Zivildienst

02. März 2010 17:09; Akt: 02.03.2010 17:31 Print

«Viele sind zu faul fürs Militär»«Viele sind zu faul fürs Militär»

von Joel Bedetti - CVP-Nationalrat Jakob Büchler verteidigt im Interview die Bemühungen der Sicherheitskommission, den Soldaten den Übertritt in den Zivildienst zu erschweren. Der Dienst am Vaterland sei vor allem im Militär zu leisten.

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Obwohl die Armee Überbestände hat, soll der Bundesrat es Soldaten erschweren, zum Zivildienst zu wechseln. Das hat gestern die bürgerliche Mehrheit im Nationalrat auf Antrag der sicherheitspolitische Kommission beschlossen. Kommissionspräsident Jakob BüchlerDas ParlamentJakob Büchler
CVP, SG
auf MerklisteDetails
(CVP) hat sich den Fragen von 20 Minuten Online gestellt.

20 Minuten Online: Herr Büchler, die Armee hat zu viele Soldaten. Viele von denen wollen in den Zivildienst wechseln. Wo liegt denn eigentlich das Problem?
Jakob Büchler: Es werden immer mehr, das ist das Problem. Früher gingen pro Jahr 1500 Männer in den Zivildienst, jetzt sind es schon 5000, bald werden es 10 000 oder 20 000 sein. Wir müssen jetzt den Riegel schieben, sonst ist die Armee bald ausgehungert.

In den vergangenen 10 Monaten haben 5000 Männer die Armee verlassen, um einen anderthalb Mal längeren Zivildienst anzutreten. Heisst das jetzt, dass der Zivildienst zu locker ist oder die Armee komplett unattraktiv?
Ich würde sagen, der Zivildienst ist zu einfach. Wenn jemand ein Problem hat, mit einem Vorgesetzten oder einem Kameraden, oder am Morgen nicht mehr so früh aufstehen will, meldet er sich beim Zivildienst. Dabei ist der Dienst im Militär ein Dienst am Vaterland: Das kann so weit gehen, dass man in den Krieg zieht. Das darf man nicht auf die leichte Schultern nehmen.

Ist denn der Zivildienst, beispielsweise die Betreuung von alten Menschen, kein Dienst am Vaterland?
Doch, natürlich. Das ist auch wichtig. Aber die Zahl der Zivildienstleistenden ist dermassen explodiert, dass ich denen einfach nicht mehr abnehme, dass sie alle aus Gewissensgründen wechseln. Die glaube, die meisten sind zu faul fürs Militär. Die wollen wieder einen 8-Stunden-Tag.

Jetzt unterstellen Sie der Jugend doch einiges. Können Sie sich nicht vorstellen, dass man als Jugendlicher in die Armee geht, untätig in einem WK versauert und sich sagt: Wenn ich schon Dienst leiste, dann an einem Ort wo es Sinn macht?
Klar verstehe ich, dass sich manche Leute heute von der Armee nicht mehr so angezogen fühlen. Aber wenn ich sehe, dass jetzt Tausende, kaum haben Sie die RS beendet, in den Zivilschutz übergehen – dann kauf ich denen das nicht ab. Das darf nicht sein.

Sie wollen dass man künftig nicht mehr vom Militärdienst in den Zivildienst wechseln kann?
Natürlich gibt es immer wieder Veränderungen in der Persönlichkeit, denen man Rechnung tragen muss. Aber so wie es jetzt läuft, geht es einfach nicht. Ich bin mir auch gar nicht sicher, ob es genügend Stellen im Zivildienstbereich hat.

Es gibt zu wenig Arbeitskräfte in der Altersbetreuung, immer weniger Menschen machen Freiwilligenarbeit. Der Bedarf wäre da.
Trotzdem: Ich kann das nicht begrüssen, dass die Jugend sich in Massen von der Armee abwendet.

