12. Dezember 2007 14:09; Akt: 12.12.2007 23:14 Print

Vater Schlumpf: «Wenn sie mich fragen würde...»Vater Schlumpf: «Wenn sie mich fragen würde...»

Im Herbst war Eveline Widmer-Schlumpf sogar SVP-intern als Bundesrätin im Gespräch. Die Wahl seiner Tochter hat jetzt aber auch ihren Vater, Alt-Bundesrat Leon Schlumpf, überrascht - zu Hause auf dem Sofa.

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Am 13. Dezember stand Widmer-Schlumpf selbst als frischgebackene Bundesrätin mit der Familie vor dem Bundeshaus: Von links: Tochter Giannina, Ehemann Christoph; und von rechts: Tochter Carmen, Nichte Annina Schlumpf und Sohn Ursin. Eveline Widmer-Schlumpf kam am 16. März 1956 zur Welt. Sie ist Bürgerin von Felsberg (GR) und Mönchaltorf (ZH), verheiratet und Mutter von drei Kindern. Sie besuchte das Gymnasium in Chur, das sie 1976 mit der Matura Typus B abschloss. Anschliessend studierte sie an der Universität Zürich Rechtswissenschaften und legte 1981 das Lizenziat ab ... (Bild: Reuters/Marcus Gyger) Es folgte 1983 das Bündner Anwaltspatent, 1986 das Bündner Notariatspatent und 1990 das Doktorat. Von 1987 bis 1998 arbeitete Eveline Widmer-Schlumpf als Rechtsanwältin und Notarin. (Bild: Reuters/Stefan Wermuth) 1985 wurde Widmer-Schlumpf ins Kreisgericht Trins gewählt; von 1991 bis 1997 präsidierte sie den Kreis. Von 1994 bis 1998 gehörte sie dem Bündner Grossen Rat an. (Bild: Reuters/Marcus Gyger) 1985 wurde Widmer-Schlumpf ins Kreisgericht Trins gewählt; von 1991 bis 1997 präsidierte sie den Kreis. Von 1994 bis 1998 gehörte sie dem Bündner Grossen Rat an. Am 15. März 1998 wurde sie als erste Frau zur Regierungsrätin des Kantons Graubünden gewählt, es folgte die Berufung zur Vorsteherin des Finanz- und Militärdepartements und 2001 und 2005 jeweils die Regierungspräsidentschaft. Eveline Widmer-Schlumpf ist die Tochter des ehemaligen Bundesrates Leon Schlumpf, der von 1979 bis 1987 Mitglied des Bundesrates war. Familienfoto: Bundesrat Leon Schlumpf freut sich nach seiner Wahl in den Bundesrat am 5. Dezember 1979 im Berner Bundeshaus mit seiner Familie (vlnr): Die Töchter Margot und Carmen, Leon Schlumpf, Frau Trudy und Tochter Eveline. Das Wohnhaus von Eveline Widmer-Schlumpf in Felsberg (GR). (Bild: 20 Minuten/Annette Hirschberg) Ein paar Ecken weiter das Wohnhaus von Papa Leon Schlumpf. (Bild: 20 Minuten/Annette Hirschberg) Tochter und Vater im Jahre 1997. Die erfahrene Politikerin braucht von ihrem Vater schon lange keine Ratschläge mehr. Bundesrat Samuel Schmid und Eveline Widmer-Schlumpf 2002 im stark zerstörten Schlans. Widmer-Schlumpf gilt als ehrgeizig und grosse Schafferin. Sie geniesst bei allen Parteien und in der Bevölkerung hohes Ansehen. Die Bündner Finanzvorsteherin ist bekannt als gewiefte Rethorikerin. Sie boxte 2003 das grösste Sparprogramm in der Geschichte Graubündens durch und holte die Kantonskasse aus tiefroten Zahlen. Die abtretende Bundeskanzlerin Annemarie Huber-Hotz begrüsst Eveline Widmer-Schlumpf am 12. Dezember 2007, am Tag ihrer Wahl in den Bundesrat der Schweizerischen Eidgenossenschaft.

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Eveline Widmer-Schlumpf ist unvereidigte Bundesrätin für einen Tag. Die Wahl hat viele überrascht - auch ihren bekannten Vater. 20minuten.ch erreichte den Alt-Bundesrat Leon Schlumpf zu Hause auf dem Sofa, wo er gebannt den Wahlausgang verfolgte. «Ich und meine Frau wurden heute Morgen völlig überrascht, als wir hörten, dass unsere Tochter als Bundesratskandidatin portiert wird», sagt der Alt-Bundesrat gegenüber 20minuten.ch. Die Wahl sei dann die nächste Überraschung gewesen. «Ihr Name fiel zwar hie und da im Vorfeld der Bundesratswahlen, dass es aber akut werden würde, mit dem hätte ich nicht gerechnet.»

Mit seiner Tochter habe er seit der Wahl nicht gesprochen. «Eveline ist eine sehr eigenständige Person. Sie diskutiert gerne. Aber konkret um Rat fragt sie ihren Vater nicht», sagt der ehemalige Verkehrs- und Energieminister. Und: «Ich habe keine Ahnung, ob sie die Wahl jetzt annimmt.» Mehr möchte Leon Schlumpf derzeit nicht über die Bundesratswahlen sagen, «weil sie sich eine Bedenkzeit erbeten hat».

Hohes Ansehen überall

Die 1956 geborene Tochter von Alt-Bundesrat Schlumpf gilt als ehrgeizig und als grosse Schafferin, die über die Parteigrenzen hinweg und auch in der Bevölkerung hohes Ansehen geniesst.

