Jungfrau-Drama

20. November 2009 13:27; Akt: 20.11.2009 15:11 Print

«Ich denke jeden Tag an die Verunglückten»«Ich denke jeden Tag an die Verunglückten»

Die Tragödie auf der Jungfrau ist an den beiden Angeklagten nicht spurlos vorbeigegangen. «Sie waren meine Freunde geworden», sagte Pierre-Alain R. Auch sein mitangeklagter Freund, der Bergführer Roger W. zeigte sich vor Gericht betroffen.

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«Ich denke jeden Tag an die Verunglückten. Sie waren meine Freunde geworden», sagte der 47-jährige Bergführer, dessen Gruppe aus fünf Rekruten und einem Wachtmeister über 1000 Meter tief in den Tod gestürzt war. Er dankte den Angehörigen dafür, ihn im Vorfeld des Prozesses nicht vorverurteilt zu haben.

Der Mitangeklagte 34-jährige Berufsunteroffizier sagte, es schmerze ihn unendlich, dass sechs aufgestellte Bergkameraden ihr Leben verloren hätten. Er habe an der Unfallstelle im Gipfelhang der Jungfrau eine Gedenktafel befestigt.

Haben sie den Tod ihrer sechs Kameraden mitverschuldet? Oder hatten sie einfach nur Pech? Das Militärgericht in Chur entscheidet heute über einen der schwersten Unglücksfälle in der Geschichte der Schweizer Armee. Die Verteidiger der beiden Angeklagten Bergführer Pierre-Alain R. und Roger W. haben am heutigen letzten Prozesstag einen Freispruch gefordert. Der militärische Ankläger Maurus Eckert forderte neun Monate Gefängnis bedingt und 1500 Franken Busse für die beiden Angeklagten. Die Anklage lautet auf fahrlässige Tötung.

Bereits am ersten Prozesstag ist deutlich geworden, dass Pierre-Alain R. und Roger W. eine besondere Freundschaft verbindet. Die beiden Angeklagten trainieren in der Freizeit zusammen und sind oft gemeinsam am Berg anzutreffen. Der Vorsitzende des Militärgerichts, Felix Obrist, versuchte bei Prozessbeginn, das Verhältnis der beiden als Meister-Schüler-Verhältnis darzustellen. Hätte sich der 34-jährige, ranghöhere Roger W. getraut, die Entscheidungen seines um sieben Jahre älteren Freundes Pierre-Alain R. in Frage zu stellen?

Die beiden bezeugten einstimmig: «Wir haben unabhängig voneinander entschieden, die Tour auf den Gipfel zu machen.» Und weiter: «Die Tour war kein Befehl.» Die Teilnehmer der Militärübung an jenem schicksalshaften Julitag vor zwei Jahren hätten volles Mitspracherecht genossen. Sowohl was die Routenwahl anbelangte, als auch bei der Einschätzung der Lawinensituation. Einzelne Zeugen sagten am zweiten Prozesstag jedoch aus, dass die beiden Gruppen - die eine aus der Deutschschweiz, die andere aus der Romandie - dem Vorhaben unterschiedlich skeptisch gegenübergestanden seien.

(kbr/sda)