Organspende

07. September 2010 17:47; Akt: 08.09.2010 17:47 Print

«Ich würde ja spenden, aber...»«Ich würde ja spenden, aber...»

von Amir Mustedanagic - Organspende ist eine gute Sache - finden viele. Trotzdem sind Eigentümer eines Spendeausweises rar. Meist ist das aber keine bewusste Entscheidung.

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Es ist ein emotionales, ein ethisches und vor allem ein heikles Thema: Organspende. Mit ganzseitigen Inseraten versucht das Bundesamt für Gesundheit seit vergangener Woche die Schweizer wieder für das Thema zu sensibilisieren. Zwar steigt die Zahl der Spender seit 2007 an, noch immer sterben aber in der Schweiz Menschen aufgrund von fehlenden Ersatzorganen. Alleine im ersten Halbjahr 2010 waren es 27 Menschen, die nicht rechtzeitig ein Herz, eine Lunge oder sonst ein lebenswichtiges Organ erhielten. Die Zahl wird im zweiten Halbjahr aber ansteigen, wie es bei Swisstransplant heisst. Während aktuell 1050 Menschen auf ein Ersatzorgan warten, sind in den vergangenen zwei Monaten nur 12 Organspender gestorben.

Umfrage
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Es ist unbestritten, dass die meisten Menschen Organspende eine gute Sache finden, Spender sind in der Schweiz aber die wenigsten. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern hinkt die Schweiz, was die Spendefreudigkeit angeht, hinterher. Allerdings: Wie die Strassenumfrage von 20 Minuten Online zeigt, sind dabei die meisten Leute eigentlich auf der Strasse bereit zum lebensrettenden Organspender zu werden. Jedoch informieren sich die wenigsten aktiv zum Thema und noch weniger füllen eine Spenderkarte aus. Die Begründungen wiederholen sich: «Bin noch nicht dazu gekommen», «Hab es wieder vergessen» und vor allem «Wusste nicht genau, wie ich zu einer Spenderkarte komme».

12 000 Spenderkarten in acht Tagen

Diese Erfahrung hat auch die Stiftung Swisstransplant an der diesjährigen Tour de Suisse gemacht: «Die Leute haben sich beklagt, dass sie nicht wüssten, wie man zu einer Spenderkarte kommt», sagt Direktor Franz Immer. Den Beweis liefert die Nationale Stelle für Transplatationen gleich selbst: Während des achttägigen Rennens verteilte Swisstransplant 12 000 Spenderkarten an potentielle Organspender oder zumindest Leute, die sich entschieden haben ihren Wunsch schriftlich festzuhalten. Auf der Spenderkarte kann tatsächlich nämlich auch angekreuzt werden, dass man seine Organe auch nach dem Tod behalten will.

«In erster Linie geht es darum, dass sich die Leute Gedanken machen und über Organspende sprechen», sagt Karin Wäfler, Verantwortliche Bevölkerungsinformation Transplantation und Organspende. Egal welches Resultat aus der Auseinandersetzung folgt, es soll – geht es nach dem Bund – schriftlich festgehalten werden. Zum ersten Mal wurden deshalb in diesem Jahr direkt Spenderkarten über die Inserate verteilt. Damit soll die Hürde möglichst tief sein, «seinen Willen schriftlich festzuhalten und eine Spenderkarte auszufüllen», wie es heisst.

Auf jeden Fall sollten die Angehörigen informiert werden

Ob man nun Spender werden will oder nicht: Die Spenderkarte ist nur der erste Schritt. Lediglich in 10 Prozent der Organspenden liegt letztlich nämlich die Karte vor. «Im Gros der Fälle müssen die Angehörigen die Entscheidung im Sinne des Betroffenen treffen», sagt Swisstransplant-Direktor Franz Immer. Deswegen sei es nicht nur wichtig seinen Wunsch schriftlich festzuhalten, sondern vor allem auch seine Angehörigen darüber zu informieren, ob man spenden will oder nicht.

Der Schritt zum Entscheid für die Organspende hängt oft mit der Angst zusammen, seine Organe vor dem Tod zu verlieren, wie einige Personen in der Strassenumfrage sagten. «Irgendwie bleibt dieses mulmige Gefühl», beschrieb eine Frau die Hemmung. Tatsächlich ist diese Befürchtung auf die mangelhafte Information zurückzuführen. Gemäss dem Transplantationsgesetz gibt es eine ganz klare Vorgabe, wann eine Person als tot gilt. «Der Mensch ist tot, wenn die Funktion seines Hirns einschliesslich des Hirnstamms endgültig ausgefallen ist», heisst es dazu. Der sogenannte Hirntod muss durch zwei unabhängige Ärzte im Abstand von sechs Stunden festgestellt werden, bevor die Organe entnommen werden dürfen.

Empfänger wird man achtmal wahrscheinlicher als Spender

Ein Irrtum ist auch die Vorstellung, dass eine schwer verunfallte Person zum Organspender werden kann. «Als Spender kommen nur Personen infrage, die auf der Intensivstation liegen und beatmet werden müssen», sagt Swisstransplant-Direktor Franz Immer. Die Wahrscheinlichkeit selbst auf ein Organ angewiesen zu sein, ist deshalb achtmal höher als selbst zum Organspender zu werden. «Vielen Leuten ist das aber nicht bewusst», sagt Immer. Genau so wie viele ältere Personen das Gefühl haben, nicht mehr Organspender werden zu können, wie Immer erklärt. «Für eine Organentnahme ist man nie zu alt.»

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  • Hariobo Aeschlimann am 15.09.2010 13:26 Report Diesen Beitrag melden

    Zwiegespalten?

    Ich habe mich persönlich dafür entschieden, meinen Körper nach dem physischen Tod in Würde verrotten zu lassen. Wenn jedoch jemand aus meiner näheren Umgebung ein Organ benötigt, welches ich ohne meinen Tod weiterreichen könnte (Niere...), würde ich das machen. Meine Gründe dagegen sind vielfältig.beginnend bei einer alternativen Ansicht was 'Tot'(und Tod) bedeutet und endend bei verweigertem Mitspracherecht zu Lebzeiten.

  • Philip S am 11.09.2010 15:50 Report Diesen Beitrag melden

    Und die Milliardengwinne der Phamaindus

    Uns die Organe wegnehmen, während die Pharmaindustrie Milliardengewinne macht? Die könnten wenn sie wollten, aber für ein nachgezüchtetes Organ kann man keine Medikamente mehr verkaufen.

    • Terra Core am 14.09.2010 11:59 Report Diesen Beitrag melden

      Nein können sie nicht

      Sie könnten aber dürfen nicht, das züchten von künstlichen Organen / tissue enginering (therapeutisches klonen wie es Gegner nennen) und die Forschund in diese Richtung wurde vom Schweizer Volk per Abstimmung untersagt

    einklappen einklappen
  • Ben Schwerde am 11.09.2010 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    Alle jammern wegen....

    ....der hohen Kk-Prämienkosten, aber wenn ich mich entscheide,KEINE Organe zur Verfügung zu stellen, ist das unsozial?? Ich finde es ziemlich bedenklich, dass man ständig versucht, Leben zu erhalten, anstatt für ein würdevolles Sterben zu sorgen. ALLES hat ein Ablaufdatum, nur der Mensch soll um jeden Preis am Leben gehalten werden! DAS ist unsozial.....