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Kampf gegen Steuerflucht
21. Oktober 2008 13:23; Akt: 21.10.2008 22:32 Print
Deutschland will Schweiz auf Schwarzer Liste
Die OECD will die weltweite Finanzkrise nutzen, um Steuerparadiese auszutrocknen. Dabei gerät auch die Schweiz ins Kreuzfeuer. Der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück forderte, die Schweiz auf die Schwarze Liste zu setzen.
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Steueroasen
«Wir müssen nicht nur das Zuckerbrot benutzen, sondern auch die Peitsche», sagte Finanzminister Steinbrück nach einem Ministertreffen von 17 Mitgliedstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Dienstag in Paris.
Peer Steinbrück klagt die Schweiz und ihr Bankgeheimnis an.(Bild: Reuters)
Steuerkonflikte: Chronologie
Juni 2000: Die OECD setzt die Schweiz auf eine Liste mit 47 Ländern mit «potentiell schädlichem Gebahren» in Steuerfragen.
Anfang 2004: Der Steuerstreit mit der OECD wird nach Zugeständnissen der Schweiz – unter anderem bei der Besteuerung von Holdinggesellschaften – beigelegt. Helvetia wird von der Liste gestrichen.
2001-2005: Bei den Verhandlungen mit der EU über die Bilateralen Verträge II kommt es in der Frage der Zinsbesteuerung zu Spannungen. Mit dem Abschluss der Verträge kann dieser Streit beigelegt werden.
Seit 2005: Streit zwischen der Schweiz und der EU über kantonale Steuerprivilegien für Unternehmen. Die Schweiz weist ab 2006 wiederholt EU-Vorwürfe zurück, diese würden gegen das Freihandelsabkom- men von 1972 verstossen.
Mai 2007: Die EU-Kommission erhält ein Verhandlungsmandat über den Steuerstreit mit der Schweiz. Der Bundesrat zeigt sich aber nur zu einem Dialog bereit. Die EU akzeptiert diese Position.
Frühjahr 2008: Die Schweiz gerät in den Strudel des deutsch-liechtensteinischen Steuerstreits. Deutsche Politiker verschärfen ihre Drohungen gegenüber Steueroasen «wie der Schweiz».
Bis zum Sommer 2009 wolle die OECD eine neue Schwarze Liste der Steuerparadiese veröffentlichen. In neun Monaten soll es in Berlin eine Konferenz über den Kampf gegen Steuerparadiese geben. Auch ohne internationale Einigung werde er in Deutschland aktiv werden, kündigte Steinbrück an.
Gesellschaftliches Problem
Steinbrück bedauerte, dass die Schweiz, Österreich und Luxemburg zu den Steueroasen zählen. Die Schweiz liefere nicht die Informationen, um Steuerflucht nachzuweisen, sagte er. «Das ist das Problem.»
Steuerflucht sei aber nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein gesellschaftliches Problem. «Wenn wir nicht aufpassen, verliert unser Gesellschafts- und Wirtschaftssystem Legitimation. Die Menschen verweigern ihre Zustimmung», meinte der deutsche Minister.
OECD-Chef Angel Gurrìa erklärte, der Kampf gegen Steuerparadiese und für Transparenz sei nun absolut wichtig. Mit der Schwarzen Liste soll der Druck auf Steueroasen erhöht werden, sich internationalen Standards für Finanzgeschäfte und einer stärkeren Kontrolle zu unterwerfen.
Laut OECD gibt es 38 Länder mit einem stark ausgeprägten Bankgeheimnis und niedrigen oder gar keinen Steuern. Aber nur drei stehen bisher auf der Schwarzen Liste der Organisation, weil sie jegliche Information über ihren Finanzsektor verweigern: Andorra, Liechtenstein und Monaco.
Bis zum Sommer 2009 wolle die OECD eine neue Schwarze Liste der Steuerparadiese veröffentlichen. In neun Monaten soll es in Berlin eine Konferenz über den Kampf gegen Steuerparadiese geben.
Schweiz wehrt sich gegen Vorwürfe
Die Schweiz war zum Treffen eingeladen – lehnte aber ab. «Bei Steuerfragen ist für die Schweiz die gesamte 30 Länder umfassende OECD das massgebende Gremium», begründet Beat Furrer, Sprecher der Steuerverwaltung, die Abwesenheit. Die Vorwürfe seien ungerecht, sagten Vertreter der CVP, FDP und SVP. Die hiesige Steuerpraxis stelle die Schweiz in ein schlechtes Licht, kommentierte die SP.
(sda)

























