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Sexuelle Übergriffe
18. März 2010 11:53; Akt: 22.03.2010 15:03 Print
Bistum Chur sucht Missbrauchsopfer
von Fabienne Riklin - Seit der Pfarrer von Schübelbach SZ zugegeben hat, in Österreich und Deutschland Minderjährige missbraucht zu haben, befürchtet das Bistum auch hier zu Lande Opfer.

Geständnis von Pater Gregor Müller: 18 Jahre war er in der Kirchgemeinde Schübelbach SZ tätig. (Bild: Keystone)
Das Geständnis von Pater Gregor Müller, sich in den 70er Jahren in Österreich und Deutschland an Ministranten und Klosterschülern vergangen zu haben, erschüttert das Bistum Chur. Stand doch der gebürtige Aargauer in den vergangenen 18 Jahren Sonntag für Sonntag auf der Kanzel der Kirche von Schübelbach SZ. Weil das Bistum Chur auch hier Opfer befürchtet, geht es in die Offensive: Missbrauchsopfer sollen sich an die kirchliche Beratungsstelle «Sexuelle Übergriffe in der Seelsorge» wenden. «Wir wollen den Opfern helfen und ihnen seelisch sowie auch juristisch beistehen», sagt Beatrice Luginbühl, Juristin im Fachgremium «Sexuelle Übergriffe in der Seelsorge», zu 20 Minuten Online. Auf den Aufruf hat sich aber noch niemand gemeldet.
FeedbackHaben Sie Hinweise, Anregungen oder Informationen zum Thema? Dann schicken Sie uns ein Mail an feedback@20minuten.ch 60 Meldungen wegen sexuellen Übergriffen in 15 Jahren
Der Präsident des Gremiums gegen sexuelle Übergriffe in der katholischen Kirche, Adrian von Kaenel, ist überzeugt, Medienberichte über Missbrauchsfälle können Opfern Kraft gegen, ihr Schweigen zu brechen. Gemäss der Bischofskonferenz kam es in den letzten 15 Jahren zu 60 Meldungen wegen sexueller Übergriffe. «Ich schätze aber die Dunkelziffer hoch ein», sagte Kaenel gegenüber dem Tages-Anzeiger. Der 52-jährige Jurist leitete das von den Bischöfen im Jahr 2002 gegründete Fachgremium «Sexuelle Übergriffe in der Pastoral». Bayrische Bischöfe kooperieren mit Justiz
Die bayerischen Bischöfe haben zugesagt, jeden Missbrauchsverdacht der Staatsanwaltschaft zu melden. Auf ihrer Frühjahrsvollversammlung im oberfränkischen Bad Staffelstein traten sie einstimmig dafür ein, dass eine solche Meldepflicht bei Verdacht von sexuellem Missbrauch und körperlichen Misshandlungen auch in den Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz festgeschrieben wird.
Damit würde eine Forderung von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger erfüllt, die Punkt 7 der seit 2002 geltenden Leitlinien als nicht ausreichend kritisiert. Darin heisst es bisher: «In erwiesenen Fällen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger wird dem Verdächtigten zur Selbstanzeige geraten und gegebenenfalls das Gespräch mit der Staatsanwaltschaft gesucht.» (AP)
Bereits vor einem Jahr rief das Bistum Chur die Beratungsstelle für sexuelle Übergriffe, die in kirchlichen Bereichen stattgefunden haben, ins Leben. «Nachdem in den USA die ersten Missbrauchsfälle bekannt wurden, waren wir uns bewusst, dass das nicht nur ein Problem der Kirchen in den USA ist, sondern auch die Schweiz betreffen könnte», sagt Luginbühl. Ein Opfer hat sich im letzten Jahr an eine der sechs Ansprechspersonen, die in Zürich, Schwyz, Sarnen und Chur für das Bistum Chur arbeiten, gewandt. «Es war ein älterer Herr, der als Kind von einem Priester des Bistums sexuell missbraucht wurde», sagt Luginbühl. Weil der Priester jedoch schon gestorben ist, wurden keine rechtlichen Schritte unternommen. «Wir stehen ihm mit Gesprächen bei.»
Beratungsstelle ist dem Bistum unterstellt
Auf die Frage, ob das Bistum Chur Opfern auch Genugtuung zahle, verwies Luginbühl an den Bischof. «Dies muss von Fall zu Fall mit ihm angeschaut werden», sagt die Juristin und Seelsorgerin.
Die kirchliche Beratungsstelle «Sexuelle Übergriffe in der Seelsorge» ist dem Bistum Chur unterstellt. Ein Interessenskonfliklt sieht Luginbühl indes nicht. «Wir sehen uns als Vermittlungspersonen zwischen Bistum und den Leuten aus der Gemeinde. Als Puffer, die sich beide Seiten anhören und dadurch eine gewisse Unabhängigkeit wahren.»


























