Noch setzt sich die Öffentlichkeit kaum mit Nanotechnologien auseinander. Dies wollte das Zentrum für Technologie-Abschätzung (TA-SWISS) ändern und führte in der ganzen Schweiz mehrere Diskussionsrunden zum Thema durch. Dabei kristallisierten sich zwei Dinge heraus, wie in Bern vor Medienvertretern und Parlamentariern erörtert wurde: Die Chancen der Nanotechnologie werden insbesondere in den Bereichen Medizin (Krebsbekämpfung) und Umwelt (Wasseraufbereitung oder Photovoltaik) als hoch eingeschätzt. Gleichzeitig erfüllt aber der Umstand mit Sorge, dass man vielleicht schon unbewusst Produkte mit synthetisch hergestellten Nanopartikeln gekauft hat.
Die Befragten verwiesen denn auch auf zahlreiche Unklarheiten und fehlende Erfahrungen mit der Technik und zogen den Vergleich zu Handy-Strahlung, Asbest oder Atomkraft. Um das Vertrauen in den neuen Technologiezweig aufzubauen, brauche es vor allem Transparenz.
Die meisten Diskussionsteilnehmer forderten laut TA-SWISS eine Deklarationspflicht für neuartige Waren. Vorgeschlagen wurde etwa die Schaffung eines Labels, gekoppelt mit einer Lenkungsabgabe, um die Finanzierung der Risiko-Forschung zu unterstützen. Für viele wäre auch denkbar, dass sich die Industrie selber verpflichten würde, keine Produkte auf den Markt zu bringen, deren Folgeschäden ungeklärt seien. Zudem soll die Information in der Öffentlichkeit verstärkt werden.
Die grundsätzlich positive Haltung gegenüber der Nanotechnologie zeigte sich laut TA-Swiss auch darin, dass selbst die Skeptiker ihr grosses Potenzial attestierten. Und obschon Parallelen zur Gentechnik gezogen worden seien, sei ein Moratorium nie ein Thema gewesen. Vielmehr überwog die Meinung, die Schweiz solle ihre Spitzenposition in dem Forschungsbereich nutzen, um bei der Risikoforschung und bei Regulierungsfragen auch international wegweisend zu sein.
Aus Sicht der TA-SWISS-Verantwortlichen lohnt sich eine frühzeitige gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Nanotechnologie. Die öffentliche Meinung sei für den Erfolg neuer Produkte und für den Forschungs- und Werkplatz Schweiz entscheidend, hiess es in einer Mitteilung. Für das Projekt publifocus «Nanotechnologien» wurde im vergangenen September in Winterthur, Bern, Lausanne und Lugano je eine Diskussionsrunde mit rund 15 Freiwilligen durchgeführt. Eine weitere Gruppe setzte sich aus Vertretern nationaler Organisationen und Verbände zusammen, die mit Nanotechnologie konfrontiert sind. Laut TA-SWISS unterschieden sich deren Aussagen nicht von denen der Laiengruppen. Unterstützt wurde das Projekt von den Bundesämtern für Gesundheit und Umwelt sowie von der Zürcher Hochschule Winterthur.
(ddp)|
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