Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
08. April 2008 08:41; Akt: 08.04.2008 22:46 Print
Jüdische Organisation: «Calmy-Rey finanziert Terrorismus»
Nach dem Jüdischen Weltkongress (WJC) nimmt auch die jüdische Organisation Anti-Defamation League (ADL) die Schweiz und ihre Aussenministerin Micheline Calmy-Rey wegen des Gasliefervertrags mit dem Iran ins Visier. In einer heute lancierten Inseratenkampagne wird die Schweiz der Terrorismusfinanzierung bezichtigt.

Das EDA wies die Kritik zurück. Der Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds, Alfred Donath, distanzierte sich von der Inseratekampagne.
Anti-Defamation League
Die Anti-Defamation League (kurz: ADL) ist eine US-amerikanische Organisation mit Sitz in Washington, die nach eigenem Bekunden gegen Diskriminierung und Diffamierung von Juden eintritt. Sie wurde 1913 in Chicago gegründet. Ausschlaggebend war ein Vorfall im US-Bundesstaat Georgia, bei dem Leo Frank gelyncht wurde, weil er Mary Phagan, ein 13 Jahre altes Mädchen, vergewaltigt und ermordet haben soll. Seine Unschuld gilt heute als erwiesen, so dass das eigentliche Motiv für den Mord am Industriellen im Antisemitismus zu suchen ist. Seit 1998 ist die Anti-Defamation League in Europa mit einem Büro in Wien vertreten. Die ADL verleiht einen «Distinguished Statesman Award» für besondere Politikverdienste. Preisträger sind unter anderem Ariel Sharon (2002), Silvio Berlusconi (2003) und Aleksander Kwasniewski (2005). Seit 1987 wird sie von Abraham Foxman geleitet, einem in Polen geborenen Holocaust-Überlebenden. Er hat für seine Arbeit mehrere Auszeichnungen erhalten. Unter anderem wurde er in die französische Ehrenlegion aufgenommen. Für Schlagzeilen sorgte Foxman im Jahr 2004, als er Mel Gibsons Film «The Passion of the Christ» als antisemitisch bezeichnete. 2006 kritisierte er zudem den ehemaligen US-Präsidenten Jimmy Carter für dessen Buch «Palestine: Peace, Not Apartheid», in dem dieser Israel die Hauptschuld für den ungelösten Palästinakonflikt gibt.
In der heute lancierten Kampagne wird die Schweiz der Terrorismusfinanzierung bezichtigt. «Während die schweizerische Regierung ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen verfolgt, finanziert sie den weltweit führenden staatlichen Unterstützer von Terrorismus», heisst es in den ganzseitigen Inseraten. Und an die Adresse von Bundesrätin Calmy-Rey: «Wenn Sie einen terroristischen Staat finanzieren, finanzieren Sie Terrorismus.»
Laut der ADL-Homepage wurden die Inserate in führenden Schweizer und US-Zeitungen platziert, und zwar in den Blättern «Neue Zürcher Zeitung», «Le Temps», «Le Matin bleu», «New York Times», «International Herald Tribune», «New York Sun» sowie in der Europa-Ausgabe des «Wall Street Journal». ADL-Direktor Abraham Foxman holt in einem Beitrag für den jüdischen Informationsdienst JTA auch weiter aus und schreibt, die Schweiz scheine im Krieg gegen die radikalislamistische Bedrohung die gleiche Haltung einzunehmen wie während des Zweiten Weltkriegs und während des Kalten Kriegs, nämlich jene der Verfolgung von Eigeninteressen durch die Bekennung zur Neutralität.
EDA verwahrt sich gegen Vorwürfe
Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) wies auf Anfrage darauf hin, dass die Vorwürfe und Zahlen im Inserat nicht den Fakten entsprächen. Der Gasliefervertrag zwischen dem Energiekonzern EGL und der iranischen Gasexportfirma sei zudem mit den Iran-Sanktionen sowohl der Vereinten Nationen wie auch der USA konform, bekräftigte EDA-Sprecher Lars Knuchel. Hinzu komme, dass zahlreiche Länder viel grössere Handelsbeziehungen als die Schweiz mit dem Iran unterhielten. Der EDA-Sprecher zählte die grössten Abnehmer von iranischen Exporten auf, auf der die Schweiz weder bei den Gesamtausfuhren noch bei den Rohstoffexporten unter den ersten zehn figuriert.
Auf Distanz zur Inseratekampagne ging auf Anfrage der Präsident der Dachorganisation der Schweizer Juden, Donath. Die Vorwürfe seien «übertrieben und weitgehend», sagte der SIG-Präsident. Zudem schätzten es die Schweizer Juden nicht, wenn sich die internationalen jüdischen Organisationen in die Schweizer Politik einmischten. Donath bestätigte zu einem Bericht der Westschweizer Zeitung «24heures», dass er von Calmy-Rey persönlich über den Iran-Besuch informiert worden sei. Dabei habe er den Eindruck gewonnen, dass die Aussenministerin nicht gerne nach Teheran reise. Die Kritik sollte sich nicht so sehr gegen die Aussenministerin, sondern vielmehr an den Gesamtbundesrat richten, sagte Donath. Der SIG hatte den Gasliefervertrag bereits einen Tag nach der Unterzeichnung vom 17. März scharf kritisiert.
Erinnerung an Holocaust-Kontroverse
Die Inseratekampagne der ADL und der offene Brief des WJC-Präsidenten Ronald Lauder wecken Erinnerungen an die Kontroverse über die Holocaust-Gelder auf den Schweizer Banken in den 1990-er Jahren. Damals hatte die ADL allerdings eine weniger scharfe Position als der Jüdische Weltkongress eingenommen und die Schweiz für ihre Schritte zur Vergangenheitsbewältigung wiederholt auch gelobt.
(dapd)
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»
Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.
«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»
Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.
«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»
Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)
Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?
Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.
-
Alle 130 Kommentare




























ADL
Israel ist wohl der grösste Staatsterrorist aller Zeiten - dieses Thema wird immer geschickt vermieden!
schweiz und neutralitat
Wenn die Schweiz ihre Neutralitat aufrechterhalten will, dann soll mann sich fragen was diese ganze Beziehungen zu Iran einem offentlichen Holocaust leugner uberhaupt soll. Mann kann sich nicht nicht immer bei den Fakten, hinter der Neutralitat verstecken.
Schweizer sind Terroristen
Der Abschluss des Gasvertrag ist eine indirekte Finanzierung der Hamas. Somit finanziert die Schweiz z.B. Waffenlieferungen an die Hamas, welche absichtilich Zivilpersonen ermorden und eine Nation auslöschen möchten. Wir Schweizer sind die Terroristen, alle die, die Handel mit dem Iran befürworten.
Blödsinn!
Recherchieren Sie bitte alternative Medien - dann werden auch Sie die Wahrheit kennen lernen! Israel lügt.