Abzocker-Initiative

10. März 2010 16:54; Akt: 15.03.2010 14:19 Print

Showdown in der Abzocker-FrageShowdown in der Abzocker-Frage

von Lukas Mäder, Bern - Soll die Abzocker-Initiative vors Volk? Diese Frage beantwortet der Nationalrat heute morgen. Dabei versucht die SVP, noch einige CVP-Nationalräte auf ihre Seite zu ziehen.

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Die Ausgangslage ist verzwickt bei der Diskussion um die Abzocker-Initiative, die der Nationalrat heute Donnerstag behandelt. Denn der Initiative soll ein Gegenvorschlag gegenüber gestellt werden (siehe Box). Doch noch herrscht Uneinigkeit, ob es ein direkter oder ein indirekter Gegenvorschlag sein soll. Deshalb lobbyieren derzeit SVPler stark bei CVP-Parlamentariern, die das Zünglein an der Waage spielen könnten, für ihren Ordnungsantrag, der dem indirekten Gegenvorschlag den Weg ebnen würde. Mehrere Nationalräte sprechen von massivem Druck. SVP-Fraktionschef Caspar BaaderDas ParlamentCaspar Baader
SVP, BL
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bestätigt: «Verschiedene Parlamentarier weibeln für unseren Ordnungsantrag, auch ich selbst.»

Knappe Mehrheit gegen Ordnungsantrag

Der Ordnungsantrag der SVP will die Abzocker-Initiative mit der Aktienrechtsrevision verknüpfen und so den indirekten Gegenvorschlag ermöglichen. Unterstützung erhält dieser Weg von der FDP. Für einen direkten Gegenvorschlag und damit gegen den Ordnungsantrag ist mit Grüne, SP, BDP und CVP eigentlich eine Mehrheit. Doch nur sechs Stimmen fehlen SVP und FDP um den Antrag durchzubringen – falls alle Parlamentarier anwesend sind.

Trotz der Überzeugungsarbeit der SVP gibt sich die Vize-Fraktionschefin der CVP, Brigitte Häberli-KollerDas ParlamentBrigitte Häberli-Koller
CVP, TG
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, gelassen: «Der Ordnungsantrag kommt nicht durch. Und sonst liegt es nicht an uns.» Die Lobby-Arbeit vom rechten Lager bringt sie nicht aus der Ruhe. Das sei normal. Doch aus den Augen lässt sie ihre Fraktionsmitglieder nicht: «Vielleicht muss ich einige CVP-Nationalräte noch daran erinnern, wie sie stimmen müssen», sagt sie diplomatisch. Es gebe bei der CVP höchstens eine bis zwei Enthaltungen.

Volksabstimmung statt Blocher-Minder-Pakt

Sowieso verfolgt bei der Abzocker-Debatte jede Partei ihr eigenes Ziel. Die Allianzen sind kurzfristig. Die SP unterstützt zwar den direkten Gegenvorschlag, gibt aber offen zu: «Das ist ein Mittel, um die Initiative vors Volk zu bringen», sagt Parteipräsident Christian LevratDas ParlamentChristian Levrat
SP, FR
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. Den bürgerlichen Parteien glaubt er nicht: «Ich habe absolut kein Vertrauen in den Verbund von CVP, FDP und Economiesuisse.»

Noch weniger glaubt Levrat dem SVP-Doyen Christoph BlocherDas ParlamentChristoph Blocher
SVP, ZH
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, der zusammen mit Minder den indirekten Gegenvorschlag forciert: «Blocher ist der König der Abzocker, der zusammen mit seinem Freund Marcel Ospel die Boni-Kultur etabliert hat.» Und selbst bei den Bürgerlichen ist der Blocher-Minder-Pakt verdächtig: «Ich habe das Gefühl, Blocher will sich damit reinwaschen, da ihm seine Nähe zur Hochfinanz anhaftet», sagt FDP-Nationalrat Christian WasserfallenDas ParlamentChristian Wasserfallen
FDP, BE
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. Blocher wolle sich von der Vergangenheit lossagen, weil er sich den Kampf gegen die Elite auf die Fahne geschrieben habe.

Die FDP setzt ebenfalls nicht nur auf den indirekten Gegenvorschlag, wie Fraktionschefin Gabi HuberDas ParlamentGabi Huber
FDP, UR
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sagt. «Wenn Thomas MinderDas ParlamentThomas Minder
Parteilos, SH
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seine Initiative nicht zurückzieht, haben wir immer noch den direkten Gegenvorschlag im Köcher.» Dieser sei aber noch verbesserungswürdig. Die SVP hat bereits früher angekündigt, dass sie die Abzocker-Initiative unterstützen will, wenn ihr indirekter Gegenvorschlag keine Mehrheit findet. Sie wirft den Sozialdemokraten Taktieren vor: «Die SP will noch vor der Eidgenössischen Wahlen im Herbst 2011 eine Ausmarchung an der Urne», sagt SVP-Nationalrat Luzi StammDas ParlamentLuzi Stamm
SVP, AG
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. Dies wollen andere verhindern, wie Huber zugibt: «Eine Abstimmung darüber noch im Wahljahr strebt sicher niemand von den Bürgerlichen an.»

Abzocker-Initiative als Wahlkampfthema

Der Vorwurf, dass die SP noch vor den Wahlen eine Abstimmung will, lässt Parteipräsident Levrat nicht gelten. «Für uns wäre eine Abstimmung kurz nach den Wahlen, also im Februar 2012 am besten.» In diesem Fall wäre das Thema im Wahlherbst noch präsent. Möglichst schnell die Abzocker-Initiative an die Urne bringen wollen die Grünen. Sie können dem indirekten Gegenvorschlag der SVP nichts abgewinnen. Die SVP stelle sonst das Volk immer über alles, sagt Nationalrätin Marlies Bänziger. «Deshalb ist mir unverständlich, warum die SVP hier den Volkswillen nicht zulassen will.»

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  • Besorgter Füdlibürger am 27.04.2010 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    Selbstverständlich vor's Volk

    ja, natèrlich sollte eine solche Initiative vor's Volk. Ein für Allemal sollte dieser ewigen und unverhältnissmässigen Abzockerei endgültig ein Riegel vorgeschoben werden.

  • Maria Meier am 20.04.2010 13:05 Report Diesen Beitrag melden

    Boykottiert diese Firmen

    Wir als Konsumenten sollten Einfluss nehmen und die Firmen, welche solch hohe Löhne oder Boni ausbezahlen, boykottieren. Geht zu einer anderen Bank oder wählt ein Konkurrenzprodukt. Wir Konsumenten haben schliesslich oft die Wahl, welche Firma, Bank oder Marke wir berücksichtigen. Wenn die Geschäftsleitung, oder die Aktionäre die Verantwortung nicht aufbringt, so müssen wir Sie dazu erziehen.

  • Erwin Flück, Dulliken am 15.03.2010 17:01 Report Diesen Beitrag melden

    Abzockerinitiative

    Zur Abzockerinitiative. Man kann für oder gegen die Abzockerinitiative sein.Sicher ist jedenfalls, dass nun etwas geändert werden muss, der soziale Friede kommt immer mehr in Gefahr! Wenn man sich vorstellt, dass gewissen Zeitgenossen pro Monat mehr Geld nachgeworfen wird ,ein Normalverdiener in 50 Jahren verdienen kann, dann stimmt sicher einiges nicht mehr! - Karl Marx schlägt im Grab Purzelbäume.