17. Januar 2008 10:43; Akt: 17.01.2008 11:48 Print

Rechtsextreme: Es liegt in der FamilieRechtsextreme: Es liegt in der Familie

Die Familie und das nahe soziale Umfeld haben gemäss einer Studie einen grossen Einfluss auf rechtsextreme Jugendliche. So übernimmt ein Teil von ihnen die Einstellungen der Eltern oder Grosseltern.

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Jugendliche Rechtsextreme seien keine «Modernisierungsverlierer», also Opfer von ökonomischen und gesellschaftlichen Umbrüchen, wie es in einer Mitteilung des Schweizer Nationalfonds vom Donnerstag heisst.
Hingegen beeinflussen die Familie und das nahe soziale Umfeld rechtsextreme und rassistische Deutungen und Handlungen Jugendlicher stark. Zu diesem Schluss komme eine Arbeit im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms «Rechtsextremismus - Ursachen und Gegenmassnahmen».

Für die qualitative Studie seien sechs Frauen und 20 Männer mit Durchschnittsalter 19 befragt worden, die eine rechtsextreme und rassistische Einstellung besitzen und zu gewalttätigen Handlungen neigen. Aus den Befragungen rekonstruierten der Leiter der Sozialpädagogischen Forschungsstelle der Universität Zürich, Thomas Gabriel, und sein Team biografische Verläufe und Knotenpunkte, die zur Herausbildung von rechtsextremen Einstellungen führen.

Die Wissenschafter haben drei unterschiedliche familiäre Muster und biografische Verlaufsformen rechtsextremer Einstellungen und Gewalttaten gefunden. Bei der Verlaufsform «Abgrenzung durch Überanpassung» übernehmen die Jugendlichen politisch rechte Einstellungen und Handlungslogiken von den Eltern, beziehungsweise Grosseltern. Beim Muster «Gewalt, Missachtung und Suche nach Anerkennung» spielen jugendliche Erfahrung von Ohnmacht gegenüber Gewalt innerhalb der Familie eine wichtige Rolle. Und in der Verlaufsform «Nicht-Wahrnehmung und Suche nach Sicherheit und Differenz» ist für die Jugendlichen der Eindruck prägend, dass sie von den Erwachsenen nicht genügend wahrgenommen werden. Dies kompensieren sie laut der Studie mit Erfahrungen im einschlägigen Umfeld.

Die Forschenden zogen aus den Erkenntnissen den Schluss, dass es keine pauschal richtige Intervention im Umgang mit jugendlichem Rechtsextremismus gibt. Um sinnvoll intervenieren zu können, sei es wichtig, die biografischen, mit dem «Rechtssein» der Jugendlichen verknüpften Themen zu erkennen. In den drei Verlaufsformen würden unterschiedliche Hintergründe von Phänomenen sichtbar, die auf den ersten Blick eine täuschende Ähnlichkeit hätten. Die in der Studie aufgezeigten Unterschiede sollten für die inhaltliche Justierung von Präventions- und Interventionskonzepten genutzt werden, hiess es weiter.

(dapd)