Kritik an biometrischen Pässen

27. April 2009 11:56; Akt: 28.04.2009 13:17 Print

«Ein typischer Schweizer Perfektionismus»«Ein typischer Schweizer Perfektionismus»

Bei Datenschützern stösst der biometrische Pass auf Skepsis. Der Eidg. Datenschutzbeauftrage Hanspeter Thür und sein europäischer Amtskollege Peter Hustinx kritisieren insbesondere die zentrale Datenbank.

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«Wenn man grosse Datenmengen zentral speichert und die Dinge schief laufen, dann laufen sie für viele Betroffene schief», sagte der EU-Datenschützer Hustinx in einem am Montag in der «Berner Zeitung» erschienenen Interview. Eine Datenbank von Fingerabdrücken werde denn auch vom Schengen-Abkommen nicht verlangt.

«Es ist typischer Schweizer Perfektionismus», sagte Thür in der Westschweizer Zeitung «Le Temps». Die Behörden wollten möglichst weit ausgebaute Instrumente, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Es sei jedoch seiner Meinung nach besser, wenn der Staat nur das Nötigste von seinen Bürgern wisse.

Thür befürchtet, dass die Daten zu einem späteren Zeitpunkt auch für die Strafverfolgung genutzt werden könnten. Dazu bräuchte es lediglich eine Gesetzesänderung. Auch schliesst er die Gefahr nicht aus, dass die zentrale Datenbank gehackt werden könnte - auch wenn diese bestmöglich geschützt würde.

Dezentrale Lösung begrüsst

Hustinx macht auf ein weiteres technisches Problem aufmerksam: «Die Qualität der Fingerabdrücke ist nicht bei jedem Individuum gleich gut», sagte er im Interview. Bei Kindern und älteren Menschen gebe es Probleme. Seines Wissens liege die Fehlerquote bei der Identifizierung bei vier bis fünf Prozent.

Der EU-Datenschutzbeauftragte findet es besser, wenn biometrische Daten wie Fingerabdrücke im Besitze jedes Einzelnen bleiben. Er begrüsst daher die dezentrale Lösung wie sie Deutschland gewählt hat und bedauert, dass sein Heimatland - die Niederlande - sich für eine Datenbank entschied.

(sda)