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Erdbeben in Italien
06. April 2009 10:00; Akt: 06.04.2009 16:18 Print
Zivilschutz ignorierte Erdbeben-Warnung
Nahm Italiens Zivilschutz Erdbeben-Warnungen nicht ernst genug? Erst vor einem Monat warnte ein Forscher vor einem «verheerenden» Erdbeben in den Abruzzen. Der Leiter des Zivilschutzes bezeichnete ihn danach als «Schwachkopf».
Das Erdbeben sollte sich nach den Berechnungen von Giampaolo Giuliani am 29. März in den Abruzzen ereignen. Giuliani, Forscher an den «Laboratori Nazionali del Gran Sasso», dem grössten unterirdischen Versuchslabor für Elementarteilchenphysik der Welt, schlug vor einem Monat Alarm, nachdem er die Freisetzung eines radioaktiven Gases, das Radon, aus den geologischen Erdrissen in der Region beobachtet hatte.

Radon-Methode
Bei der Radon-Methode wird der Austritt des Edelgases Radon aus der Erde gemessen. Die Idee ist, dass sich die Menge ändert, wenn sich ein Beben vorbereitet und sich in der Erde Klüfte auftun, erläutert der Geologe Rainer Kind. Diese Methode habe aber bislang noch kein wissenschaftlich belastbares Ergebnis gebracht. (AP)
Giulianis Prophezeiungen Anfang März von einem «verheerenden» Erdbeben trafen nicht ein. Jedoch konnte bei Sulmona, etwa 110 Kilometer südöstlich von L’Aquila, an jenem Tag ein Erdbeben der Stärke 4 auf der Richter-Skala gemessen werden.
Expertenstreit: Erdbeben nicht vorhersehbar
Erdbeben sind nach Einschätzung des Potsdamer Geologen Rainer Kind nicht vorhersehbar. Der Professor am Geoforschungszentrum hält auch die sogenannte Radon-Methode, mit deren Hilfe Giampaolo Giuliani vor einer Woche Erdstösse in dem Gebiet vorhergesagt hatte, für nicht geeignet, konkrete Aussagen über bevorstehende Beben zu treffen.
Giampaolo Giuliani sei ein ernsthafter Wissenschaftler, unterstrich Kind. Aber er habe ein Beben innerhalb des nächsten Tages vorhergesagt, was nicht eingetreten sei. Dass eine Woche später tatsächlich ein schweres Beben folgte, sei Zufall gewesen.
«Schwachköpfe, die Falschmeldungen verbreiten»
Am 31. März, zwei Tage nach dem vermeintlichen Erdbeben, kritisierte Guido Bertolaso, der Leiter des Zivilschutzes, Giulianis Warnung. Er drohte sogar mit einer Strafe gegen «diese Schwachköpfe, die sich damit amüsieren, Falschmeldungen zu verbreiten.»
In der Tat wurde Forscher Giuliani wegen dem Verbreiten eines falschen Alarms angezeigt, schreibt die italienische Zeitung «Corriere della Sera». «Jeder weiss, dass man Erdbeben nicht vorhersagen kann», war Bertolasos Begründung.
Eine Woche später als vorhergesagt traf Giulianis Prophezeiung ein: Am 6. April erschütterte ein Erdbeben der Stärke 5,8 die Abruzzen (20 Minuten Online berichtete).
Ausschnitte einer Direktübertragung aus der Katastrophenregion
(Quelle: APTN Video)
(kle)



























