Schweizer Armee

27. August 2010 13:26; Akt: 27.08.2010 14:39 Print

Da ist kein PrügelskandalDa ist kein Prügelskandal

Vorgesetzte schlagen Rekruten in Bière mit einer Eisenkette: Das Video eines Initiationsritual schockierte. Doch es war alles nur gestellt.

storybild

Rekruten werden gezüchtig: Screenshot von Blick.

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Sechs Armeeangehörige stehen vor einer Wand. Sie stützen sich mit den Händen ab. Hinter ihnen geht ein Vorgesetzter umher. Seine Eisenkette zischt durch die Luft, ein Rekrut schreit auf. Was ein obskures Initiationsritual aus der Infanterie-Rekrutenschule 3 in Bière sein sollte, entpuppte sich nun als Inszenierung. Aber beginnen wir von vorne.

Am Freitag berichtete der «Blick» von einem Video, das die Szene mit dem Kettenschläger zeigt und schreibt: «Die Schweizer Armee hat einen Prügelskandal.» Im Artikel meldet sich ein «schockierter» WK-Soldat zu Wort, der die Szene gefilmt haben will: «Ich musste es filmen. Das hätte mir sonst keiner geglaubt.» Nun, der «Blick» hat geglaubt und die Armee mit den Aufnahmen konfrontiert. Diese bestätigte, dass die Aufnahmen echt sind und in der Kaserne Bière aufgenommen wurden. Das sei absolut inakzeptabel, lässt sich Armeesprecher Christoph Brunner zitieren. «Solche menschenverachtenden und herabwürdigenden Praktiken werden in der Schweizer Armee nicht toleriert.» Die Armee hat dementsprechend eine Untersuchung eingeleitet.

Kurze Zeit später stellt sich heraus: Bei dem Video handelt es sich um einen «geschmacklosen Scherz». Die Militärpolizei und die Schulkommandanten haben die Beteiligten befragt – und diese haben gestanden: «Der 'Vorfall' war nach Angaben der Involvierten inszeniert, inklusive dem Video», sagte Armeesprecher Christian Burri der SDA.

Ob inszeniert oder echt: Für die Beteiligten – allesamt Kaderanwärter – wird der Vorfall auf jeden Fall Konsequenzen haben. Über das Strafmass entscheidet der Schulkommandant, wie Burri sagte. Als disziplinarische Sanktion drohen den Armeeangehörigen maximal zehn Tage Arrest und eine Busse von bis zu 500 Franken.

(mlu/sda)