Der lange Weg zur Wahrheit

06. Juli 2011 11:22; Akt: 06.07.2011 12:26 Print

Facebook-Fiasko für FDP-PolitikerFacebook-Fiasko für FDP-Politiker

Eine unbedarfte Kritik an Bundesrätin Leuthard könnte den Aargauer FDP-Grossrat Daniel Heller in Bedrängnis bringen. Er hat die UVEK-Chefin auf Facebook persönlich und auf tiefem Niveau angegriffen.

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Daniel Hellers verfänglicher Facebook-Kommentar. (Bild: Aargauer Zeitung)

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Daniel Heller, FDP-Fraktionschef im Aargauer Grossen Rat, steckt in der Facebook-Falle. Er fand Gefallen an einem Interview mit einem Energieexperten der liberalen Denkfabrik Avenir Suisse, der mit Bundesrätin Doris Leuthard hart ins Gericht geht. Heller verlinkte das Gespräch am Samstagabend auf seinem Facebook-Profil. Doch dabei liess er es nicht bewenden – im Nachhinein möglicherweise ein fataler Fehler. Der 51-Jährige gab seinerseits einen saftigen Kommentar ab und hält darin mit seiner Kritik an der Aargauer CVP-Bundesrätin nicht zurück. Der «hastig und schludrig aufbereitete» Ausstiegsentscheid des UVEK bestätige, was Insider schon lange wussten. «Auch Leuthard ist nicht auf der Höhe ihrer Aufgabe. Leider reichen heute aber Mediengewandtheit und Aussehen auch in der Schweiz aus, um politisch an die Spitze zu gelangen.»

Unter Hellers 400 Facebook-Freunden findet sich auch ein Redaktor der «Aargauer Zeitung». Dieser speichert den Kommentar des FDP-Fraktionschefs ab und konfrontiert den Politiker am Sonntag damit. Was jetzt folgt, ist eine Posse sondergleichen.

Statt dass der FDP-Politiker zu seiner harten Aussage steht, wie er es durchaus auch hätte machen können, streitet Heller erstmal alles ab. Es handle sich um «eine Fälschung», liess er den Redaktor der AZ wissen. Der Eintrag stamme «weder von mir noch von meinem Facebook-Account, noch gibt er meine Meinung wieder», antwortet er der Zeitung am Sonntag schriftlich – und entfernt gleichzeitig den verfänglichen Kommentar diskret von seinem Profil. Der Redaktor liess allerdings nicht locker. Ein weiterer Freund Hellers, der dessen Kommentar mit einem «Gefällt mir» versehen hatte, bestätigte dem Journalisten am Montag, dass dieser Kommentar auf Hellers Profil zu sehen war, nur um diese Bestätigung wenige Minuten darauf wieder zurückzuziehen. Was ihn dazu bewogen hatte, bleibt unklar.

Änderung der Verteidigungsstrategie

Nun änderte Heller seine Verteidigungsstrategie. Der Kommentar habe sich tatsächlich auf seinem Profil befunden, nur könne er sich nicht erklären, wie er dahingekommen sei, liess er den Redaktor noch am selben Tag wissen. Sein Profil sei «möglicherweise temporär für Dritte zugänglich und manipulierbar» gewesen. Hellers neue Behauptung lautete also: Jemand sei in seinen Account eingedrungen und hätte die Äusserung in seinem Namen veröffentlicht. Das war Eingeständnis Nummer eins.

Eingeständnis Nummer zwei folgte am Dienstag: Wiederum schriftlich teilte Heller der AZ mit, dass der Kommentar nicht nur auf seinem Profil zu sehen war, sondern dass er selber der Urheber desselben gewesen sei. Allerdings machte Heller nun ein «Versehen» geltend. Er habe gedacht, einen privaten, nur für die Augen seines Diskussionspartners bestimmten Kommentar zu verfassen, diesen jedoch versehentlich all seinen 400 Netzwerkbekannten zugänglich gemacht zu haben. Heller bestreitet seine Kritik an Leuthard also nicht mehr. Allerdings habe er «zu keinem Zeitpunkt beabsichtigt, die federführende UVEK-Chefin in irgendeiner Form öffentlich zu diffamieren. Ich schätze Doris Leuthard». Von der Energiepolitik der Bundesrätin allerdings kann man dies nicht sagen. Dies bekräftigt Heller gegenüber der AZ auch gleich noch einmal mit den Worten: «Ich bin der Auffassung, dass die bisherigen Grundlagen zum Ausstiegsentscheid aus der Kernenergie mehr als ungenügend sind.»

«Erst seit Anfang 2009 bei Facebook dabei»

Was die Geschichte noch etwas pikanter macht, ist die Tatsache, dass es sich bei Heller um einen erfahrenen PR-Profi handelt. Der 51-Jährige ist Partner und Verwaltungsrat der Farner Consulting AG, einer renommierten PR-Agentur. Auf die Frage, ob ein erfahrener PR-Mann nicht wissen müsste, wie Facebook zu bedienen sei, antwortet Heller: «Sicher sollte ich das wissen. Ich habe mich inzwischen kundig gemacht, was eine private Nachricht ist und was nicht. Ich bin erst seit Anfang 2009 mit einem eigenen Profil angemeldet.»

Zudem zieht Daniel Heller seine Lehre aus dem Lapsus: «Schnoddrige Einträge gehören nicht auf Facebook.» Eine Lehre, die vor Heller schon andere ziehen mussten. So hat vor knapp einem Monat ein Mädchen ihre Lehrstelle nicht antreten können, obwohl sie bereits einen gültigen Vertrag in der Tasche hatte, weil sie auf Facebook einen beleidigenden Spruch über eine Lehrerin platziert hatte. Ob auch Heller Konsequenzen aus seinem Verhalten zu tragen hat, wird sich noch weisen müssen.

(jam)

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  • Heinrich Zimmermann am 06.07.2011 15:36 Report Diesen Beitrag melden

    Eherlich statt schleimig, so ist gut

    Er hat doch recht mit seiner Aussage und "tiefes Niveau" ist das gar nicht. Wir muessen weg von der schleimigen Verdruecktheit und klar sagen was wir denken. Das ist Ehrlich.

  • Ronnie am 06.07.2011 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    unqualifiziert

    Soweit kommts, wenn sich eine PR-Agentur in die Energie-Debatte einmischt. Schliesslich ist der Ausstieg klar offensichtlich der einzige, umweltfreundlichste, und wirtschaftlich beste Weg! Das Klügste war, dass das Schnellschuss-Posting ebenso schnell wieder gelöscht wurde.

  • Mike Huber am 06.07.2011 15:18 Report Diesen Beitrag melden

    Hallo?

    Was soll an diesem Kommentar so schlimm sein?? Unglaublich...