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FARC-Connection
16. Juli 2008 15:22; Akt: 16.07.2008 16:52 Print
Verdacht gegen Vermittler Gontard erhärtet sich
Der Schweizer Unterhändler Jean-Pierre Gontard soll der kolumbianischen FARC-Guerilla als Geldbote gedient haben. E-Mails aus dem Computer eines getöteten FARC-Kommandanten stützen diesen Verdacht.
Der Genfer Dozent Jean-Pierre Gontard steht seit den 1990er Jahren in Kontakt zu den marxistischen FARC-Rebellen in Kolumbien. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) setzt ihn seit einigen Jahren als Vermittler zwischen der Guerilla und der Regierung ein. Seit der Befreiung Ingrid Betancourts ist Gontard jedoch ins Visier der kolumbianischen Behörden geraten.
Jean-Pierre Gontard unter Druck. (Bild: TSR)
Konkret geht es um allfällige Lösegeldzahlungen bei der Befreiung von zwei Novartis-Mitarbeitern, die 2000 von der FARC als Geiseln genommen worden waren. Gontard wird vorgeworfen, er habe für die Terroristen eine halbe Million Dollar transportiert. Die Vorwürfe stützen sich auf elektronische Dokumente aus dem Computer von Raúl Reyes. Die Nummer zwei der FARC war Anfang März bei einem Angriff auf sein Lager im Nachbarland Ecuador getötet worden.
Mails deuten auf Beteiligung hin
Die kolumbianische Justiz will ein Verfahren gegen Gontard einleiten. Das EDA betonte am Dienstag, dass der Schweizer Vermittler «nie Lösegeld überbracht habe». Die «Weltwoche» veröffentlicht in ihrer Ausgabe vom Donnerstag jedoch Auszüge aus den E-Mails von Reyes, wie einem Vorabdruck zu entnehmen ist. Sie lassen darauf schliessen, dass Jean-Pierre Gontard im Herbst 2001 tatsächlich in die Übergabe von
Der «Weltwoche»-Bericht wirft aber auch neue Fragen auf. «Wofür die halbe Million tatsächlich bezahlt wurde, geht aus dem Mailverkehr allerdings nicht hervor», schreibt die Zeitschrift. Denn die beiden Novartis-Mitarbeiter waren bereits ein halbes Jahr zuvor freigelassen worden, und gemäss Medienberichten seien nicht bloss eine halbe, sondern acht Millionen Dollar Lösegeld bezahlt worden. Novartis-Chef Daniel Vasella dementierte, dass Gontard als Geldbote gedient hatte.
Was wusste das EDA?
Unklar bleibt auch, wie weit das EDA über die Aktivitäten des umstrittenen Vermittlers informiert war. Bislang hat sich das Departement stets hinter Gontard gestellt. Aussenministerin Micheline Calmy-Rey äusserte sich bislang nicht zum Fall, was ihr heftige Kritik eingebracht hat. Erschwert wird die Angelegenheit durch die Tatsache, dass der EDA-Chef zum Zeitpunkt der umstrittenen Geldübergabe noch Joseph Deiss hiess.
(pbl/ap)


























