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Organspende
07. September 2010 17:47; Akt: 08.09.2010 17:47 Print
«Ich würde ja spenden, aber...»
von Amir Mustedanagic - Organspende ist eine gute Sache - finden viele. Trotzdem sind Eigentümer eines Spendeausweises rar. Meist ist das aber keine bewusste Entscheidung.
Es ist ein emotionales, ein ethisches und vor allem ein heikles Thema: Organspende. Mit ganzseitigen Inseraten versucht das Bundesamt für Gesundheit seit vergangener Woche die Schweizer wieder für das Thema zu sensibilisieren. Zwar steigt die Zahl der Spender seit 2007 an, noch immer sterben aber in der Schweiz Menschen aufgrund von fehlenden Ersatzorganen. Alleine im ersten Halbjahr 2010 waren es 27 Menschen, die nicht rechtzeitig ein Herz, eine Lunge oder sonst ein lebenswichtiges Organ erhielten. Die Zahl wird im zweiten Halbjahr aber ansteigen, wie es bei Swisstransplant heisst. Während aktuell 1050 Menschen auf ein Ersatzorgan warten, sind in den vergangenen zwei Monaten nur 12 Organspender gestorben.
Zugriffszahlen auf die Transplantinfo-Homepage: Seit 2007 ist das Interesse stetig gestiegen mit Rekordbesuchen im Januar 2010 (Quelle: Bundesamt für Gesundheit)
Organspende - wie gut wissen Sie Bescheid?
Wie lange können Organe eigentlich transplantiert werden? Und wie lange können diese ausserhalb des menschlichen Körpers funktionstüchtig gehalten werden? Spielen Sie das grosse Quiz und staunen Sie!
Zum Organ-Quiz >> Die wichtigsten Fragen zur Organspende
Wer kann seine Organe spenden? Jedermann und jede Frau kann ab dem 16. Lebensjahr frei bestimmen, ob man seine Organe spenden will. Im Todesfall überprüfen die zuständigen Ärzte die Tauglichkeit. Es gibt auch keine Beschränkung nach oben: «Massgebend ist der Gesundheitszustand», heisst es dazu beim BAG.
Kann eine Erklärung als Spender rückgängig gemacht werden? Ja. Möchte man nicht mehr Organspender sein, muss die Spendekarte oder die Patientenverfügung geändert oder vernichtet werden. Zudem sollten die Angehörigen über den Entscheid informiert werden. Registriert – wie viele Menschen glauben – ist man als Organspender nirgends. Das heisst trägt man keine Spenderkarte, werden die Angehörigen nach dem letzten Willen gefragt. Liegt eine Spenderkarte vor, haben die Verwandten umgekehrt keinen Einfluss.
Was wird transplantiert? Der Organspender kann selbst entscheiden, was er spenden möchte. Der Leichnam wird in jedem Fall nach der Entnahme der Familie überreicht, ohne das ihm die Transplantationen anzumerken sind. Gliedmassen und Körperteile werden in der Schweiz noch nicht routinemässig transplantiert, weswegen in solchen Fällen die Angehörigen das letzte Wort haben.
Sollten die Angehörigen informiert werden? Ja, jede Person sollte seine nächsten Angehörigen über seine Wünsche informieren – auch wenn er eine Spenderkarte ausfüllt. Der Ausweis kann verloren gehen oder unauffindbar sein, dann werden die Angehörigen befragt. Zudem verhindert es, dass die Nächsten während Trauer einen derart schwierigen Entscheid treffen müssen. Vor allem falls sie sich nicht einig sind, kann dies zu Komplikationen führen. Spendekarten können in den meisten Apotheken, Arztpraxen und Spitälern bezogen oder unter Tel. 0800 570 123 / info@swisstransplant.org bestellt werden. Zudem kann die Karte auf www.swisstransplant.org heruntergeladen werden.
Es ist unbestritten, dass die meisten Menschen Organspende eine gute Sache finden, Spender sind in der Schweiz aber die wenigsten. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern hinkt die Schweiz, was die Spendefreudigkeit angeht, hinterher. Allerdings: Wie die Strassenumfrage von 20 Minuten Online zeigt, sind dabei die meisten Leute eigentlich auf der Strasse bereit zum lebensrettenden Organspender zu werden. Jedoch informieren sich die wenigsten aktiv zum Thema und noch weniger füllen eine Spenderkarte aus. Die Begründungen wiederholen sich: «Bin noch nicht dazu gekommen», «Hab es wieder vergessen» und vor allem «Wusste nicht genau, wie ich zu einer Spenderkarte komme».
