihnen abgekauft»

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(Quelle: APTN Video)

Sheriff Alderden erwartet nun strafrechtliche Konsequenzen. Den Eltern drohen Haftstrafen bis zu sechs Jahren und ein Bussgeld bis 500 000 Dollar. Doch für die Heenes ist die Show noch lange nicht aus: Verzweifelt unternehmen sie alles, um in den Medien zu bleiben. Seit Freitag tingeln sie mit ihren drei Söhnen von Talkshow zu Talkshow. Und das, obwohl der kleine Falcon sichtlich krank ist.

Falcon übergibt sich vor laufender Kamera

Mitten in einer Frühstücks-Liveshow musste der Sechsjährige zum WC rennen, um sich zu übergeben. Seine Eltern redeten unterdesssen ungerührt weiter. Stunden später eine ähnliche Szene, aber diesmal war Mutter Mayima vorbereitet: Sie reichte ihrem Sohn eine Dose, damit er sich übergeben kann.


(Video: YouTube)

US-Psychologen machen sich inzwischen Sorgen um den kleinen Falcon: Der Junge stehe unter starkem psychologischen Druck, den er kaum verarbeiten könne. Die drei Söhne der Familie hätten allerdings von der Inszenierung gewusst, behauptet Sheriff Alderden vor Journalisten. Ihnen drohten wegen ihres Alters aber vermutlich keine Strafen. Der älteste ist zehn Jahre alt. Die Kinder befanden sich am Sonntag noch in der Obhut ihrer Eltern. Die Jugendschutzbehörden haben sich aber eingeschaltet und prüfen den Fall.

(kle)