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29. März 2008 18:59; Akt: 30.03.2008 06:14 Print
SBB Cargo: «Auch eine kleine Leiche hat eine grosse Wirkung»
von Yvonne Leonardi - Der Streik bei der SBB Cargo nimmt eine dramatische Wende: Die 58-jährige Maria Agostinetti ist in den Hungerstreik getreten. Sie ist gewillt, ihn bis zum Letzten durchzuziehen.
Die gebürtige Spanierin, welche in der Nähe Luganos wohnt, entschloss sich am Samstagabend zu diesem Schritt, nachdem sie in der Tagesschau hörte, dass SBB-Chef Andreas Meyer das für heute geplante Treffen mit den Streikenden in Luzern platzen liess.
Ich bin im Hungerstreik! Gerechtigkeit! Gerechtigkeit!(Bild: 20 Minuten/Yvonne Leonardi)
Maria Agostinetti mit ihrem 19-jährigen Sohn Vanja in der Officina Bellinzona.(Bild: 20 Minuten/Yvonne Leonardi)
Aus Solidarität bezog sie heute ihren Platz auf dem Areal der Officina Bellinzona und weigert sich zu essen, bis die SBB Cargo alle geplanten Umstrukturierungsmassnahmen zurücknimmt. «Das Debakel der Swissair damals hätte schon genügt», meint sie.
Damit dies nicht noch einmal passiere, ist Maria Agostinetti bereit, «bis zum Tod» zu gehen.
«Wir brauchen keinen Gessler»
Auch sie hat ein Ultimatum: Sollte sich an der jetzigen Situation bis Montagabend nichts ändern, wird aus dem Hungerstreik ab Dienstag ein Kampf mit dem Tode - denn ab dann will sie auch nichts mehr trinken.
«Ich wünschte mir, dass jeder Schweizer Bürger ein Tell wäre, wir brauchen keinen Gessler», greift die kleine, aber resolute Dame die SBB-Führungsriege an. «Ich bin keine Heldin und möchte auch nicht als solche sterben, aber jeder muss mit seiner eigenen Seele ins Reine kommen.»
Nachahmer oder Anhänger wünscht sich Maria mit dieser Aktion nicht, doch sagt sie, dass es jedem frei stehe, in seine Seele zu schauen und zu entscheiden. Sie wünsche sich wieder ein solidarisches Land, eine Schweiz wie sie früher immer war. Ihre Wahlheimat, in der sie seit 39 Jahre lebt, soll wieder erblühen. Doch die «Arroganz und die einseitig abgebrochenen Verhandlungen von Andreas Meyer würden das Land
nur spalten».
Auch hätte sich Maria Agostinetti gewünscht, dass Bundesrat Moritz Leuenberger mehr für den Kanton Tessin tun würde, der in letzter Zeit viele Arbeitsplätze verloren hat.
Unterstützung durch Familie
Ihr Mann und die zwei Söhne unterstützen ihre Mutter in ihrem Hungerstreik. Auch wenn es bis zum bitteren Ende gehen sollte. Und dies alles, obwohl die Familie keine Angehörigen haben, die in der Officina Bellinzona arbeiten.
Bis auf weiteres harrt Maria Agostinetti aus und lebt 24 Stunden in der Officina mit der Hoffnung, dass sich doch noch alles zum Guten wendet. Gegenüber tio.ch, verwendete sie drastischere Worte, falls es bis zum Ende käme: «Auch eine Leiche von nur 1.50-Meter hat eine grosse Wirkung.»
Yvonne Leonardi/pat, 20minuten.ch

