Nach einem Jurastudium an der Universität Zürich arbeitete sie als Rechtsanwältin und Notarin. 1998 wurde sie im ersten Wahlgang mit dem besten Resultat aller Kandidaten in die Bündner Kantonsregierung gewählt. 2002 und 2006 wurde sie mit Spitzenresultaten bestätigt.

«Sie wird es weit bringen»

Georg Danuser kennt Eveline Widmer-Schlumpf schon seit Kindstagen. «Ich habe bereits früh gemerkt, dass sie es mit ihrem Charisma und ihrem Können weit bringen wird», sagt der SVP-Parteikollege zu 20minuten.ch. Danuser arbeitete während 37 Jahren als Sekretär am Kreisgericht Trins, wo er Eveline Widmer-Schlumpf auch als Vorgesetzte erlebte: «Natürlich waren wir nicht immer derselben Meinung, aber ich kann mich wirklich an nichts Negatives erinnern.»

Erste Frau in der Bündner Regierung

Als erste Frau in der Bündner Regierung stand die heute 51-Jährige ununterbrochen dem Finanzdepartement vor. Im Kantonsparlament gilt sie als rasche Denkerin und gewiefte Rhetorikerin, der es immer wieder gelingt, auch politische Gegner zu überzeugen und unpopuläre Vorlagen durchzubringen.

Sieg über die Finanzen

Auch Urs Brasser, Finanzsekretär des Kantons Graubünden, ist voll des Lobes. Er arbeitet bei der Ausformulierung und der Umsetzung der Kantonalen Finanzpolitik eng mit Eveline Widmer-Schlumpf zusammen. «Ich erlebe Frau Widmer-Schlumpf als sehr kompetent und umgänglich», so Brasser, «was sie anpackt, erledigt sie unheimlich effizient und gewissenhaft. Gleichzeitig ist sie sehr erfolgreich: Die Kantonalen Finanzen sind im Lot.»

Tatsächlich war es vor allem der Überzeugungskraft von Eveline Widmer-Schlumpf zu verdanken, dass das Parlament 2003 das grösste Sparprogramm in der Geschichte Graubündens verabschiedete. Seit 2001 präsidiert sie die Konferenz der kantonalen Finanzdirektoren.

Wortreicher Auftritt gegen Steuersenkungen

Die Finanzen blieben auch weiterhin ihr Lieblingsthema. Schweizweit sorgte sie für Schlagzeilen, als sie sich 2004 an vorderster Front gegen Steuersenkungen auf Bundesebene einsetzte. Dabei nahm die dreifache Mutter wie so oft kein Blatt vor den Mund: Mit den Schlagworten «unkorrekt, untragbar, unsinnig und ungerecht» brandmarkte sie als Sprecherin der Referendumskantone die Vorlage. Das Volk lehnte das Ansinnen schliesslich ab, und kein einziger Kanton stimmte zu.

«Wenn sie sich eine Bedenkzeit ausbedungen hat...»

Und nun steht die 51-jährige Eveline Widmer-Schlumpf also vor dem Sprung in die Fussstapfen ihres Vaters. Urs Brasser ist davon überzeugt, dass sie sich als Bundesrätin sehr gut eignen würde. «Wenn sie sich eine Bedenkzeit ausbedungen hat, dann sicherlich nicht, weil sie glaubt, dass sie der Aufgabe nicht gewachsen wäre.» Diesen Eindruck bestätigt Christian Wanner, Vizepräsident der Finanzdirektorenkonferenz und Solothurner Finanzdirektor auf Anfrage von 20minuten.ch: «Widmer-Schlumpf ist die absolute Idealbesetzung für den Bundesrat. Sie hat grosse Exekutiverfahrung und kennt die nationalen Dossiers bereits sehr gut. Sie ist hartnäckig, aber nie verletzend und in der Lage Lösungen zu suchen und zu finden, die sich durchsetzen lassen.»

«Blocherflügel oder nicht ist egal»

Ob sie sich morgen tatsächlich vereidigen lassen wird, wird wohl in einer langen Nacht entschieden werden. Ihr Vater Leon Schlumpf wollte dazu keine Prognose abgeben. Wie viel Einfluss die Blocher-Getreuen auf die Bündner Regierungsrätin ausüben können, wird sich zeigen. Vater Schlumpf sagt gegenüber 20minuten.ch: «Die Bündner waren schon immer bekannt dafür, dass sie ihre eigene Meinung vertreten. Ob Blocherflügel oder nicht, spielt deshalb keine Rolle. Die Bündner SVP ist seit je her demokratisch, marktwirtschaftlich und liberal.»

(meg/tif/thi/sda)

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  • Stucki Esther am 20.12.2007 09:21 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist denn so bedenklich?

    die Parlamentarier sind die Vertreter des Volkes und wählen die Bundesräte. Zudem sind nur 29% der Bevölkerung SVP- Wähler und ich denke auch von diesen hätten nicht alle Herr Blocher gewählt. Ist es bedenklich ein demokratischer Entscheid würdig anzunehmen?

  • Peter Zindel am 19.12.2007 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    Bedenklich!

    Diese Bundesratswahlen sind nicht nach dem Volkswillen verlaufen. Das Verhalten vieler Parlamentarier gibt sehr zu denken. Was in den letzten Tagen und Wochen passierte nuetzt der gesunden Politik nicht. Die schwarzen und linken wollen auch den weitaus besten BR noch abwaehlen. Bedenklich !

  • rK. am 16.12.2007 22:53 Report Diesen Beitrag melden

    Das Schweizer Wahl- und Stimmvolk

    lässt sich weder von links noch rechts manipulieren. Die SVP-Politmaschinerie hat es versucht und Millionen in den Sand gesetzt. Oppositionelle Sandkastenspiele à la Italien oder Deutschland haben in der Schweiz keine Chance. Da haben einige unsere historisch gewachsene Demokratie nicht begriffen.