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Amokankündigungen in Aufsätzen
05. Oktober 2008 22:20; Akt: 05.10.2008 23:28 Print
«Ich möchte Blut vergiessen wie Regen»
von Annette Hirschberg - Wenn Schüler in Aufsätzen brutale Gewalt bis ins sadistische Detail beschreiben, ist Vorsicht geboten. Betroffen sind oft Oberstufenschulen.
«Ich möchte Blut vergiessen wie Regen und sie alle zur Hölle schicken», schrieb ein Schüler in den USA in einem Gedicht. Zwei Monate später tötete er zwei Menschen. Auch an Schweizer Schulen drohen gemäss «Sonntag» Schüler in Aufsätzen Amokläufe an. Der Frauenfelder Herbert Wyss (57), der ein Amok-Interventionsteam leitet und Schulen in der ganzen Schweiz betreut, bekam schon rund ein Dutzend Texte von Schulleitern zugeschickt. «Etwa die Hälfte liess auf eine echte Gefährdung schliessen», so Wyss.
Der finnische Amokschütze Matti Saari tötete am 23. September 2008 wahllos zehn Personen und richtete sich danach selbst – auch er hatte seine Tat im Voraus angekündigt.(Bild: Keystone)
Notfallpsychologe Herbert Wyss.
Falsches Vorgehen an der Delta-Schule
Der Notfallpsychologe Herbert Wyss kritisiert die Intervention an der Zürcher Delta-Schule von vergangener Woche scharf: «Solche Massnahmen müssen immer ohne Öffentlichkeit ablaufen», sagt er. Er hätte in diesem Fall Gutscheine für alle Schüler ausgedruckt und die Klassen in die Masoala-Halle des Zürcher Zoos geschickt. «So hätte das Haus ohne Aufsehen durchsucht werden können», so Wyss. Durch die öffentliche Räumung der Schule werde der Drohende entweder gewarnt und werde noch gefährlicher – oder er werde zum Helden. «Beides ist absolut unerwünscht», so Wyss.
Der Notfallpsychologe handelt dann sofort: «Spätestens am nächsten Tag fangen wir mit einem Team den Schüler im Schulhaus ab.» Meist versuche dieser seine detailliert beschriebenen Tötungsfantasien zu verharmlosen. «Das tat auch der finnische Amokläufer Matti Saari und hatte damit bei der Polizei Erfolg», so Wyss. Doch sein Team lasse sich nicht so leicht in die Irre führen. «Mit Tests überprüfen wir das Gewaltpotenzial des Schülers», so Wyss. Bei Anzeichen auf Aggressivität werde sichergestellt, dass der Schüler ein Therapieprogramm besuche. «Notfalls auch per fürsorgerischen Freiheitsentzug», so Wyss.


























