28. April 2008 18:24; Akt: 28.04.2008 21:49 Print

Schweizer Atomschmuggler aus Haft entlassenSchweizer Atomschmuggler aus Haft entlassen

Nach über dreieinhalb Jahren soll der mutmassliche Atomschmuggler Urs Tinner aus der Untersuchungshaft entlassen werden. Ihm wurde vorgeworfen dem Netzwerk des «Vaters» der pakistanischen Atombombe, Abdul Qadeer Khan, angehört zu haben.

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Der Eidgenössische Untersuchungsrichter habe die Haftentlassung des 43-jährigen Ingenieurs heute verfügt, sagte Rechtsanwalt Roman Bögli in Richenbach bei Wil. Der Untersuchungsrichter habe damit dem am 17. April eingereichten Haftentlassungsgesuch stattgegeben. Noch sei sein Klient aber nicht auf freiem Fuss, sagte der Anwalt. Denn die Bundesanwaltschaft habe fünf Tage Zeit, um gegen die Haftentlassungsverfügung zu rekurrieren. Bögli sprach von einem ersten Erfolg seiner Bemühungen um die Haftentlassung.

Der Ingenieur aus dem St. Galler Rheintal, der zusammen mit seinem Vater und seinem Bruder dem Netzwerk des «Vaters» der pakistanischen Atombombe, Abdul Qadeer Khan, angehört haben soll, sitzt seit dem 8. Oktober 2004 in Auslieferungs- beziehungsweise Untersuchungshaft. Ein erstes Haftentlassungsgesuch hatte das Bundesgericht am vergangenen 9. Oktober in letzter Instanz abgelehnt. Die Lausanner Richter hatten damals eine anhaltende Fluchtgefahr anerkannt. Zudem bezeichneten sie die Haft trotz der langen Dauer als verhältnismässig, weil die vorsätzliche illegale Proliferation von Kernwaffentechnologie mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren bedroht sei. Das Bundesgericht unterstrich damals aber auch, dass das Verfahren mit besonderer Beschleunigung behandelt werden müsse.

Der Eidgenössische Untersuchungsrichter Andreas Müller hatte im letzten März auf Anfrage der AP bestätigt, dass in dem von der Bundesanwaltschaft übernommenen Dossier offensichtlich Untersuchungsakten fehlten. Laut Medienberichten soll es sich um Akten handeln, die eine Verbindung Tinners mit dem US-Gemeindienst CIA betreffen. Sie sollen dazu geführt haben, dass die Unterstützung des Khan-Netzwerks für das Atomwaffenprogramm Libyens aufgedeckt wurde. Auf Grund eines geheimen Bundesratsbeschlusses sollen die fraglichen Akten aus dem Dossier entfernt worden sein. Die Bundesbehörden lehnten dazu bisher jede Stellungnahme ab. Müller hatte Schritte erwogen, um die fehlenden Akten wieder beizubringen.

(dapd)