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Zürcher SVP-Doppelticket
27. November 2008 18:04; Akt: 28.11.2008 11:13 Print
Ueli Maurer auf dem Weg zum Bundesrat
Die SVP Fraktion hat entschieden: Ueli Maurer ist neben Christoph Blocher der offizielle Kandidat für die Bundesratswahl am 10. Dezember . Die anderen Bundesratsparteien haben im Vorfeld gesagt, dass sie Blocher nicht wählen werden. Ueli Maurer sei aber «wählbar». Rita Fuhrer wirft der Partei vor, sie übergangen zu haben, weil sie eine Frau ist.
Die SVP-Fraktion der Bundesversammlung sprach sich am Donnerstag in Niederbuchsiten einstimmig für dieses Zürcher Doppelticket aus. Damit wird Maurer zum Favoriten.
ReaktionenFDP: Nomminierung als Schwächezeichen
FDP-Präsident Fulvio Pelli wertet die Nominierung von Christoph Blocher und Ueli Maurer für die Bundesrats-Ersatzwahl vom 10. Dezember als Schwächzeichen der SVP. Er nehme davon Kenntnis, dass die SVP-Fraktion mit zwei Kandidaten ins Rennen steigen wolle, sagte er am Donnerstagabend auf Anfrage. Blocher habe jedoch keine Chancen gewählt zu werden.
«Wir sind bereit, Blocher das zu sagen, was ihm in der Fraktion niemand zu sagen wagt, nämlich, dass er keine Chance hat, gewählt zu werden», sagte Pelli. Von Maurer wolle die FDP wissen, wie er sich als Bundesrat sehen würde und welche Ideen er zur Konkordanz habe. Eine Stellungnahme der FDP zur Doppelkandidatur der SVP werde die FDP-Fraktion erst nach den Anhörungen vom nächsten Dienstag abgeben.
Grüne: Weder Blocher noch Maurer sollen gewählt werden
Die Grünen haben die Bundesratsparteien SP und CVP aufgefordert, weder alt Bundesrat Christoph Blocher noch den Zürcher SVP-Präsidenten Ueli Maurer in die Landesregierung zu wählen. Das von der SVP-Fraktion nominierte Zweierticket erstaune nicht und solle garantieren, dass mit Maurer die Hardliner-Politik in den Bundesrat zurückkehre, die andere diffamiere und für die Umweltprobleme und das Finanzdebakel mitverantwortlich sei. «Kuschen SP und CVP nun wieder vor der SVP?» fragten die Grünen in einer Mitteilung vom Donnerstagabend.
Darbellay sieht echte Wahlchancen für Ueli Maurer
CVP-Präsident Christoph Darbellay sieht für Ueli Maurer echte Chancen am kommenden 10. Dezember in den Bundesrat gewählt zu werden. Dies sagte Darbellay am Donnerstag auf Anfrage und fügte hinzu, er nehme die Nomination der SVP zur Kenntnis, ohne sie gross zu kommentieren. Die CVP-Fraktion werde am kommenden Dienstag erstmals über die beiden Kandidaten diskutieren.
Am 9. Dezember stünden dann Hearings auf dem Programm. Dabei würden die Mitglieder der Fraktion die beiden Kandidaten zu ihren Absichten im Bundesrat befragen, sagte Darbellay. Am Ende der Hearings werde die CVP-Fraktion mitteilen, ob die Kandidaten von einer Mehrheit der Fraktion getragen würden. «Bei Christoph Blocher gibt es allerdings keine Anzeichen dafür, dass sich die Situation plötzlich zu seinen Gunsten drehen sollte,» führte Darbellay weiter aus.
SP kündigt Prüfung für Ueli Maurer an
Der SP will nach der Nomination des SVP-Zweiertickets nun eine Bilanz über die Aktivitäten von Ueli Maurer in den vergangenen Jahren ziehen und erst dann einen Entscheid fällen. Wenn der Kandidat die Prüfung nicht bestehe, werde die SP auf die anderen Parteien zugehen, sagte SP-Präsident Christian Levrat am Donnerstagabend in einer Stellungnahme im Westschweizer Radio RSR.
Noch nicht offiziell entschieden habe die Partei, ob auch Blocher zu einer Anhörung eingeladen werden soll. Allerdings würde dies wenig Sinne machen, da die SP Blocher nicht wählen werde, sagte Levrat. Als «Armutszeugnis» bezeichnete Levrat den Umstand, dass die SVP nicht beispielsweise eine Zweierauswahl mit einem Mann und einer Frau geboten habe.
Demütige Kandidaten
An der Pressekonferenz nach der Nominierung gaben sich die beiden Kandidaten demütig. Die beiden Zürcher betonten, sie würden das Amt nicht anstreben, sich aber zum Wohle des Landes zur Verfügung stellen.
Mehr Bürde als Würde
Maurer sagte: «Das wäre für mich eher eine Bürde als eine Würde», und «Ich bin kein Händeschüttler». Blocher sagte, er stelle sich zur Verfügung. Er selber habe das Zweierticket vorgeschlagen. Das sei nötig, damit die Partei nicht in die Opposition gehen muss, falls er nicht gewählt würde. Wenn die anderen Parteien es wünschen, dann werde Blocher auch zu den Hearings gehen.
Maurer wie Blocher betonen, dass sie das Amt aus Liebe zum Land und aus Notwendigkeit, die Heimat in der Krise zu unterstützen, annehmen werden, falls sie am 10. Dezember gewählt werden.
