Kriminalität

15. März 2010 11:40; Akt: 23.03.2010 10:04 Print

Die krummen Geschäfte der Billig-TürsteherDie krummen Geschäfte der Billig-Türsteher

von Joel Bedetti - Seriöse Security-Firmen kämpfen im Türstehergeschäft seit einiger Zeit mit Konkurrenten aus dem Billig-Segment. Die sind schlecht ausgebildet – und mischen manchmal im Drogenhandel mit.

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Das Türsteherleben ist keine leichte Existenz. Man schlägt sich mit den unangenehmsten Gästen herum und weiss nie, ob der nächste Gast zum Messer greift. Kommt dazu, dass die Arbeit kaum honoriert wird – weder mit Ansehen noch mit viel Geld. Für etliche Clubbetreiber, so der Tenor bei den Security-Leuten, sind die Männer an der Tür nicht viel mehr als ein lästiger Ausgabeposten, den es klein zu halten gilt.

Aus diesen Gründen ziehen sich namhafte Sicherheitsfirmen aus dem Türsteher-Bereich zurück. Vergangene Woche hat die Securitas bekannt gegeben, dass sie künftig keine Türsteher mehr stellen wird – wegen der rassistischen Einlasspolitik vieler Clubs, so die offizielle Begründung (20 Minuten berichtete). Für die Securitas war dies kein weitreichender Entscheid, sie beschäftigte ohnehin kaum Türsteher.

Zehn Franken billiger

Andere namhafte Firmen haben diesen Schritt schon lange getan. «Wir können in diesem Bereich nur verlieren. Und wir wollen unser Image dadurch nicht beschädigen», sagt ein Mitglied der Geschäftsleitung von Delta Security zu 20 Minuten Online. Die Person will anonym bleiben, weil namentliche Auskünfte in den Medien schon dazu geführt hätten, dass man bedroht werde.

Das gelichtete Feld übernehmen nun zunehmend kleine Firmen, die sich nicht an Arbeitsverträge halten, teils gar schwarz arbeiten – und ihre Leute nicht richtig schulen. Das Mitglied einer seriösen Security-Firma sagt: «Manchmal sind es kleine Judo- oder Karateclubs, die sich nebenbei einfach als Security-Firmen betätigen.» Ohne Sozialversicherungsbeträge und ohne gute Ausbildung könnten sie sich bis zu zehn Franken pro Mannstunde billiger anbieten.

Türsteher und Dealer arbeiten zusammen

Ein anderer Insider aus der Branche weiss: «Gewisse Türsteher zählen darauf, dass sie mit der Macht, die ihnen ihre Position verleiht, viel mehr Geld verdienen können als mit dem Lohn.» Konkret: Sie mischen im Drogenhandel mit.

Gemäss dem Insider läuft das so: Damit die Leute die ganze Nacht hindurch im Club bleiben, muss es genügend Drogen geben. Der Clubbetreiber wird also eine gewisse Anzahl Dealer im Club dulden. Der Türsteher kann entscheiden, welche Dealer er reinlässt – er bestimmt, welchen Händlern er den Markt überlässt. Diese müssen sich bei ihm natürlich revanchieren.

Das gehe zum Teil so weit, sagt der Insider, dass die Türsteher sich untereinander organisieren würden, wer wen wo reinlässt. Er weiss aber: «So etwas ist natürlich sehr schwer zu beweisen.»

«Einige haben anderes Rechtsempfinden»

Tatsächlich bestätigen die Polizeikorps der grossen Schweizer Städte diese Beobachtungen nicht, und auch die meisten Szenekenner schütteln den Kopf. Gion Petschen, Türsteher-Ausbildner in Rüti, dagegen weiss von solchen Geschäften. Er sagt: «Manchmal stecken nicht nur die Türsteher, sondern auch das Barpersonal mit drin.» Da viele Türsteher aus dem Ausland stammen würden, so Petschen, herrschten auch andere Mentalitäten: «Einige haben ein anderes Rechtsempfinden.»

Auch Maurus Ebneter, Sprecher des Schweizer Nachtclub-Verbandes Asco, kann sich solche Vorgänge in Schweizer Clubs vorstellen – auch wenn er konkrete Fälle nur aus dem Ausland kenne: «Dort dealen Türsteher nicht nur. Manchmal sind Security-Firmen so mächtig, dass sie Clubbetreiber zwingen, sie anzustellen – sonst gibts Radau im Club.»