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Poker-Lobbying
19. Juni 2010 11:09; Akt: 19.06.2010 11:13 Print
Die Zocker wollen Politik machen
von Joel Bedetti - Das Pokerverbot hat die Szene politisiert. Ein Verband steht kurz vor der Gründung, Parlamentarier erhalten Poker-Sets.
Für die Pokerszene kam das Urteil aus Lausanne wie aus heiterem Himmel: Nur wenige sahen das Pokerverbot kommen, das der Casinoverband mit seinen juristischen Anstrengungen vorangetrieben hatte.
Die Pokerfreunde machen mobil: Auf der Facebook-Seite werden bereits Plakate aufgeschaltet.
Schützenhilfe, wenn auch eher aus Versehen: Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf.(Bild: Keystone)
Doch das Verbot schweisste die heterogene Zockergemeinde zusammen. Nur wenige Stunden nachdem der Bundesgerichtsentscheid publik geworden war, trafen sich Turnierveranstalter in Regensdorf im Zürcher Unterland zur Krisensitzung.
Die Szenegrössen Marc Horisberger, Sascha Crescionini und Claudia Chinello gründeten die Facebook-Gruppe «Pokern für das Schweizer Volk», die als Sammelbecken für Vorschläge und eine eventuelle Volksinitiative dienen soll. Was sie nicht bedachten: Eine Facebookruppe fasst maximal 5000 Mitglieder.
Flashmob und Kampagnenplakate
Die Zocker lernten schnell dazu, im Grossen wie im Kleinen. Sie suchten Kontakt zu wohlgesinnten Politikern wie SVP-Nationalrat Lukas ReimannDas Parlament
Lukas Reimann
SVP, SG
auf MerklisteDetails und schalteten zusätzlich zur Facebook-Gruppe eine gleichnamige Fanseite ohne Teilnehmerbeschränkung auf.
Mittlerweile tummeln sich dort über 2500 Pokerfans. Anstatt über Pokertaktik diskutieren sie nun über politische Strategien und juristische Schlupflöcher. Sie entwerfen eigene Kampagnenplakate (siehe Bild) und schlagen vor, beim Casino Baden einen Flashmob, also eine spontane Demonstration, zu organisieren.
Das Gesetz ändern
Den Schlüsselfiguren der Szene scheint aber je länger je mehr zu dämmern, dass
nur die grosse Politik dem jungen Gewerbe die Lebensgrundlage wiedergeben kann. Rino Mathis, Mitbetreiber des Portals pokeraction.ch, sagt: «Wollen wir überleben, muss das Parlament das Spielbankengesetz ändern. Alles andere ist das Festklammern an Strohhalmen.» Poker müsse per Gesetz als Geschicklichkeitsspiel definiert werden. Damit dürfte wieder um Geld gespielt werden.
Um effizientes dafür zu lobbyieren, wird am kommenden Wochenende ein landesweiter Verband gegründet. «Es ist noch nicht klar wann und wo, aber die Statuten sind bereits geschrieben», weiss Marc Horisberger, Inhaber des Zürcher «Pokerpalace». Dieses Vorhaben sei vom weltweiten Pokerverband gefördert worden. «Wir wollen einheitlich handeln und kommunizieren, wir wollen Verbündete in der Politik finden», sagt Rino Mathis.
Zockerkurse für Parlamentarier
Nach der Gründung werde der Verband einen Schlachtplan für eine Volksinitiative entwerfen, sagt Marc Horisberger. Mittelfristig wolle man den Kontakt zu wohlgesinnten Parlamentariern ausbauen und Aufklärungsarbeit leisten. «Es ist wichtig, dass die Politiker wissen, über was sie entscheiden», sagt Horisberger. Deshalb bietet er seit neuestem auch Trainingsturniere für Politiker an. Und wird in den nächsten Tagen allen National- oder Ständeräten ein Pokerset mit Chips, Karten und Anleitung nach Hause schicken.
Und vor zwei Tagen gab es die erste Schützenhilfe von ganz oben: Justizministerin Evelyn Widmer-Schlumpf bezeichnete in der Diskussion um den UBS-Staatsvertrag Poker versehentlich als «Geschicklichkeitsspiel».


