Einstimmige Nomination
Wie Fraktionschef Caspar Baader vor den Medien im solothurnischen Niederbuchsiten erklärte, stimmte die Fraktion mit 60 zu null Stimmen ohne Enthaltungen für das Zweierticket. Die SVP zeige damit, dass sie in schwieriger Zeit Regierungsverantwortung übernehmen wolle.
Mit dem Doppelvorschlag präsentiere die Fraktion dem Parlament eine Auswahlmöglichkeit zwischen zwei Persönlichkeiten, die das Gedankengut der SVP verträten. Der 68-jährige Blocher habe sich zur Verfügung gestellt.
Baader und Schwander verzichten
Vor der Wahl hatten sich Baader, der Berner Andreas Aebi und der Schwyzer Primin Schwander zu Gunsten von Maurer zurückgezogen. Im ersten Wahlgang erhielt Maurer 26 Stimmen, der Berner Adrian Amstutz zwölf und der Schauffhauser Ständerat Hannes Germann sieben Stimmen.
Künftig kein Berner …
Im zweiten Wahlgang entfielen auf Maurer 44 Stimmen und auf den Berner Amstutz 16 Stimmen. Im dritten Durchgang siegte der 58-jährige Maurer mit allen 60 Stimmen der Fraktion, wie Baader mitteilte. Damit wird Bern künftig nicht mehr im Bundesrat vertreten sein.
… und auch keine Frau, …
Die Zürcher SVP-Regierungsrätin Rita Fuhrer steht bei der Bundesratsersatzwahl vom kommenden 10. Dezember ausdrücklich nicht mehr zur Verfügung. Fuhrer betonte am Donnerstagabend in einem Communique, dass sie ohne Nomination durch die Fraktion als Kandidatin nicht zur Verfügung stehe.
Gegenüber «Radio 24» sagte Fuhrer, sie sei von der Fraktion enttäuscht. «Die Bundeshaus-Fraktion ist der Ansicht,
dass ich eine valable Bundesrätin gewesen wäre. Allerdings hat die
Fraktion betont, dass vier Frauen in der Landesregierung zu viel sind»,
so Fuhrer gegenüber dem Zürcher Radio.
… aber zwei Zürcher im Bundesrat
Sollte einer der beiden vorgeschlagenen Kandidaten in den Bundesrat gewählt werden, wäre neben Moritz Leuenberger (SP) ein zweiter Zürcher in der Landesregierung vertreten. Das war schon so, als Christoph Blocher noch im Bundesrat war. Früher wurde darauf geachtet, dass die Kantone und Regionen ausgewogen in der Regierung vertreten wurden.
Respekt vor «Herkulesarbeit»
Maurer sagte, er habe lange gezögert, sich als Kandidat zur Verfügung zu stellen. Er wäre nicht ohne eine Kandidatur Blochers angetreten. Er habe grossen Respekt vor der «Herkulesarbeit» im VBS und vor dem Amt.
Seine Kandidatur sei «mehr Bürde als Würde» und mit der Familie abgesprochen. Er könne sich eine Zusammenarbeit in der Landesregierung mit der BDP-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf gut vorstellen.
Blocher sagte, es sei ihm klar, dass ihn das Parlament eigentlich nicht wolle. Eine Einerkandidatur hätte das Risiko mit sich gebracht, dass die SVP in ihrer Oppositionsrolle bleiben müsse. Seine Kandidatur auf dem Zweierticket sei jedoch keine «Alibiübung». Er sei ein «ernsthafter Kandidat».
Maurer als «beste Nummer 2»
Mit Maurer und Blocher trete die SVP-Fraktion mit ihren besten Köpfen und Integrationsfiguren an, sagte Baader. Das Parlament könne wählen zwischen einem Wirtschafts- sowie Finanzspezialisten und einem verdienten Parteipräsidenten. Maurer sei die «beste Nummer 2».
Mit ihrem Entscheid folgte die Fraktion der Empfehlung des Fraktionsvorstandes vom Mittwoch. Dieser hatte sich für einen Zweiervorschlag mit Blocher ausgesprochen. Wer zudem der Bundesversammlung vorgeschlagen werden sollte, hatte der Vorstand offen gelassen.
Grüner Kandidat
Für die Ersatzwahl vom kommenden 10. Dezember liegt der Vereinigten Bundesversammlung bereits die Kandidatur des Grünen Waadtländer Ständerats Luc Recordon vor.
(sda/ap/jeb)
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Alle 109 Kommentare





























was ist los in der schweiz
warum können die linken u.grünen kreise nicht akzeptieren das der rest der schweiz auch eine eigene meinung haben dürfen. immerhin haben 30% der schweizer sich geeinigt das sie die svp linie möchte und das in einer zeit wo die svp sehr klar und gradlinig war und maurer und blocher die zugpferde.
Pat & Patachon?
Diese "Auswahl" der SVP ist ja wohl ein verspäteter Aprilscherz. Beide Kandidaten sind absolut unwählbar. Beide sind nicht konkordanzfähig und passen vom Auftreten her besser an den Stammtisch als in den Bundesrat. Es gibt in der Partei fähigere Kandidaten als die Polteris aus Zürich.
SVP Wahlgeplänkel
Typisch SVP-"Spitze". Die Wahlempfehlung ist eigentlich "Wischi-waschi", genau das, was Blocher immer wieder an den Pranger stellt. Immerhin: Wenn's schon sein muss, dann doch lieber kein Baader. Das wäre das Letzte gewesen, was uns zugemutet worden wäre.