Pietätloser Blog

06. Oktober 2011 08:00; Akt: 06.10.2011 09:05 Print

Familie Stöhlker auf dem PR-GlatteisFamilie Stöhlker auf dem PR-Glatteis

von Antonio Fumagalli - Kurz nachdem sich sein Sohn wegen eines Blog-Eintrags ein Verfahren eingehandelt hat, sorgt auch PR-Profi Klaus J. Stöhlker für Empörung. Dieser verteidigt sich: «Es ist Literatur!»

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Nimmt kein Blatt vor den Mund: PR-Berater Klaus J. Stöhlker. (Bild: Keystone)

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Kommunikationsberater Klaus J. Stöhlker war noch nie ein Mann der leisen Töne – spätestens seit seinem Vergleich zwischen dem damaligen Bundesrat Moritz Leuenberger und dem römischen Tyrannen Nero im Jahr 2003 ist er auch einem breiteren Publikum ein Begriff. Mit seiner jüngsten Äusserung auf der Webseite seiner PR-Agentur hat er sich keine neuen Freunde geschaffen: «Der traurige Vorfall vor zehn Jahren in Zug, wo 15 Menschen, darunter der Attentäter, den Tod gefunden haben, wurde zu Recht beweint. Nicht alle waren damals unglücklich. Mein guter Freund, der vor einer Kampfscheidung stand, verlor bei diesem Vorfall seine Frau. Dies erleichterte viel.»

Überlebende des Zuger Attentats zeigten sich im «Tages-Anzeiger» empört: «Welche Ungeheuerlichkeiten wird uns Stöhlker noch bescheren?», fragt der damalige Regierungsrat Hanspeter Uster. Nationalrat Jo Lang hat den Eindruck, dass da «jemand völlig von der Rolle scheint». Und der ehemalige Kantonsrat Michael Ebinger sagt: «Solche Worte sind nur blöd. Der Herr soll seinen Laden verkaufen, abtreten und sich nicht mehr in der Öffentlichkeit zeigen.»

Keine Distanzierung

Der PR-Profi selbst will sich auf Anfrage von 20 Minuten Online nicht von seinem Eintrag, der auch weiterhin auf der Seite publiziert ist, distanzieren: «Man muss den Blog als literarisches Tagebuch ansehen.» Und Literatur – Stöhlker wird nicht müde, thematische Vergleiche mit Werken von Molière bis Walser herzustellen – könne auch mal makaber sein. «Wer mich kennt, weiss, dass die Aussage nicht bösartig gemeint war. Aber man soll auch mal die Grautöne weglassen dürfen.»

Brisant: Klaus J. Stöhlkers Sohn Fidel – seines Zeichens Geschäftsführer der Stöhlker AG – hatte vor einem guten Monat auf dem gleichen Blog einen Eintrag veröffentlicht, der ihm ein Strafverfahren wegen Rassendiskriminierung eingebrockt hat. Er hatte Kosovaren pauschal als «Pack» und «niederes Volk» bezeichnet. Die Zürcher Staatsanwaltschaft wird ihn gemäss dem «Tages-Anzeiger» Ende Oktober einvernehmen.

«Keine einzige negative Reaktion von den Kunden»

Läuft das Geschäft so schlecht, dass man bei den Stöhlkers zum kommunikativen Zweihänder greifen muss, um Aufmerksamkeit zu erhalten? «Weit gefehlt», winkt Klaus J. ab, «dem Unternehmen geht es hervorragend. Von Kundenseite habe ich bis jetzt keine einzige negative Reaktion erhalten.» Wenn man ein Autorennen gewinnen wolle, müsse man manchmal auch in die Banden fahren. War der Eintrag also doch ein Fehler? «Nein, es war literarisch. Literatur kann kein Fehler sein», wiederholt sich der Unternehmensberater.

Anders sieht man dies beim Schweizerischen Public Relations Verband (SPRV). «Ich bin bestürzt, solche Aussagen von einem PR-Profi lesen zu müssen. Damit schadet er der ganzen Branche, die einem Ehrenkodex verpflichtet ist», sagt Präsidentin Regula Ruetz. Sie kann hinter dem Vorgehen auch keinen PR-Coup erkennen: «Kurzfristig erhalten die beiden vielleicht Aufmerksamkeit. Aber längerfristig wird dies ihnen schaden.» Bei aller Empörung von Seiten des PR-Verbandes – ausschliessen kann man Klaus J. Stöhlker nicht. Wegen ähnlicher Entgleisungen ist dies bereits in den 1980-Jahren geschehen.

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  • George Zimmermann am 20.10.2011 18:24 Report Diesen Beitrag melden

    Schon mal dran gedacht ...

    .... warum der Typ zum Sturmgewehr gegriffen hat? Er wollte immer nur seine Tochter sehen, wurde daran jahrelang erfolgreich durch die Mutter, Ämter und Behörden gehindert. Zum Schluss war er nur noch der lästige Querulant und stand ohne Chancen da. Niemand hat je hinterfragt, was dem Menschen systematisch angetan wurde, bevor er ausrastete. Posthum hat ein Psychologe ein Gutachten fabriziert (ohne je mit ihm gesprochen zu haben), damit man ihn als geistesgestört abhandeln konnte? Das wären die richtige Fragen! Jetzt haben wir ein Opfer mehr und keiner ist verantwortlich.

  • Gandalf am 09.10.2011 19:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ehrenkodex???

    Gehts eigentlich noch? Persönlich erachte ich den Spruch der Verbandspräsidentin als einiges stossender. Scheinheiliges Getue - möchte gerne daran erinnern, dass die ganze Branche davon lebt einem Sand in die Augen zu streuen. Wenn dann schon einmal einer eine ehrliche Meinung kund tut (unabhängig davon ob einem dies gefällt), muss man schon sehr verblendet sein anzunehmen, dies mit derartigem Geheuchel kommentieren zu müssen! Vielleicht wäre sie gut beraten sich einen PR-Berater anzuschaffen...

  • Madame Monroe am 08.10.2011 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Es tut mir sehr leid, dass nur den Hinterbliebenen der Toten Respekt, Trauer, Mitgefühl, Verständnis, etc.. entgegengebracht wird.Wer kümmert sich um die Hinterbliebenen und Freunde des Schützen? MfG