13. Juli 2006 10:30; Akt: 13.07.2006 10:47 Print

Jeden Tag erschiesst sich ein SchweizerJeden Tag erschiesst sich ein Schweizer

Im Durchschnitt tötet sich pro Tag ein Mensch mit einer Schusswaffe. Damit sterben mehr Menschen pro Jahr bei Suiziden als bei Autounfällen. Ein Waffenregister könne viel Leid und Gewalt vermeiden, sagen Fachleute.

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Fachstellen der Psychiatrie und Gewaltprävention sowie Menschenrechtsorganisationen fordern ein verschärftes Waffenrecht für die Schweiz. In der Schweiz seien rund zwei Millionen Waffen im Umlauf, Armeewaffen seien in den meisten Haushalten vorhanden. Mit knapp 1.500 Todesfällen pro Jahr sei die Suizidrate zudem hoch.

Wie der Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Hans Kurt, ausführte, sterben mehr Menschen pro Jahr bei Suiziden als bei Autounfällen. «In der Mehrzahl der Fälle entspringt die suizidale Handlung einer krisenhaften Situation und erfolgt ohne lange Überlegung, sondern vielmehr als impulsive Handlung», erklärte er. Bei einer breiten Verfügbarkeit von Waffen steige das Risiko für Suizide und Tötungsdelikte. Armeewaffen spielten insofern eine Rolle, als dass sie in den meisten Haushalten der Schweiz vorhanden seien und beinahe die Hälfte aller Schusswaffensuizide ausmachten.

Wie Liz Isler, Mitglied des Vorstandes vom Forum Gewaltopfer ausführte, ist eine der wichtigsten Präventionsmassnahmen die gesetzliche Regelung der Waffenzugänglichkeit und der Zulassungen. Die Zugänglichkeit müsse deshalb stark eingeschränkt werden. Zudem müsse eine obligatorische Registrierung für alle Waffenbesitzer und der Waffen selbst eingeführt werden. Auch der Zuger Regierungsrat Hanspeter Uster sprach sich für ein zentrales Waffenregister aus. Hätte es in den 90-er Jahren ein zentrales Waffenregister gegeben, wäre die Polizei bereits bei der Erteilung eines Waffenerwerbscheins an den Zuger Attentäter darauf gestossen, welche weiteren Schusswaffen sich bereits in seinem Besitze befunden hätten, erklärte er.

Amnesty International (AI) und der Friedensrat zeigten sich besorgt darüber, dass der Ständerat den Empfehlungen der Menschenrechtsorganisation in keinem Punkt gefolgt ist. Ganz im Gegenteil habe der Rat überall dort, wo dies möglich gewesen sei, die Verschärfungen im neuen Waffengesetz zu verringern versucht, sagte Daniel Bolomey, Generalsekretär der Schweizer AI-Sektion. Dabei habe der Staat doch Sorgfaltspflichten gegenüber seinen Bürgern. AI und der Berner SP-Nationalrat Paul Günter riefen den Nationalrat auf, die Fehler der Kleinen Kammer zu korrigieren. Die zentralen Gesichtspunkte seien der Schutz der Menschenrechte und die Sicherheit der Bevölkerung. Laut der Initiative zur Prävention von Suizid in der Schweiz ist die laufende Revision des Waffengesetzes ein Schritt in die richtige Richtung, aber ungenügend, wenn die Schweiz in der Suizidprävention weiter kommen will. So müsse die Zahl der verfügbaren Waffen mit Einsammelaktionen und der massiven Einschränkung des Waffenerwerbs gesenkt werden. Zudem gehörten Ordonnanzwaffen ins Zeughaus.

(dapd)