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Interview
19. Februar 2010 16:03; Akt: 19.02.2010 16:24 Print
«Dürfen Passagiere nicht auf die Strasse treiben»
von Adrian Müller, Bern - 850 Millionen Franken brauchen die SBB zusätzlich pro Jahr, um den Netzunterhalt sicherzustellen. SBB-Chef Andreas Meyer erklärt im Interview, wie das passieren konnte und welche Auswirkungen die Mehrkosten auf die Ticketpreise haben.

Die SBB brauchen Geld für ihr Schienennetz.
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Zukünftige Entwicklung der Bahninfrastruktur (ZEB)
«Der Wein auf der Speisekarte ist teurer, als wir gedacht haben»: So fasste SBB-Boss Andreas Meyer das Problem der Mehrkosten bei der SBB-Infrastruktur zusammen. 20 Minuten Online sprach nach der Pressekonferenz mit dem obersten Bähnler, der vor seiner Tätigkeit bei den SBB auch im Aufsichtsrat der Berliner S-Bahn sass. Diese ist zuletzt wegen mangelhaften Unterhaltsarbeiten in die Schlagzeilen geraten.
Sie sagten, dass einige ausländische Bahnen die Kostenschraube zu stark angezogen haben. Hat Sie das S-Bahn-Chaos in Berlin aufgeschreckt?
Andreas Meyer: Bei der S-Bahn Berlin wurden offenbar Vorschriften zur Wartung von Bremszylindern nicht eingehalten. Das ist für mich unverständlich. Unser Entscheid, den Zustand des SBB-Netzes durch externe Fachleute begutachten zu lassen, hat mit Berlin nichts zu tun. Wir fällten den Entscheid für ein solches Gutachten bereits im Dezember 2008, Monate vor Bekanntwerden der Probleme in Berlin.
Der Unterhalt des Schienennetzes wurde vernachlässigt: Deshalb hat sich in den letzten 15 Jahren ein Nachholbedarf von über 1.3 Milliarden Franken angehäuft. Wie konnte das passieren?
Wir haben in den letzten Jahren immer wieder betont, dass die Passagierzahlen viel stärker wachsen, als dies die Prognosen vorausgesagt haben. Je höher das Netz belastet ist, desto mehr muss man zwangsläufig in den Unterhalt investieren. Jetzt stellen wir fest: Bei den Fahrbahnen und Oberleitungen besteht ein erheblicher Nachholbedarf.
Lötschberg-Basistunnel, Bahn 2000: Die letzten Jahre standen im Zeichen des stetigen Kapazitätsausbaus. Hat man vor lauter Bahn-Euphorie die Folgekosten vergessen?
Es war nie ein Geheimnis, dass neue Bauten Mehrkosten verursachen. Darum haben bereits unsere Vorgänger in zähen Verhandlungen mit dem Bundesamt für Verkehr für mehr Geld gekämpft. Sie haben aber nie soviel Mittel erhalten, wie sie eigentlich für den Netzunterhalt gebraucht hätten.
Was passiert, wenn die SBB vom Bund nicht genug Geld bekommen?
Die Netzbelastung ist seit 1995 um 47 Prozent gestiegen. Falls der Nachholbedarf beim Netzunterhalt nicht möglichst rasch abgebaut werden kann, hätte dies Betriebseinschränkungen, vermehrte Langsamfahrstellen und letztlich Verspätungen für die Passagiere zur Folge.
Die Bahnpassagiere interessiert primär, wie sich die Mehrkosten beim Netzunterhalt auf die Billetpreise niederschlagen. Wird Zugfahren noch teurer?
Wir erhöhen die Preise auf den Fahrplanwechsel 2010 um durchschnittlich 6.4 Prozent. Das hat nichts zu tun mit den Zusatzkosten für den Unterhalt. Ob sich diese irgendwann auf die Billettpreise auswirken werden, wird sich weisen. Zu allererst müssen wir unsere Hausaufgaben selbst machen und alle Bereiche nach Sparpotenzial ausloten. Das kann laut dem Expertenbericht bis zu 100 Millionen jährlich ausmachen. Der Bund wird aber nicht darum herumkommen, seinen Beitrag für die Infrastruktur zu erhöhen.
Nochmals: Müssen die Passagiere mit höheren Billettpreisen rechnen?
Es ist vorstellbar, dass das Bundesamt für Verkehr die Trassenpreise* erhöht, was sich auf die Billetpreise auswirken könnte. Das müsste aber moderat sein. Die Preise dürfen aber nicht so weit steigen, dass wir unsere Fahrgäste aus den Zügen auf die Strasse treiben.
*Preis für die Nutzung einer Bahnstrecke (Schienentrasse)

























