Bedenklich

24. März 2009 23:10; Akt: 13.12.2010 16:00 Print

«Viele Frauen verhüten nicht mehr»«Viele Frauen verhüten nicht mehr»

von Désirée Pomper - Pille danach statt Pille davor: Immer mehr Frauen verzichten auf Verhütung und greifen im letzten Moment zur Notfallmassnahme.

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Wer heutzutage beim Sex die Verhütung vergisst, greift sich danach nicht an den Kopf, sondern zur «Pille danach». Mit der rezeptfreien Abgabe seit dem Jahr 2002 hat sich der Absatz des Leaderprodukts Norlevo Uno in Apotheken mehr als verelffacht: 2008 wurden sage und schreibe 93 500 Packungen verkauft. Grund dafür sei wahrscheinlich der erhöhte Bekanntheitsgrad des Me­dikaments, so Marcel Wyler vom Apothekerverband Pharmasuisse. Zudem seien Apotheken als Anlaufstelle dank der Anonymität niederschwelliger als ein Arztbesuch, sagt Eva Franz von der Bahnhof-Apotheke Bern.

«Es ist sehr bedenklich, dass viele Frauen nicht mehr verhüten», kritisiert jedoch Margrit KesslerDas ParlamentMargrit Kessler
glp, SG
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, Präsidentin der Stiftung SPO Patientenschutz. Tatsächlich nehmen seit 2002 fast 10 Prozent ­weniger Frauen die Pille. Und rund ein Drittel der ­Jugendlichen verzichtet bei sexuellem Kontakt auf ein Kondom. «Die Angst vor einer HIV-Infektion ist gesunken», sagt Thomas Lyssy von der Aids-Hilfe Schweiz. Viele Jugendliche würden auf einen Schutz verzichten, weil sie denken, eine HIV-­Infektion sei dank guten Therapie-Möglichkeiten heilbar.

«Alle zwanzig Minuten eine Pille danach»

Weshalb greifen Frauen immer öfter zur «Pille danach»?
Metin San*: Es gibt Tage, da geht alle 20 Minuten eine Norlevo-Packung über den Ladentisch. Ich glaube, diese Entwicklung ist das Resultat einer ausgearteten Emanzipation. Viele Frauen ziehen Karriere und Kolleginnen einer festen Beziehung vor. Wenn sie einen Mann wollen, nehmen sie sich einfach einen. Solche Frauen mit unstetem Sexleben verzichten oft auf die Anti-Baby-Pille. Und wenn noch Alkohol im Spiel ist, vergisst man schnell auch das Kondom.

Was für gesundheitliche Folgen hat eine regelmässige Einnahme?
Eine mehrmalige monatliche Einnahme schädigt den hormonellen Haushalt. Es kann zu einem extrem unregelmässigen Periodenzyklus kommen, was die Fruchtbarkeit reduzieren kann.

Wenn eine Frau jedes Mal eine andere Apotheke aufsucht, bleiben regelmässige «Pille-danach»-Konsumentinnen unentdeckt.
Das Problem ist, dass es kein zentrales Kontroll­system gibt. Das müsste man verbessern. Schlussendlich aber ist jede Frau für sich selbst verantwortlich.

*Metin San ist Apotheker in der ­Zürcher Bellevue-Apotheke.

Würden Sie die «Pille danach» schlucken?
Kim Woodtli (17), Nuglar SO
Ich kenne mehrere, die schon eine «Pille danach» genommen haben, ich selbst aber noch nie. Im Notfall würde ich aber davon Gebrauch machen. Das ist günstiger und macht weniger Probleme als abzutreiben.

Nicole Wenger (22), Interlaken BE
Ich finde es gut, dass es die «Pille danach» gibt. Zwei bis drei
Kolleginnen haben sie schon genommen. Im Moment könnte auch ich es aus finanziellen Gründen nicht verantworten, ein Kind in die Welt zu setzen.

Darnika Gsell (19), Egnach TG
Ich habe die «Pille danach» noch nie genommen. Besonders Frauenärzte sollten junge Patientinnen besser über Verhütung aufklären. Ich finde es nicht gut, dass so leichtsinnig damit umgegangen wird.

Nadia Cocciaglia (23), Sarnen OW
Im Notfall würde ich die «Pille danach» schon nehmen. Aber nur weil ich noch zu jung für ein Kind bin. Eigentlich bin ich aber dagegen. Die Frauen verhüten heutzutage schlecht und überlegen sich nichts dabei.