Organisator verhaftet

06. April 2009 17:13; Akt: 06.04.2009 17:21 Print

Grösstes Pokerturnier geplatzt - Betrug?Grösstes Pokerturnier geplatzt - Betrug?

von Amir Mustedanagic - 1193 Zocker haben sich für das grösste Pokerturnier der Schweiz in St. Gallen angemeldet. Stattfinden wird der Event aber nicht. Der Organisator sitzt in Untersuchungshaft - wegen Betrug und Urkundenfälschung.

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Der Traum zahlreicher Pokerspieler ist geplatzt: An 120 Tischen sollten Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz um dreimal 20 000 Franken bluffen und zocken (20 Minuten Online berichtete). Über 1000 Gambler meldeten sich für das «grösste Pokerturnier der Schweiz» an. Sie bezahlten wie verlangt 225 Franken Einsatz und Spielgebühren. Nun ist aber klar: Ausser Spesen nix gewesen. Ihr Geld ist wohl für immer weg (siehe Infokasten). Sie sind einem langjährigen Betrüger auf den Leim gegangen.

«Der Organisator sitzt in U-Haft»

Der Geschäftsführer und Eigentümer der Veranstalterfirma «Euro Live Poker», ein gewisser Remo Garone, wurde vor zwei Wochen verhaftet und sitzt seither in Untersuchungshaft, wie es in einem Info-Mail von «buy-in.ch» heisst. Die Infoplattform für Pokerspieler bezieht sich darin auf die Kantonspolizei Aargau. Diese bestätigte die Festnahme gegenüber 20 Minuten Online, wollte sich aber zu den Gründen nicht näher äussern.

Gemäss «buy-in.ch» soll Remo Garone nicht wegen der Organisation des Turniers festgenommen worden sein, sondern aufgrund früherer Aktivitäten. Garone sei sechs Jahre lang wegen «umfangreichen Betrugs» polizeilich gesucht worden. Er soll dabei immer wieder Pseudonyme wie verwendet haben. Selbst Remo Garone sei ein Deckname. Der mutmassliche Betrüger entzog sich damit immer wieder äusserst geschickt dem polizeilichen Zugriff, schreibt «buy-in.ch» weiter und bezieht sich dabei auf Informationen des Treuhänders von Garone.

Grösstes Pokerturnier oder Riesenschwindel?

Unklar ist, ob auch das Pokerturnier ein Schwindel war. Zwar hat die Polizei Ermittlungen aufgenommen, sicher ist aber noch nichts. Gegen einen Betrug spricht, dass Garone den Veranstaltungsort bereits bezahlt hat, wie Ralf Engel, Eventchef der Olma Messen, gegenüber 20 Minuten Online bestätigte. Selbst die Security sei bereits organisiert gewesen, so Engel weiter. Und auch bei der Gewerbepolizei scheint alles klar gewesen zu sein. «Die Bewilligung für die Durchführung wurde erteilt», so Sprecher Benjamin Lütolf. Dem Event habe nichts im Wege gestanden. Es hätte einfach noch jemand die Bewilligung abholen müssen.

Für einen Schwindel spricht, dass Garone wohl seinen Abgang vorausgeplant hatte: Die Webseiten von «Euro Live Poker» und von RGA Concept & Event GmbH sind vom Netz genommen worden. Die Geschäftsnummer wurde auf das Mobiltelefon umgeleitet und dort meldet sich nur die automatische Combox.

Schon im Vorfeld misstrauisch geworden ist der Turnierdirektor, die Pokergrösse Thomas Lamatsch. Er hat sich bereits vor Wochen vom Event zurückgezogen. Garone habe nicht die nötigen Sicherheiten für die Finanzierung des 60-köpfigen Teams gebracht, erklärte Lamatsch auf Anfrage von 20 Minuten Online. Daraufhin habe er Garone abgesagt. «Ich habe einen Ruf zu verlieren», sagt er. Von Garone selbst habe er bereits geraume Zeit vorher nichts mehr gehört. Mit der Info von «buy-in.ch» sei ihm klar geworden warum.

«Wir haben uns blenden lassen»

Bei der Infoplattform «Buy-in.ch» ist man nicht überrascht vom Ausgang. «Wir waren von Anfang skeptisch gegenüber diesem Turnier», so Sprecher Sascha Crescionini. Grösse und Finanzierung seien auffällig knapp berechnet gewesen. Letztlich habe man Garone aber geglaubt. «Wir haben uns blenden lassen von Prominenten wie Thomas Lamatsch, der Fernsehübertragung und wahrscheinlich auch von der Hoffnung auf den grössten Event der Schweiz», so Crescionini. Dieses Ereignis sei aber ein Aufrüttler für die Szene. Es werde kaum jemand wieder leichtfertig seinen Einsatz im Voraus bezahlen.