Bundesratswahl

27. November 2008 23:06; Akt: 27.11.2008 23:19 Print

Maurer: Von der Lachnummer zum StaatsmannMaurer: Von der Lachnummer zum Staatsmann

Er habe lange gezögert, sich zur Wahl zu stellen, sagt Ueli Maurer. Freimütig bekundet er, dass er sich nur als zweitbeste Lösung sieht.

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Die «Rätpäck»-Szene ist bereits Kult: Im Jahr 2005 ging Ueli Maurer der SF-Comedy-Sendung auf den Leim und tanzte wie ein Teletubby mit Riesen-Kuscheltieren. Auch für Satiriker Viktor Giacobbo war der 58-jährige SVP-Mann ein gefundenes Fressen: Er parodierte ihn gerne als tolpatschiges Blocher-Anhängsel. Nichtsdestotrotz schaffte es der sechsfache Vater immer wieder, sich mit Scharfmacher-Sprüchen Gehör zu verschaffen. Ein Beispiel dafür ist Maurers Satz: «Solange ich ‹Neger› sage, bleibt die Kamera bei mir.» Die ehemaligen SVP-Mitglieder Samuel Schmid und Eveline Widmer-Schlumpf bezeichnete der Zürcher als Blinddärme, die man entfernen müsse.

Maurers Politkarriere begann 1978 im Gemeinderat von Hinwil. 1983 schaffte er die Wahl in den Zürcher Kantonsrat, den er 1990/91 präsidierte. 1991 scheiterte er mit seiner Kandidatur für den Regierungsrat, wurde dafür aber in den Nationalrat gewählt. Von 1996 bis März 2008 präsidierte er die SVP Schweiz. Im Militär brachte es Maurer zum Major.

Ueli Maurer: «Ich mache das nicht besonders gerne»
Am Donnerstag ist der Entscheid gefallen: Für die Ersatzwahl von Bundesrat Samuel Schmid am 10. Dezember schlägt die SVP-Fraktion der vereinigten Bundesversammlung die Kandidaten Christoph BlocherDas ParlamentChristoph Blocher
SVP, ZH
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und Ueli Maurer vor.

Maurers Chancen stehen gut: Linke, CVP und viele Freisinnige sind nicht bereit, Christoph Blocher zu wählen. Maurer wiederum gilt zwar als linientreuer Zürcher Hard­liner. Er wird jedoch auch für seine Kompromissfähigkeit geschätzt und kann sachlich politisieren, ohne die eigene Person in den Vordergrund zu stellen.

Viel Freude hat Schmids voraussichtlicher Nachfolger nicht gezeigt: Für ihn sei das Amt eine Bürde: «Ich mache das nicht besonders gerne.» Er betrachte dies als Pflicht und habe lange damit gezögert, sich zur Verfügung zu stellen. Nach wie vor betont er, dass Blocher die beste Wahl wäre: «Ich bin nicht im gleichen Ausmass befähigt wie er», sagt der erfolgreiche Ex-Partei­präsident Maurer ganz demütig. Reizt ihn auch etwas am Job des VBS-Chef? «Ich mag Herausforderungen und ich liebe dieses Land.» Dass er mit Eveline Widmer-Schlumpf zusammenarbeiten könnte, steht für ihn ausser Zweifel.

Durchgesetzt hat sich Maurer im zweiten Wahlgang mit 44 Stimmen gegen Adrian AmstutzDas ParlamentAdrian Amstutz
SVP, BE
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(16 Stimmen). Schliesslich wurde der Zürcher einstimmig gewählt. Intern wird der Entscheid uni­s­ono begrüsst: Gegen Maurer, heisst es in der Fraktion, könne jeder erhobenen Hauptes verlieren.

(raf)