Rassismus-Kommission

23. Januar 2009 14:22; Akt: 23.01.2009 14:23 Print

Pro-Scharia-Artikel sorgt für DiskussionenPro-Scharia-Artikel sorgt für Diskussionen

Ein Gastbeitrag zum Thema «Multikulturalismus» in der Publikation der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR) hat in der Schweiz eine Debatte rund um die Scharia ausgelöst. Nun meldet sich die EKR zu Wort und distanziert sich vom Artikel.

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Verfasser des Beitrag in der offiziellen Publikation der EKR war der Freiburger Sozialantropologe Christian Giordano. Als Gastautor redete er dem Rechtspluralismus – vor allem in Aspekten des Zivil- und Familienrechts sowie Finanz- und Wirtschaftsrechts – das Wort.

«Niemand von uns will, dass die Scharia in der Schweiz eingeführt wird», legte EKR-Präsident Georg Kreis in einem am Freitag publizierten Interview auf «Tages-Anzeiger.ch» die Meinung der EKR klar.

Kreis sagte, er habe sich klar von Giordanos Artikel distanziert, weil dieser die falschen Angriffsflächen biete: «Wer böswillig sein Süppchen kochen und die EKR in eine bestimmte Ecke stellen will, bekommt durch den Artikel eine Chance.»

Kreis erinnerte zudem daran, dass Giordano kein EKR-Mitglied sei und lediglich einen kleinen Gastbeitrag verfasst habe. In der EKR- Publikation werde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass solche Meinungsäusserungen nicht die Auffassung der Kommission wiedergeben würden.

Parallele Rechtssprechung

Giordano distanzierte sich im Artikel zwar von der Idee einer parallelen, etwa islamischen Rechtssprechung. Doch er regte an, «in einigen Bereichen des gesetzten Rechts Mechanismen einzuführen, die den kulturellen Eigenheiten Rechnung tragen».

Damit glaubt Giordano den parallelen Rechtssprechungen beizukommen, die bereits existierten und ohne jegliche staatliche Kontrolle angewandt würden.

Mit dem gleichen Argument hatte vor gut einem Jahr der Erzbischof von Canterbury Scharia-Gerichte für britische Muslime verlangt. Das Oberhaupt der anglikanischen Kirche löste damit wütende Proteste in der Bevölkerung aus.

Wenig Gegenliebe

Auch Giordano stiess mit seiner Idee in der Schweiz auf wenig Gegenliebe. Insbesondere Frauen- und Menschenrechtsorganisationen sprachen sich entschieden gegen islamisches Recht in der Schweiz aus. Dessen Einführung dürfe in der Schweiz nicht einmal ein Thema sein, schrieb etwa die Schweizerische Evangelische Allianz.

In der islamischen Glaubensgemeinschaft fand Giordano ebenfalls wenig Zustimmung. Die meisten Vertreter äusserten sich zurückhaltend. Hisham Maizar, Präsident der Föderation Islamischer Dachverbände in der Schweiz, bezeichnete die Diskussion gegenüber der «NZZ am Sonntag» als «politisch nicht opportun».

(sda)