Sommaruga-Interview

25. Januar 2012 15:33; Akt: 25.01.2012 15:53 Print

«Wir brauchen Migration, aber...»«Wir brauchen Migration, aber...»

Tunesien-Flüchtlinge, überfüllte Asylheime, Misstrauen in der Bevölkerung. Justizministerin Simonetta Sommaruga warnt in einem Zeitungsinterview vor einer unsachlichen Migrationsdebatte.

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Simonetta Sommaruga warnt vor einer unschweizerischen Unversöhnlichkeit in der Migrationsdebatte. (Bild: Keystone)

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Justizministerin Simonetta Sommaruga fordert ein Ende der klassischen politischen Aufgabenteilung in der Migrationsdebatte. Die Linke soll ihrer Meinung nach die Schwierigkeiten der Migration anerkennen und die Rechte deren Notwendigkeit.

«Ein Land das nicht fähig ist, über Migration sachlich zu sprechen, droht die wahren Probleme aus den Augen zu verlieren», sagt die Justizministerin im Interview mit der deutschen «Die Zeit» vom (morgigen) Donnerstag, das der Nachrichtenagentur SDA als Vorabdruck vorliegt.

«Die Menschen, die sich im Asylprozess befinden, machen zwei Prozent der Ausländer in der Schweiz aus. Trotzdem herrscht das Gefühl, 2500 Tunesier könnten das Land destabilisieren.» Sommaruga erinnert daran, dass Kenia täglich 1500 Flüchtlinge aufnimmt. Damit wolle sie nichts beschönigen, «doch ich muss auch immer wieder die Relationen herstellen».

Unschweizerische Unversöhnlichkeit

Beim polarisierenden Thema Migration gebe es eine «eigentliche Unversöhnlichkeit, die selten ist in der Schweiz». Diese widerspreche dem politischen Prozess, der den Konsens «am Ende einer Auseinandersetzung als höchstes Ziel» kenne.

Die jahrelange politische Aufgabenteilung zwischen links und rechts verhindere es, die Fakten zu erkennen: «Wir brauchen Migration. Aber Migration bringt unserem Land auch Probleme. Der Bundesrat muss sich fragen, ob er in den letzten Jahren nicht beschönigt hat.» Den Nutzen des Schengen-Dublin-Abkommens und der Personenfreizügigkeit zu betonen, «war zu einfach».

Statt zu werten, will Sommaruga Transparenz schaffen. Dazu gehörte zu Beginn ihrer Amtszeit der Bericht über das Asylwesen. Dieser habe aufgezeigt, dass die langen Verfahrenszeiten die Glaubwürdigkeit des Systems «kaputt machen». Es gelte, die Fristen deutlich zu verkürzen, sagt sie.

Steuerpolitik lockt Ausländer an

Sie spricht im Interview aber auch die Widersprüchlichkeit der Schweiz an: «In der Landwirtschaft sind mehr als die Hälfte der Angestellten Ausländer, und auch im Pflegebereich arbeiten viele Ausländerinnen und Ausländer.» Aber die politische Polarisierung verhindere, dass diese Widersprüche angeschaut würden.

«Wir machen seit Jahren eine Steuerpolitik, die dazu geführt hat, dass sich viele ausländische Firmen in der Schweiz angesiedelt haben.» Mit diesen kämen Menschen. Unter diesen Hochqualifizierten gebe es zu viele, die kaum Deutsch sprächen und ihre Kinder in internationale Schulen schickten. «Kurz: Sie sind nicht integriert, und das pflegen sie auch noch.»

Wirtschaft in der Verantwortung

Dass der Bundesrat die Kontingente für Arbeitskräfte aus Drittstaaten nicht erhöht habe, sei ein Signal an die Wirtschaft gewesen, «die früher immer gesagt hat: Wir brauchen soundso viele, wir holen soundso viele - und wenn wir sie nicht mehr brauchen, muss der Staat schauen, was er mit ihnen macht».

«Die Wirtschaft hat auch eine gesellschaftspolitische Mitverantwortung und muss sich damit auseinandersetzen, was mit den Leuten passiert, wenn sie in einer Rezession ihren Job verlieren und hier bleiben», fordert Sommaruga. Auch müsse sich die Wirtschaft an den Integrationskosten beteiligen und sich nicht «lediglich bei der Abstimmung über die Personenfreizügigkeit engagieren».

Um die Migrationspolitik umfassender handhaben zu können, will Justizministerin Sommaruga die Aussen- und Wirtschafts- besser mit der Migrationspolitik verknüpfen.

(sda)

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  • Hai max am 26.01.2012 10:56 Report Diesen Beitrag melden

    Unfähig!

    Frau Sommaruga lenkt nur von der Unfähigkeit ab das Asylantenproblem in den Griff zu bekommen! Hier wird unser Volksvermögen verschleudert und verblödet! Hab gehört, dass allgemein der Wille besteht bis 2020 eine Million Ausländer zusätzlich herein zu holen!?

  • Noldi Schwarz am 25.01.2012 17:53 Report Diesen Beitrag melden

    Interview in deutscher Zeitung?

    Weshalb gibt Frau Somaruga ein solches Interview einer deutschen Zeitung? Scheut sie die Fragen von Schweizer Journalisten? Sind die Argumente die sie bringt mit der Realität Schweiz - Kenia vergleichbar? Wohl kaum. Was für Flüchtlinge sind das in Kenia? Was haben wir? Was haben ausländische Arbeitskräfte (Betonung auf Arbeit) mit Asylanten zu tun? Frau Somaruga: Stellen Sie sich der linken und rechten Presse in der Schweiz. Das hätte Stil.

  • Cerberus am 25.01.2012 17:50 Report Diesen Beitrag melden

    Ja und Nein

    Ja, wir brauchen Migration - aber qualitative und qualifizierte, sich integrierende, arbeitende, sich an der Weiterentwicklung der Schweiz engagierende. Nein - wir brauchen keine Wirtschaftsflüchtlinge, die überdurchschnittlich kriminell werden, kein Interessen an der Schweiz haben - ausser an den Sozialwerken und fremden Eigentum.

    • Sebastian Brunner am 26.01.2012 11:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Imigration

      da stimm ich dir 100% zu gefällt mir!

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