Lawinen-Opfer erzählt

08. Februar 2010 18:49; Akt: 09.02.2010 15:58 Print

«Ich hoffte, ein Tier würde mich finden»«Ich hoffte, ein Tier würde mich finden»

Nach 17 Stunden wurde Cédric Genoud aus einer Lawine gerettet. Wie durch ein Wunder überlebte er und erholt sich nun im Spital. Noch vom Krankenbett in Sion aus berichtet er, wie er die Zeit in der Lawine und seine Rettung erlebte.

Bildstrecke im Grossformat »

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

«Überleben, trotz 17 Stunden unter einer Lawine zu liegen und danach mit einer leichten Unterkühlung aufgefunden zu werden, muss als 'besonderes Ereignis' bezeichnet werden.» Diese eher ungewöhnliche Anmerkung in einer Polizeimeldung unterstreicht die extreme Situation. Noch krasser hingegen beschreibt es das Opfer selbst: «Ich fühlte mich wie in einem Sarg eingeschlossen», sagt der 21-Jährige, der am Samstag im Walliser Ort Évolène verschüttet wurde. Die Angst steht ihm immer noch ins Gesicht geschrieben.

Cédric erzählt, wie er die Scheinwerfer der Raupenfahrzeuge wahrgenommen hat, die gekommen waren, um die Suchequippe abzuholen. «Ich dachte, ich würde gerettet werden», erzählt der Waadtländer. Als die Fahrzeuge wieder wegfuhren, habe er realisiert, dass er die Nacht in der Lawine verbringen würde. «Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich gebetet. Ich hoffte, ein Tier würde mich finden», schildert Cédric seine fürchterliche Situation.

Cédrics Mutter spricht von einem zweiten Leben, das ihrem Sohn geschenkt worden sei. Es werde ein «Vor-Évolène» und ein Danach geben.

«Die Schilder habe ich ignoriert»

Am Samstag war der Waadtländer in der Region «du pas d'Arpilles» in Évolène ausserhalb der markierten Pisten unterwegs, als er von einem 50 Meter breiten und 150 Meter langen Lawinenkegel erfasst wurde. Um 16.30 Uhr wurde er als vermisst gemeldet. Daraufhin wurde die Suche eingeleitet. In der Nacht auf Sonntag musste sie abgebrochen werden. Erst im Laufe des Vormittags konnte er geortet werden. Der als erfahren geltende Skifahrer war von einer 50 Zentimeter dicken Schneedecke bedeckt.

«Ich war mir der Risiken nicht bewusst. Die Schilder, die die Risikostufe 4 signaliserten, habe ich zwar gesehen, aber einfach ignoriert», räumt Cédric G. gegenüber 20 Minutes Online ein.

Eigentlich keine Chance

Dass Lawinenopfer nach so langer Zeit lebend geborgen werden, ist mehr als unwahrscheinlich. «Bereits nach 15 Minuten sinkt die Überlebenschance einer ganz verschütteten Person markant», heisst es in einer Studie des WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung SLF. Die häufigste Todesursache ist das Ersticken, weil die verschüttete Person oft nur eine kleine Atemhöhle hat. Nach 90 Minuten liegt die Überlebenschance noch bei 20 Prozent. Danach nimmt die Überlebenschance etwas langsamer ab. Der Grund: Wer so lange überlebt, hat zumindest ein wenig Sauerstoff zum Überleben. So war es auch beim Lawinenunglück des Waadtländers. Es wird davon ausgegangen, dass ein kleiner Hohlraum mit Frischluftzufur ihn letztlich am Leben hielt.

Im Grossformat auf dem VideoportalGrossformat

Der TV-Player benötigt einen aktuellen Adobe Flash Player: Flash herunterladen

(oku/tde/mac/rub)