Affäre Rappaz

26. August 2010 14:49; Akt: 26.08.2010 14:58 Print

Nur Fanatiker halten einen Hungerstreik durchNur Fanatiker halten einen Hungerstreik durch

Sowohl der Anwalt von Bernard Rappaz wie auch sein Freund sind überzeugt, dass Rappaz erneut in einen Hungerstreik treten wird. Der forensische Psychiater Andreas Frei erklärt, warum gewisse Menschen bis zum Äussersten gehen.

Bildstrecke im Grossformat »
Hungerstreik und Proteste nützten nichts: Rappaz muss nicht nur seine ursprünglich verhängten 5 Jahre und acht Monate Gefängnis absitzen. Jetzt wurde er auch noch zu einem Jahr zusätzlich verurteilt, wegen Delikten, die er vor 2002 begangen hat. 30. August 2010: Rappaz ist erneut in den Hungerstreik getreten. 29. Juli 2010: Bernard Rappaz ist zurück auf seinem Hof, wo er nach einem Hungerstreik seine Freiheitsstrafe vorläufig in Form von Hausarrest absitzen wird. 10 Mai 2010: Bernard Rappaz während seiner Knastferien auf seinem Bauernhof. 17. März 2010: Rappaz lädt zur Pressekonferenz im bedeutungsvollen Farinet-Rebberg. Einen Tag zuvor hatte er seine Haft antreten müssen. 13. Januar 2006: Rappaz reicht mit Aktivisten des Komitees «Pro Jugendschutz gegen Drogenkriminalität» in Bern 105 000 Unterschriften der Volksintiative für eine vernünftige Hanf-Politik mit wirksamem Jugendschutz ein. 2. November 2006: Rappaz während des Prozesses vor Gericht in Martigny. 25. Februar 2002: Eine letzte Zigarette mit seiner Familie vor dem Haftantritt im Gefängnis von Sion. 24. Februar 2002: Eine letzte Henkersmalzeit im Farinet-Weinberg am Tag vor seinem Haftantritt. 4. Februar 2002: Die Famillie Rappaz nach einer Pressekonferenz auf seinem Bauernhof in Saxon. 4. Februar 2002: Immer wieder bedient sich Rappaz der Presse. 25. Januar 2002: Rappaz mit seinem Sohn im Spital von Martigny. 28. November 2001: Rappaz wird ins Gericht in Sion geführt. 20. November 2001: Die Polizei hat das Hanffeld von Rappaz geräumt. 2. November 2000: Rappaz freut sich über die gute Hanfernte. 26. Juni 1997: Andy Stafforte, Mauro Berini, Bernard Rappaz und Claude Rey (vlnr), Vorstandsmitglieder der Schweizer Hanfkoordination, präsentieren in Bern unter dem Motto «Hanf - Die Wachstumsbranche» verschiedene, aus Hanf hergestellte Artikel.

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Laut Gerichspsychiater Andreas Frei braucht es einen «sehr starken Willen», um einen Hungerstreik auszuhalten. Als zwei Extrembeispiele er den indischen Freiheitskämpfer Mahatma Gandhi und den RAF-Terroristen Holger Meins. Hungerstreik sei somit eine machtvolle Waffe, die aber auch von Querulanten oder Fanatikern genutzt werde.

Als fanatisch bezeichnet der Gerichtspsychiater jemanden, der nicht mehr in der Lage oder Willens ist, den Standpunkt des anderen einzunehmen. «Diese Menschen bewegen sich am Rande der Normalität.» Zudem würden Fanatiker grundsätzlich alles ihrem Ziel unterwerfen - auch ihre eigene Gesundheit.

Leute in der Regel einsichtig

Jedes Anliegen könne grundsätzlich Anlass für einen Hungerstreik sein, sagte Frei, auch ein vermeintlich «banales». Für den Gerichtspsychologe ist das Motiv Rappaz', dessen Anliegen angeblich die Hanfliberalisierung ist, nachvollziehbar. «Für gewisse Leute der 68er und post-68er Generation ist die Liberalisierung von Hanf stark ideologisch aufgeladen.»

Wenn er das relativ faire Schweizer Rechtssystem gegen den Einsatz des Lebens abwäge, sagte der Experte, dann deute das Ergreifen eine Hungerstreiks auf Fanatismus hin. In der Regel würden die Leute einsehen, dass sie gegen Recht verstossen hätten, auch wenn sie selbst einen anderen Standpunkt einnehmen würden, so der Fachmann.

Ziel ist nicht der Tod, sondern das Anliegen durchzusetzen

Obwohl Rappaz während des letzten Hungerstreiks seinen Urin getrunken hat, um dem Körper lebenswichtige Mineralsalze zuzuführen, ist Frei überzeugt, der Hanfbauer meine es ernst. Das Ziel eines Hungerstreikenden sei ja nicht zu sterben, «sondern sein Anliegen durchzubringen».

(sda)