Weder ein Zaun noch ein Gitter schützt die Tiere entlang der erst vier Jahre alten Bahnlinie Mattstetten-Rothrist, eines Teilstücks der Strecke Bern-Zürich, vor dem sicheren Tod. Betroffen ist vor allem der Abschnitt, der durch den Kanton Solothurn führt. Dort gibt es im Gegensatz zur Teilstrecke im Kanton Bern keine Schutzmassnahmen für die Wildtiere.
Jährlich kommen zahllose Füchse und Hasen sowie zwei bis drei Rehe unter die Räder. Aber auch Hunde, die ihre Halter frei herumlaufen lassen, seien betroffen, sagt der Kreisförster und Wildhüter Jürg Misteli. «Meistens bleibt der Kopf noch ganz. Der Rest wird über mehr als 100 Meter verteilt.» Ein unschöner Anblick. «Häufig kann ich nicht einmal mehr etwas zusammenlesen.»
Misteli fordert Wildbrücken
Die Eisenbahnlinie, die von den SBB oft als «Paradestrecke» gelobt wird, führt durch ein Waldgebiet, das schon länger als sogenannter «Wildkorridor» bekannt ist. Auf diesem schleichen, kriechen und hoppeln die Tiere durchs Mittelland – sofern sie nicht überfahren werden.
Ein Zaun entlang der tödlichen Eisenbahnstrecke würde aber nichts nützen. Der eingezäunte Verkehrsweg wäre für die Tiere ein unüberwindbares Hindernis, die Auswirkungen auf die Tierpopulationen entlang der Strecke wäre äusserst negativ, erklärt Jürg Misteli. Er fordert deshalb schon seit längerem zusammen mit anderen Jägern und Wildhütern eine Wildquerung für die Tiere. Mit dieser Art Brücke als sichereren Übergang für das Wild entlang der Neubaustrecke und der Autobahn A1 hat man im Kanton Bern schon gute Erfahrungen gemacht.
Keine Fährte zur Lösung
Bei den SBB ist man über diese Forderungen aus Wildhüterkreisen erstaunt. Bei der Planung und beim Bau der Neubaustrecke habe man eng mit Behörden und Organisationen in der Region zusammengearbeitet. «Damals hielt niemand eine Wildbrücke für unbedingt nötig», sagt SBB-Sprecher Roland Binz. Beim Überfahren der Tiere bestünde kein Sicherheitsrisiko für die Züge. Er weist auch darauf hin, dass an anderen Orten ebenfalls Tiere auf Verkehrswegen zu Schaden kommen.
Wie viele Tiere auf der betroffenen Strecke im Kanton Solothurn überfahren werden, ist unklar. Wildhüter Jürg Misteli vermutet, dass es wesentlich mehr sind, als bis jetzt angenommen. «Die SBB melden immer weniger Vorfälle, auch wenn sie es eigentlich sollten.» Dass bewusst Unfälle nicht gemeldet würden, verneint Roland Binz von den SBB. «Unsere Lokführer können nicht jeden überfahrenen Hasen sehen.»
SBB planen keine Wildbrücken
Tote Hasen, Rehe und Füchse wird es wohl noch viele auf dem Abschnitt geben. Eine Wildbrücke, die mehrere Millionen Franken kosten würde, sei bei den SBB trotz der Forderung der Solothurner Jäger und Wildhüter nicht geplant. Und auch beim Kanton Solothurn seien Massnahmen zum Schutz der Tiere entlang der Strecke «kein Thema», heisst es dort.
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