Ded Gecaj

06. September 2010 14:00; Akt: 06.09.2010 14:02 Print

Die Chronologie des St. Galler LehrermordsDie Chronologie des St. Galler Lehrermords

Der St. Galler Lehrermord beschäftigt die Justiz in der Schweiz und in Kosovo seit mehr als elf Jahren. Die Chronologie.

Bildstrecke im Grossformat »
Am 11. Januar 1999 erschiesst Ded Gecaj im St. Galler Schulhaus Engelwies Paul Spirig, den Lehrer seiner Tochter. Diese hatte Spirig anvertraut, dass sie von ihrem Vater misshandelt wurde. Nach der Tat flüchtet Gecaj in seine Heimat Kosovo. An einer Medienkonferenz spricht Schulleiter Andreas Prinzing (links) am Tag der Ermordung Spirigs in St. Gallen. Der ermordete Paul Spirig hinterliess seine schwangere Frau und zwei Kinder. Bereits im Dezember hatte Gecaj Morddrohungen ausgestossen, nach denen Spirigs Familie im Appenzellerland untergebracht wurde. In St. Gallen hat die Tat Konsequenzen: Die Schulsozialarbeit wird verstärkt. Schüler und Lehrer des Schulhauses Engelwies haben einen Abschiedstisch eingerichtet, um zu trauern. Aufnahme vom 13. Januar 1999. Eine Woche nach seiner Ermordung findet in der katholischen Kirche Bruggen in St. Gallen die Trauerfeier für Paul Spirig statt. Rund 1500 Personen nahmen an der Trauerfeier teil, ein Meer von roten Rosen und weissen Lilien bedecken die Stufen vor dem Altar. Sechs Wochen nach der Tat wird Ded Gecaj im Kosovo festgenommen, das damals noch unter serbischer Verwaltung stand. Er gestand die Tat und wurde Ende 2000 von einem serbischen Gericht zu vier Jahren Gefängnis verurteilt - wegen Totschlags. Der Richter wertete die Tat offenbar als Ehrenmord. Gecaj wurde aber kurz nach seiner Verurteilung wieder freigelassen. Danach tauchte er unter, vermutlich im Kosovo und Albanien. Die Frau des Mörders, Roze Gecaj Paljokai, stand in St. Gallen vor Gericht: Im September 2000 verurteilte sie das St. Galler Kantonsgericht unter anderem wegen Vernachlässigung der Fürsorgepflicht zu zwei Jahren Haft. Nach ihrer Freilassung wurde sie nach Kosovo ausgewiesen. Die St. Galler Staatsanwaltschaft stellt 2005 an die Uno-Behörden in Kosovo ein Begehren um Auslieferung. 2007 wird Gecaj in seinem Haus festgenommen und in Untersuchungshaft gesetzt. Im September 2008 kommt er wieder frei. Am 17. Mai 2010 verhaftet die kosovarische Polizei Gacaj erneut in seinem Heimatdorf Janosh. Gecaj legte zwar Berufung gegen seine Auslieferung ein. Diese wurde aber abgelehnt. Am 2. September 2010 liefert Kosovo schliesslich Gecaj an die Schweiz aus. In Begleitung von St. Galler Kantonspolizisten wird er nach Altenrhein geflogen. Die Aufnahme zeigt Gecaj während eines Interviews mit dem albanischen Fernsehen 2009. Am Morgen des 19. November 2010 wird Gecaj tot in seiner Zelle im Regionalgefängnis in St. Gallen aufgefunden. Er hat sich mit mehreren übereinanderliegenden, aus eigenen Kleidern gefertigten Schlingen erhängt.

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

11. Januar 1999: Ded Gecaj erschiesst im Realschulhaus Engelwies in St. Gallen den Lehrer seiner Tochter, Paul Spirig. Gecaj flüchtet in seine Heimat Kosovo.

26. Februar 1999: Gecaj wird in Kosovo festgenommen. In der Folge gesteht er gegenüber einem Untersuchungsrichter das Tötungsdelikt. Den Vorwurf, er habe seine Tochter missbraucht, streitet er ab.

14. Dezember 1999: Das Bezirksgericht St. Gallen verurteilt Gecajs Ehefrau zu einer Gefängnisstrafe von zweieinhalb Jahren. Die Richter erachteten die Frau als mitschuldig an jahrelangen Misshandlungen der Tochter durch Ded Gecaj. Das Kantonsgericht reduziert die Strafe später auf zwei Jahre.

September 2000: Gecajs Ehefrau wird nach der Verbüssung der Strafe nach Kosovo ausgeschafft.

7. Dezember 2000: Ein Gericht in Kosovo verurteilt Gecaj wegen Totschlags am St. Galler Lehrer zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren. Gecaj verbüsst die Hälfte der Strafe; nach etwa zwei Jahren wird er entlassen.

2001: Gecajs Tochter wird im Kanton St. Gallen eingebürgert. Sie erhält eine neue Identität und lebt an einem unbekannten Ort.

2005: Die St. Galler Staatsanwaltschaft beantragt die Auslieferung Ded Gecajs aus Kosovo. Sie will den Lehrermörder noch immer in St. Gallen vor Gericht bringen. Sie wirft Gecaj Mord, aber auch sexuellen Missbrauch seiner Tochter vor.

13. August 2007: Gecaj wird in seinem Haus in Kosovo festgenommen und in Auslieferungshaft gesetzt.

März 2008: Das Oberste Gericht Kosovos (damals unter Uno-Mandat) lehnt eine Auslieferung ab. Gecaj wird auf freien Fuss gesetzt.

April 2009: Das Oberste Gericht Kosovos fällt einen neuen Entscheid: Ded Gecaj soll jetzt doch an die Schweiz ausgeliefert werden.

17. Mai 2010: Ded Gecaj wird in Kosovo festgenommen und erneut in Auslieferungshaft gesetzt.

11. Juni 2010: Die Schweizer Behörden bekräftigen gegenüber Kosovo formell das Auslieferungsgesuch für Ded Gecaj.

30. August 2010: Das Justizministerium in Kosovo gibt grünes Licht für Gecajs Auslieferung.

2. September 2010: Ded Gecaj (52) wird in Begleitung von Beamten der St. Galler Kantonspolizei in die Schweiz überführt.

(sda)