12 000 Spenderkarten in acht Tagen
Diese Erfahrung hat auch die Stiftung Swisstransplant an der diesjährigen Tour de Suisse gemacht: «Die Leute haben sich beklagt, dass sie nicht wüssten, wie man zu einer Spenderkarte kommt», sagt Direktor Franz Immer. Den Beweis liefert die Nationale Stelle für Transplatationen gleich selbst: Während des achttägigen Rennens verteilte Swisstransplant 12 000 Spenderkarten an potentielle Organspender oder zumindest Leute, die sich entschieden haben ihren Wunsch schriftlich festzuhalten. Auf der Spenderkarte kann tatsächlich nämlich auch angekreuzt werden, dass man seine Organe auch nach dem Tod behalten will.
«In erster Linie geht es darum, dass sich die Leute Gedanken machen und über Organspende sprechen», sagt Karin Wäfler, Verantwortliche Bevölkerungsinformation Transplantation und Organspende. Egal welches Resultat aus der Auseinandersetzung folgt, es soll – geht es nach dem Bund – schriftlich festgehalten werden. Zum ersten Mal wurden deshalb in diesem Jahr direkt Spenderkarten über die Inserate verteilt. Damit soll die Hürde möglichst tief sein, «seinen Willen schriftlich festzuhalten und eine Spenderkarte auszufüllen», wie es heisst.
Auf jeden Fall sollten die Angehörigen informiert werden
Ob man nun Spender werden will oder nicht: Die Spenderkarte ist nur der erste Schritt. Lediglich in 10 Prozent der Organspenden liegt letztlich nämlich die Karte vor. «Im Gros der Fälle müssen die Angehörigen die Entscheidung im Sinne des Betroffenen treffen», sagt Swisstransplant-Direktor Franz Immer. Deswegen sei es nicht nur wichtig seinen Wunsch schriftlich festzuhalten, sondern vor allem auch seine Angehörigen darüber zu informieren, ob man spenden will oder nicht.
Der Schritt zum Entscheid für die Organspende hängt oft mit der Angst zusammen, seine Organe vor dem Tod zu verlieren, wie einige Personen in der Strassenumfrage sagten. «Irgendwie bleibt dieses mulmige Gefühl», beschrieb eine Frau die Hemmung. Tatsächlich ist diese Befürchtung auf die mangelhafte Information zurückzuführen. Gemäss dem Transplantationsgesetz gibt es eine ganz klare Vorgabe, wann eine Person als tot gilt. «Der Mensch ist tot, wenn die Funktion seines Hirns einschliesslich des Hirnstamms endgültig ausgefallen ist», heisst es dazu. Der sogenannte Hirntod muss durch zwei unabhängige Ärzte im Abstand von sechs Stunden festgestellt werden, bevor die Organe entnommen werden dürfen.
Empfänger wird man achtmal wahrscheinlicher als Spender
Ein Irrtum ist auch die Vorstellung, dass eine schwer verunfallte Person zum Organspender werden kann. «Als Spender kommen nur Personen infrage, die auf der Intensivstation liegen und beatmet werden müssen», sagt Swisstransplant-Direktor Franz Immer. Die Wahrscheinlichkeit selbst auf ein Organ angewiesen zu sein, ist deshalb achtmal höher als selbst zum Organspender zu werden. «Vielen Leuten ist das aber nicht bewusst», sagt Immer. Genau so wie viele ältere Personen das Gefühl haben, nicht mehr Organspender werden zu können, wie Immer erklärt. «Für eine Organentnahme ist man nie zu alt.»
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Alle 219 Kommentare





























Zwiegespalten?
Ich habe mich persönlich dafür entschieden, meinen Körper nach dem physischen Tod in Würde verrotten zu lassen. Wenn jedoch jemand aus meiner näheren Umgebung ein Organ benötigt, welches ich ohne meinen Tod weiterreichen könnte (Niere...), würde ich das machen. Meine Gründe dagegen sind vielfältig.beginnend bei einer alternativen Ansicht was 'Tot'(und Tod) bedeutet und endend bei verweigertem Mitspracherecht zu Lebzeiten.
Und die Milliardengwinne der Phamaindus
Uns die Organe wegnehmen, während die Pharmaindustrie Milliardengewinne macht? Die könnten wenn sie wollten, aber für ein nachgezüchtetes Organ kann man keine Medikamente mehr verkaufen.
Nein können sie nicht
Sie könnten aber dürfen nicht, das züchten von künstlichen Organen / tissue enginering (therapeutisches klonen wie es Gegner nennen) und die Forschund in diese Richtung wurde vom Schweizer Volk per Abstimmung untersagt
Alle jammern wegen....
....der hohen Kk-Prämienkosten, aber wenn ich mich entscheide,KEINE Organe zur Verfügung zu stellen, ist das unsozial?? Ich finde es ziemlich bedenklich, dass man ständig versucht, Leben zu erhalten, anstatt für ein würdevolles Sterben zu sorgen. ALLES hat ein Ablaufdatum, nur der Mensch soll um jeden Preis am Leben gehalten werden! DAS ist unsozial.....