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Hells Angels
10. März 2010 17:58; Akt: 10.03.2010 18:10 Print
Fahndungsflop der Bundesanwaltschaft
Jahrelange Ermittlungen mit grenzenlosem Aufwand gegen die Hells Angels durch die Bundesanwaltschaft führten offenbar zu keinem Resultat.
Seit sechs Jahren untersucht die Bundesanwaltschaft gegen die Hells Angels. Der Vorwurf: Der Motorrad-Club sei eine kriminelle Organisation, die im grossen Stil den Drogen- und Frauenhandel in der Schweiz kontrolliere. In diesen Tagen wird der Bericht der Untersuchungsbehörden erwartet. Alles deutet auf einen Schlag ins Wasser hin, wie Recherchen der «Rundschau» des Schweizer Fernsehens zeigen.
Grossaufgebot der Polizei vor dem Sitz der Hells Angels an der Zürcher Langstrasse am 28. April 2004. Bei einer Grossaktion unter der Leitung der Bundeskriminalpolizei wurden mehrere Mitglieder der Zürcher «Hells Angels» verhaftet.
Der Aufwand der Bundesanwaltschaft in den Ermittlungen gegen die Rocker kannte keine Grenzen. Wohnungen wurden verwanzt, Telefone angezapft, Autos mit GPS-Sendern versehen. An einer Razzia im Clublokal der Hells Angels in Zürich waren im April 2004 300 Polizisten beteiligt – für die Verhaftung von 13 Hells Angels. Das Vorgehen der Bundespolizei erinnerte an FBI-Methoden.
Ergebnis ist «schäbig bis nichts»
Weniger beeindruckend sind hingegen die Ergebnisse der Schweizer Fahnder. «Wir stehen jetzt im sechsten Jahr nach dem grössten Lauschangriff, den die Schweiz je erlebt hat. Man hat Tausende von Stunden Bild- und Tonmaterial gesammelt. Das Ergebnis ist schäbig bis nichts», sagt Hells-Angels-Anwalt Valentin Landmann gegenüber der «Rundschau». Nach der Sichtung von 8000 Stunden Überwachungsmaterial könnten die Beamten jetzt wahrscheinlich zeigen, dass die Hells Angels in Hanfgeschäfte in kleinerem Umfang verwickelt seien. «Jede kantonale Staatsanwaltschaft hätte das innerhalb von drei Monaten geschafft», so Landmann weiter.
Erfahrene Fahnder nicht befragt
In den vergangenen Jahren wurde in zahlreichen Ländern gegen die Hells Angels ermittelt. In Deutschland waren sie in Bandenkriege verwickelt, in Kanada kam es zu Mordanklagen. In der Schweiz hingegen seien die Hells Angels seit über 20 Jahren nicht mehr auffällig gewesen, sagt René Rüegsegger. Er muss es wissen: 30 Jahre lang arbeitete er als Fahnder der Stadtpolizei an vorderster Front im Zürcher Rotlichtmilieu. Über das Verhalten der Bundesanwaltschaft schüttelt Rüegsegger den Kopf: «Wir wurden von den Ermittlungsbehörden gar nicht gefragt, obwohl wir die Hells Angels von unserer täglichen Arbeit her kennen», sagt er gegenüber der «Rundschau». Dass die Bundesanwaltschaft nach sechs Jahren immer noch nichts gefunden habe, zeige ihm, dass die Aktion ein Schlag ins Wasser war.
Seltsame Methoden
Ein internes Papier der Bundesanwaltschaft lässt erahnen, auf welcher Ebene die Behörden ermittelten. Konkret wird ein Hells Angels beschuldigt, die Prostitution zu fördern, weil er Frauen auf Kredit Schmuck verkaufte. Er würde die Frauen damit in finanzieller Abhängigkeit halten und sie zur Prostitution zwingen. Ein Hells-Angels-Mitglied, das bei einer Versicherung arbeitet, zeigt sich gegenüber der «Rundschau» empört: «Wenn ich meine Versicherungen an Prostituierte verkaufe, müsste man mich und meine Gesellschaft auch anklagen, weil die Prostituierten ihre Prämien nur bezahlen können, wenn sie auf den Strich gehen. Das ist nicht nur ein vollkommener Blödsinn – das ist ein Witz.» Die Hells Angels sind noch immer sauer auf die Bundesanwaltschaft. Bei der Razzia vor sechs Jahren beschlagnahmte die Polizei unter anderem zahlreiche Motorräder und andere Gegenstände im Wert von mehreren hunderttausend Franken. Die Motorräder stehen auch heute noch immer unter Verschluss.
Die Bundesanwaltschaft schweigt
Auf Anfrage der «Rundschau» wollte sich die Bundesanwaltsschaft nicht zum Hells-Angels-Fall äussern. Sie verweist auf den Bericht des Untersuchungsrichters, der in diesen Wochen publiziert werden soll. Nach verschiedenen Wechseln hat vor rund einem Jahr ein neuer Untersuchungsrichter den Fall übernommen. Interne Quellen, die nicht genannt werden wollen, sprechen von einem Fiasko. Die schiere Datenmenge der Voruntersuchung der Hells Angels erlaube es kaum, den Fall vernünftig aufzuarbeiten.
(sf/whr)


























