08. März 2008 13:03; Akt: 08.03.2008 13:12 Print

SBB-Meyer bietet streikenden Tessiner die StirnSBB-Meyer bietet streikenden Tessiner die Stirn

Die SBB wollen die Cargo-Tochter nicht verkaufen. Auf Streiks in Bellinzona sei man vorbereitet. Es werden nur Loks ins Tessin zum reparieren gebracht, wenn gleichzeitig geflickte Lokomotiven das Güterwagenwerk verlassen.

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Die SBB-Spitze hat nach der Bekanntgabe der Abbaupläne bei SBB Cargo in Bellinzona Protest erwartet und Vorsichtsmassnahmen getroffen. Dies sagte SBB-Konzernchef Andreas Meyer in der «Samstagsrundschau» von Radio DRS. In Bellinzona, wo seit gestern gestreikt wird, ist heute Nachmittag eine Kundgebung geplant.

Laut Meyer wurde vor allem geschaut, dass in der Tessiner Unterhaltsstätte nicht zu viele Lokomotiven einfahren beziehungsweise «nur reingehen, wenn andere rausgehen». Es werde nun versucht die Lokomotiven anderorts zu warten. Damit sollte laut Meyer der Betrieb im Güter- und Personenverkehr sichergestellt werden.

Meyer will am Anfang kommender Woche mit der Tessiner Regierung den Dialog suchen. Er betonte, dass das Güterwagenwerk in Bellinzona zu klein sei und die kritische Masse nicht erreiche. Es bestehe nun aber die Chance, mit vier Privatunternehmen die immer noch 200 Arbeitsplätze sichern zu können.

Zu allfälligen Partnerschaften bekräftigte Meyer, dass SBB Cargo ein heiss umworbener Kooperationspartner sei. Was die Kriterien für solche Partnerschaften betrifft, so müsste der Partner laut Meyer unter anderem bereit sein, sich namhaft mit Risikokapital zu engagieren. «Dabei sein ist gut, aber mitzahlen wäre besser», sagte Meyer. Auch müsse eine Zusammenarbeit einen Beitrag zur Absicherung und Weiterentwicklung auf dem Schweizer Markt und in Europa ermöglichen und das Geschäft noch schneller und besser machen.

Die SBB stünden auch in einer schwierigen Zeit zum Güterverkehr und wollten SBB Cargo nicht verkaufen, bekräftigte Meyer. Es gebe keine solchen Pläne. Ein Verkauf von über 49,9 Prozent sei ohne Gesetzesänderung ohnehin nicht möglich.

In Bellinzona, wo 126 Stellen abgebaut werden sollen, stand am Nachmittag eine Kundgebung auf dem Programm. Die Cargo-Angestellten befinden sich seit der Hiobsbotschaft im Streik. Die seit der Gründung vor acht Jahren ständig defizitäre SBB Cargo hatte am (gestrigen) Freitag einen Rekordverlust von 190 Millionen Franken für 2007 ausgewiesen und den Abbau von insgesamt 400 Stellen angekündigt. Das ist fast ein Zehntel der gesamten Cargo-Belegschaft. Besonders betroffen sind die Standorte Bellinzona, Basel und Freiburg. Das Sanierungs- und Restrukturierungspaket soll jährlich 70 Millionen Franken bringen.

(dapd)