Greenpeace

08. Januar 2010 12:15; Akt: 08.01.2010 15:20 Print

«Habe nur zwei Gesichter gesehen - die der Wärter»«Habe nur zwei Gesichter gesehen - die der Wärter»

von Joel Bedetti - Drei Wochen lang schmorte der Schweizer Greenpeace-Aktivist Christian Schmutz in Einzelhaft, weil er und drei Gleichgesinnte das Bankett am Kopenhagener Klimagipfel aufmischten. Ob es zu einer Anklage kommt, sei derzeit offen.

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14.05 Uhr: Ob es zu einer Anklage gegen die Aktivisten kommt, sei derzeit «völlig offen». Dass sich die Aktion in dem königlichen Palast abspielte, könnte sich gemäss einem dänischen Gesetz strafverschärfend auswirken, teilt Greenpeace mit. Das Vorgehen der dänischen Sicherheitskräfte wird kritisiert. In Brüssel habe eine ähnliche Aktion für die Aktivisten jedenfalls keine Verfolgung nach sich gezogen.

13.49 Uhr: «Ich habe in den letzten zwanzig Tagen nur zwei Gesichter gesehen», sagt Christian Schmutz, «das waren die der beiden Wärter», so Schmutz über seine Zeit in der Untersuchungshaft.

13.38 Uhr: Greenpeace Schweiz dankt zunächst allen Involvierten, die sich seit der Untersuchungshaft von Christian Schmutz in Dänemark eingesetzt haben. Für seinen Einsatz und seinen Greenpeace-Spirit wird vor allem dem Protagonisten höchster Respekt gezollt. Der Dank gilt aber auch der Familie Schmutz, die Christian und Greenpeace während der ganzen Zeit den Rücken gestärkt haben.

Die Ferien mit der Familie sind ins Wasser gefallen, Weihnachten und Silvester verbrachte er auf einer harten Pritsche in einer Einzelzelle, die einzige Unterhaltung war eine Bibel auf dänisch: Greenpeace-Kampagnenleiter Christian Schmutz hat für den Coup, mit dem er am Kopenhagener Klimagipfel die Politiker an ihre Verantwortung erinnern wollte, hart büssen müssen.

Nun kehrt er in die Schweiz zurück und begibt sich gleich nach der Ankunft ins Schweizer Greenpeace-Hauptquartier, wo er über seine Haft in Dänemark Auskunft gibt. 20 Minuten Online berichtet ab 13.30 live von der Pressekonferenz von Greenpeace Schweiz.

Falscher Präsident

Angefangen hatte alles mit einem ebenso frechen wie generalstabsmässig geplanten Manöver an der Kopenhagener Klimakonferenz. Als am 17. Dezember über 100 Staatschefs in Limousinen zum Bankett im dänischen Königspalast anrollten, schlichen sich unbemerkt zwei schwarze Mercedes in den Konvoi. Darin sassen, in Festrobe, vier Greenpeace-Mitglieder, darunter der Schweizer Kampagnenleiter Christian Schmutz.

Obwohl eher schmächtig und bebrillt, nahm man ihm den Bodyguard ab, den er für seinen spanischen Greenpeace-Kollegen spielte, welcher als georgischer Staatschef durchging. Eine niederländische Aktivistin mimte dessen Frau. In der Eingangshalle, wo die Kameras warteten, entrollten sie ein knallgelbes Plakat: «Politiker reden, Leader handeln», stand darauf.

Die Störenfriede wurden umgehend festgenommen. Die dänische Polizei, welche die Greenpeace-Truppe mit ihrer Infiltration bis auf die Knochen blamiert hatte, warf ihnen illegales Betreten von Staatsgrund und das Benützen gefälschter Nummernschilder vor und steckte sie in Einzelhaft.

Calmy-Rey intervenierte

Christian Schmutz und seinen Mitstreitern wurde nichts geschenkt: Sie mussten auch Weihnachten im Gefängnis verbringen. Schmutz durfte nicht einmal mit seiner Frau und seinem zweijährigen Sohn telefonieren. Besuchen durften Schmutz lediglich sein Anwalt und der Schweizer Konsul in Kopenhagen. Die einzige Unterhaltung in der Isolationshaft war eine dänische Bibel.

Aussenministerin Micheline Calmy-Rey setzte sich am Jahresende in einem Telefonat mit ihrem dänischen Amtskollegen dafür ein, dass Schmutz seine Familie empfangen und Post erhalten dürfe. Vor der dänischen Botschaft in Bern hielten Greenpeace-Anhänger eine Mahnwache ab und protestierten beim Botschafter gegen das Vorgehen der dänischen Behörden. Auch der Basler SP-Nationalrat Paul RechsteinerDas ParlamentPaul Rechsteiner
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kritisierte, dass die lange Untersuchungshaft unverhältnismässig sei.

Wieder ins Gefängnis zurück

Am 2. Januar reisten Frau, Kind und Eltern von Christian Schmutz nach Dänemark und wohnten auf einem Greenpeace-Schiff, welches auf die Freilassung der Aktivisten wartete. Am Mittwochnachmittag, dem 7. Januar, entliessen die dänischen Behörden die vier Aktivisten nach 20 Tagen Untersuchungshaft.

Gegessen ist die Sache damit aber nicht. Gegen Schmutz und seine Kollegen wird voraussichtlich Anklage erhoben, bei einer Verurteilung müsste der Familienvater wieder ins Gefängnis nach Kopenhagen zurückkehren.