Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
25. Oktober 2007 06:00; Akt: 25.10.2007 22:18 Print
«Das wäre eine Katastrophe»
Sonia ist zwölf Jahre alt, spricht Schweizerdeutsch, erhält von ihren Lehrern beste Noten und fühlt sich bei ihrem Vater wohl. Trotzdem will das Zürcher Migrationsamt Sonia nach Nigeria ausschaffen.
Sonia hat sich an die Schweiz gewöhnt - längst. «Ich wurde super aufgenommen, habe viele Kolleginnen in der Schule und vor allem will ich bei meinem Vater und meinen Geschwistern bleiben.» Ihr Schweizerdeutsch lässt kaum auf ihre Herkunft schliessen. Sie hat es in Rekordzeit gelernt. Ebenso Hochdeutsch. Und sie hat ehrgeizige Pläne: «Wenn ichs ins Gymnasium schaffe, will ich Medizin studieren. Ich helfe gerne Menschen.» So hilfsbereit wie das zierliche Mädchen zeigten sich die Schweizer Behörden gegenüber Sonia nicht. Im Gegenteil.
Sonias Grossmutter ist heute auf einem Auge blind. (Bild: ZVG)
«Was ist, wenn die Grosseltern sterben?»
Die zwölfjährige Nigerianerin soll in ihr Heimatland zurückgeschafft werden. Das hat das Zürcher Migrationsamt entschieden. Ihr Zuhause sei bei ihren Grosseltern in Nigeria, führt das Amt ins Feld. Die Zukunft in Nigeria allerdings ist alles andere als rosig. Ihr Grossvater ist 89 Jahre alt, die Grossmutter 69 und auf einem Auge blind. Auch sonst sind die Grosseltern gesundheitlich angeschlagen. Nicht nur Sonia, auch ihr Anwalt Marc Spescha fragt sich: «Was ist, wenn die Grosseltern sterben?»
Jahrelanger Kampf
Elvis Idemudia hatte dieselben Gedanken. Er kämpfte laut Anwalt Marc Spescha jahrelang dafür, seine Tochter wegen der gesundheitlichen Probleme auf legalen Wegen in die Schweiz zu holen. Vergeblich. Vor zweieinhalb Jahren holte er Sonia illegal in die Schweiz. Seither lebt die zwölfjährige Nigerianerin als Papierlose in der Schweiz.
«Ein Musterbeispiel für gelungene Integration»
Ihr Lehrer Jürg Wiederkehr sagte unlängst im «Beobachter»: «Sonia ist ein Musterbeispiel für gelungene Integration.» Sie habe eine rasche Auffassungsgabe, sei sozial sehr kompetent und werde von allen Mitschülerinnen und Mitschülern geliebt. Auch der Schulpsychologische Dienst kommt zum Urteil: «Eine Ausweisung würde die Entwicklung und psychische Integrität äusserst gefährden.»
«Ausschaffung wäre eine Katastrophe»
Auch Rechtsanwalt Spescha sagt: «Eine Ausschaffung Sonias wäre eine Katastrophe und unverantwortbar. Das Migrationsamt und unverständlicherweise auch der Gesamtregierungsrat stellen die rigide Durchsetzung des Ausländergesetzes über das Kindeswohl und den Schutz des Familienlebens.» Der Rechtsanwalt wird nun beim Verwaltungsgericht Beschwerde einlegen. Er hofft, dass dieses dem Kindeswohl die nötige, auch von der Kinderrechtskonvention vorgeschriebene Beachtung schenkt und im Zweifelsfall mindestens Vater und Kind anhört. Dies sei bis heute nicht der Fall gewesen.
Bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte
Spescha ist entschlossen bis vors Bundesgericht zu gehen und ergänzt: «Im vorliegenden Fall bin ich bereit auch an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu gelangen. Dieser hat in ähnlich gelagerten Fällen sich klar zu Gunsten der Betroffenen ausgesprochen.»
Marius Egger, 20minuten.ch
Interview Teil 2: (Viviane Barbieri, Marius Egger, 20minuten.ch)
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»
Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.
«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»
Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.
«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»
Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)
Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?
Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.
-
Alle 207 Kommentare




























kein Mensch ist illegal
Keine Regel ohne Ausnahme. Die Ausnahme bestätigt die Regel. Sonia darf nicht nur bleiben sondern eingebürgert.
Gesetz ist Gesetz
Gestez ist nunmal Gesetz. Ob es sich um ein Kind handelt oder eine Sportlerin.... Jeder hat die gleichen Asylrechte. Wenn ein Antrag abgelehnt wird ist es richtig dass diese Person ausgeschafft wird. Anderes wäre gegenüber anderen ausgeschafften Asylanten unfair.
Pensioniert
Ich find es richtig, dass Sonja in der CH bleiben kann. Allerdings würde ich mir wünschen, dass sie später vielleicht mithelfen kann, dass es in Nigeria bessere Zustände gibt. Alles Gute für sie u.ihren Vater