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05. Dezember 2007 12:04; Akt: 05.12.2007 13:18 Print
Kampf ums Altpapier ist voll entbrannt
Seit heute ist eine weitere Gratiszeitung auf dem Schweizer Markt. Doch wer glaubt, dass die zunehmende Menge von Altpapier ein Problem darstellt, irrt: Denn 20 Minuten & Co. sind inzwischen auch in Asien heiss begehrt.
Gratiszeitungen überfluten den Markt. Vier waren es bisher, heute ist noch eine fünfte dazu gekommen. Dann sind da noch die Coop- und die Migroszeitung, die diversen Werbebroschüren, Heftchen und Fachzeitschriften. Ganz zu schweigen von den abonnierten Tages- und Regionalzeitungen oder den Amtsblättern, die regelmässig geliefert werden. Kein Wunder, kann man mit den Altpapierbündeln, die an den Sammeltagen vor den Häusern stehen, mittlerweile kleine Burgen bauen.
Sammelmenge um 10 Prozent gestiegen
Heiss begehrte Ware: Schweizer Altpapier.(Bild: Keystone/Martin Ruetschi)
Die SBB ist für die nächste Welle von wild entsorgten Gratisblättern längst gewappnet. «Wir haben bereits vor Jahren sukzessive alle S-Bahnen mit speziellen Altpapier-Sammelbehältern ausgerüstet», erklärt SBB-Mediensprecherin Michèle Bamert auf Anfrage. Die Wagen werden zudem an den Endbahnhöfen und Wendestellen gereinigt. Mitarbeiter von RailClean sind sporadisch – vor allem während den Stosszeiten - in den Zügen unterwegs und entfernen die liegen gebliebenen Zeitungen laufend. Auch bei den Verkehrsbetrieben Zürich VBZ sieht man der Sache gelassen entgegen. «Wir haben ein Clean-Team, das die Trams regelmässig reinigt», so VBZ-Pressesprecher Andreas Uhl. «Ich glaube nicht, dass die Passagiere mehr als zwei Zeitungen pro Fahrt lesen werden. Daher fällt die neu lancierte Zeitung für unsere Reinigungsarbeiten nicht weiter ins Gewicht.»
«Es ist in der Tat so, dass die Sammelmengen in den letzten fünf Jahren gestiegen sind und zwar um 10 Prozent», bestätigt Martin Häberli vom Verband der Schweizerischen Zellstoff-, Papier- und Kartonindustrie ZPK den subjektiven Eindruck. Zwar liegen die Zahlen für das laufende Jahr erst im Frühling 2008 vor. Häberli ist aber überzeugt, dass die Sammelmenge im Zuge der Neulancierungen von Gratiszeitungen erneut steigen wird. «Ich könnte mir vorstellen, dass es angesichts des «Krieges» bei den Gratiszeitungen vorerst eine Zunahme des Altpapiers geben wird, die erst später abflacht, wenn der eine oder andere Titel wieder vom Markt verschwindet. Dass es für den kleinen Markt Schweiz zu viele Gratiszeitungen sind, wissen auch die Verleger.»
Export nach Asien
Trotz steigender Sammelmengen und gleichzeitig rückläufiger inländischer Verwertung des Altpapiers gäbe es aber laut Angaben von Häberli keine Kapazitätsprobleme. Auch die Vorstellung, dass irgendwo Berge von Altpapier ungenutzt vor sich hin rotten, sei nichts anderes als eine urbane Legende. «Auch wenn es viel ist, findet sich immer ein Verwerter für das Altpapier, sei es im Inland oder im Ausland.» Im gesamteuropäischen Vergleich sei das Altpapier in der Schweiz sogar eher knapp, «weil im Moment viel nach Asien geht, wo die Papierindustrie boomt.»
Kampf um Altpapier
Angesichts steigender Altpapierpreise in ganz Europa ist ein regelrechter Kampf um jene Gebiete, wo besonders viel Altpapier anfällt, entbrannt. «Wie immer, wenn der Konkurrenzkampf heftiger wird, sinken die Margen. Daher ist es derzeit in der Tat so, dass weder die Entsorger noch die Papierindustrie besonders profitieren», erklärt Häberli. «Die hohen Rohstoffkosten sind eher ein Problem und müssten auf die Verkaufspreise überwälzt werden, was nur teilweise gelingt. Wirklich profitieren können im Moment die Gemeinden, wenn sie sich auf kurzfristige Verträge einlassen. Aber das ist angesichts eines volatilen Altpapiermarktes auch immer ein Risiko.»
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Für die Altpapiersammlung aus Haushaltungen und Kleingewerbe sind die Gemeinden verantwortlich. In gut organisierten Städten und Gemeinden kann die Sammlung kostendeckend durchgeführt werden. Zwischen Städte- und Gemeindeverband und der Altpapierbranche gibt es einen Rahmenvertrag, der die Finanzierung der Altpapiersammlung regelt. Um Kosten zu sparen, organisieren kleinere Gemeinden die Altpapiersammlung vermehrt in regionalen Zweckverbänden. In Ballungszentren ist es denkbar, dass Sammelrouten aufgrund der Zunahme von Tageszeitungen ausgedehnt werden müssen. Probleme bereiten den Städten und Gemeinden aber vor allem die Zeitungen, welche unterwegs liegengelassen werden und somit zum Littering beitragen. |
Tina Fassbind, 20minuten.ch

