Sind Sie noch nicht auf die Idee gekommen, dass das Problem bei der Armee und nicht bei den faulen Jugendlichen liegen könnte?
Sie haben teilweise Recht. Die Armee hat an Attraktivität verloren. Wir müssen wieder besser werden. Aber es ist nicht alles schlecht. Ich war kürzlich an einer Truppeninspektion, da habe ich junge Menschen gesehen, die den Sinn der Armee noch sehen. Die jungen Leute müssen wieder in die Armee. Der Militärdienst muss Standard sein. Zivildienst ist für Männer, die aus ethischen Gründen keine Waffe tragen wollen. Zivilschutz ist für Männer, die aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Armee dienen können. So ist das schliesslich in der Verfassung verankert.

Aber das ist ein Modell aus dem Kalten Krieg. Unsere Gesellschaft und die Welt darum haben sich verändert. Kommt es für Sie nicht in Frage, die Stellungspflichtigen wählen zu lassen, ob sie im Militär, Zivilschutz oder Zivildienst dem Vaterland dienen wollen?
Schauen Sie: Wir müssen die Armee mit genügend Mannschaften bestücken können, um schlagkräftig und glaubwürdig zu bleiben. Bei Unwettern wollen wir mit in grosser Zahl anrücken können, da helfen Zivildienstleistende wenig.

Was ist Ihre Antwort auf meine Frage?
Die Antwort ist Nein. Eine Gleichberechtigung kommt für mich nicht in Frage.

Herr Büchler, wenn die bürgerlichen Militärpolitiker schon wegen zusätzlichen 5000 Zivildienstlern in Panik geraten, haben sie wohl kaum mehr Vertrauen in die Armee.
Doch, das haben wir. Aber wir müssen aufpassen, dass die Schweizer Armee gross bleibt. Sie sehen jetzt wieder in Chile, wie wichtig eine Armee ist. Kaum gibt es ein Erdbeben, wird geplündert – dann brauchen Sie die das Militär!

20min Login Facebook Connect
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

  • Daniel Neuhaus am 25.08.2010 20:18 Report Diesen Beitrag melden

    Gewissensprüfung Zivildienst

    Welches Gewissen soll denn geprüft werden? Ist es das der Militärs, die künftige Rekruten ausheben? Ist es immer noch so, dass ein fremder Truppenarzt den jungen Männern an die Eier langt, während andere Männer in Reih und Glied hinten anstehen. Dieser staatliche Galeerendienst ist eine Schweinerei. Es ist eine Benachteiligung gegenüber ausländischen Männern und den Frauen. Wenn die Gesellschaft Sicherheit will, dann soll sie gefälligst den Preis dafür bezahlen! Männer sind keine Leibeigenen, der Staat soll die Finger von ihnen lassen, diese können dann Arbeiten und Berufserfahrung sammeln.

  • Gauchoo am 16.03.2010 14:26 Report Diesen Beitrag melden

    Ich weiss nicht was das Problem ist!

    Ich leiste jedes Jahr brav meinen Dienst und freue mich auch immer wieder darauf. Ich darf für 4 Wochen aus dem Alltag ausbrechen, bin bei jedem Termin entschuldigt, da ich im Dienst bin. Keine Geschäftstermine, lustige Übungen, interessante Gespräche mit Vorgesetzten und Kameraden. Da spielt es auch gar keine Rolle, ob das Militär Sinn macht oder nicht... Ich habe davon viel profitiert und Steuern geben wir jeden Tag doofer aus!

  • Oivlis am 16.03.2010 00:30 Report Diesen Beitrag melden

    Schweigespirale dreht sich

    zuffällig sind die Kommentare fast durchwegs antimilitärischer Natur... Bekannterweise gehört die linksliberale Positionierung zum Berufsethos der Medienschaffenden. Zu diesem Weltbild zählt auch die Abschaffung der Milizarmee. Ich vermute, dass ein Teil der Pro-Armee-Kommentare zwecks Suggerieren einer gewünschten, vermeintlichen Mehrheitsmeinung gelöscht werden.