Euro 2008

03. Juni 2008 15:49; Akt: 03.06.2008 17:41 Print

SVP-Plakate müssen wegSVP-Plakate müssen weg

von Adrian Müller - Die Euro-Städte fürchten um ihren Ruf. Deshalb müssen die provokativen Abstimmungsplakate runter, bevor die ausländischen Fussballfans kommen – doch die Zeit drängt.

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Aus Sorge um das Ansehen seiner Stadt – und weil die Zeit drängt – ist Alexander Tschäppät gleich selber aktiv geworden. Der Berner Stadtpräsident hat die Plakatiergesellschaft APG persönlich angewiesen, die provokativen SVP-Plakate zur Einbürgerungsinitiative so rasch als möglich aus dem Berner Stadtbild zu entfernen. «Unser Ziel ist es, dass bis zu Beginn der EM keine Plakate mehr hängen», erklärt Walter Langenegger, Leiter Informationsdienst der Bundesstadt. Dies sei auch im Sinne der Stimmbürger, welche die Vorlage mit 78.1 Prozent bachab schickten.

Auch in der Stadt Winterthur, welche nicht im Blickpunkt der Euro steht, sorgen sich die Politiker um das Ansehen des Ortes bei den ausländischen Gästen: Der Stadtpräsident Ernst Wohlwend soll bei der APG ebenfalls intervenieren, fordert SP-Fraktionschef David Hauser in einem Brief. Dies berichtet der «Landbote» in seiner heutigen Ausgabe.

Provokation aus der Mottenkiste

Im Wahlkampf für ihre Einbürgerungsinitiative hat die SVP in die Mottenkiste gegriffen und ein Abstimmungsplakat aus dem Jahr 2004 hervorgeholt: Schwarze, gelbe und weisse Hände greifen nach dem Schweizer Pass – das ganze in einem Zeichnungsstil, welcher an die 1930er-Jahre erinnert. Jedoch konnten auch die unzähligen Plakate, mit welchen die SVP das Land zupflasterte, den Schiffbruch der Initiative nicht verhindern.

Othmar Casutt, PR-Chef der APG, versteht die Aufregung nicht: «Selbstverständlich überkleben wir alle abgelaufenen Plakate so rasch als möglich. Mit der SVP hat dies aber nichts zu tun. Es ist normal, dass jeweils bis Dienstag die alten Plakate durch neue ersetzt werden.» Casutt geht davon aus, dass bis zum Euro-Start am Samstag keine Abbildungen der SVP-Kampagne mehr in den Innenstädten hängen. «Höchstens in den Quartieren könnten vereinzelt noch SVP-Plakate anzutreffen sein», meint Casutt.

Schweiz Tourismus zeigt sich erleichtert

Anfang Jahr wurde befürchtet, dass die SVP-Plakate die landesweiten Image-Kampagnen zur Europameisterschaft negativ beeinträchtigen könnte – einige Seiten forderten gar, die Abstimmung zu verschieben. So sollte verhindert werden, dass Euro-Touristen die provokativen Plakate erblicken. Da die altertümlichen Motive nun wieder in der Mottenkiste landen, atmet auch Schweiz Tourismus auf: «Unglücklich sind wir sicher nicht, wenn die Plakate noch vor dem Start der Euro verschwinden», erklärte die Mediensprecherin von Schweiz Tourismus, Silvia Schütz, gegenüber dem «Landboten».