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16. Mai 2008 13:06; Akt: 16.05.2008 17:21 Print
Bienengift bleibt weiterhin zugelassen
von Tina Fassbind - Am Oberrhein grassiert ein mysteriöses Bienensterben. In Deutschland wurde nun die Anwendung des Insektizids Clothianidin, das als Auslöser für das Bienensterben gilt, gestoppt. In der Schweiz ist die Chemikalie weiterhin zugelassen.
Für Manfred Hederer, Präsident des Deutschen Berufs- und Erwerbs-Imker-Bunds, ist absolut klar, worin die Ursache des massiven Bienensterbens entlang des Oberrheins liegt. «In allen bisher untersuchten Proben der verendeten Bienen ist der Wirkstoff Clothianidin, ein für Bienen und andere Insekten bereits in geringsten Mengen tödliches Nervengift, gefunden worden», sagt er in einem Bericht von net-tribune.de. Einen Zusammenhang zwischen dem Insektizid und dem Bienensterben zu verneinen sei, «als ob man einer Leiche mit einem Messerstich ins Herz den Tod durch einen Magen-Darm-Virus bescheinigt.»
Mysteriöses Bienensterben am Oberrhein: Ist Insektizid schuld?(Bild: Keystone/Muhammed Muheisen)
Das Insektengift Clothianidin wird gemäss EU-Verordnung von Landwirten verwendet, um Maispflanzen vor einem bekannten Schädling, dem westlichen Maiswurzelbohrer, zu schützen. Es erhielt nach Angaben des BVL im September 2004 die Zulassung in Deutschland. «Chemiekonzerne dürfen das Mittel ab sofort nicht mehr verkaufen, und Saatgutunternehmen dürfen keine Maissamen mehr damit behandeln», sagte Rolf Forster, Referent für Pflanzenschutzmittelanwendung und -kennzeichnung beim BVL, der AP. Lediglich die behandelten Maissamen, die bereits bei den Bauern sind, dürften noch gesät werden. Die Landwirte sollen dabei allerdings nur noch Maschinen verwenden, bei denen die Abluft direkt in den Boden geleitet wird. Die Untersuchungen zum Zusammenhang der Bienenschäden mit Pflanzenschutzmitteln haben dem Bundesamt zufolge ein bisher unbekanntes Problem bei mit Luftdruck arbeitenden Sämaschinen aufgezeigt. Demnach können Bienen den Insektengiften stärker ausgesetzt sein, als bisher angenommen wurde. Neben dem Mittel Poncho ordnete das BVL auch das Verbot der Saatgutbehandlungsmittel Antarc, Chinook, Cruiser 350 FS, Cruiser OSR, Elado, Faibel und Mesurol flüssig an. Mit der Anordnung sei neben dem Verkauf und der Anwendung auch die Einfuhr der Mittel bis auf weiteres ausgeschlossen.
Das ist allerdings nicht der einzige Anhaltspunkt für Hederers These: Das Bienensterben begann zur gleichen Zeit, in der die Mais-Bauern in der Region ihre Saat ausbrachten. Die Landwirte der Region verwenden zur Insekten-Bekämpfung den Wirkstoff Clothianidin.
Bundesamt stoppt Bienengift
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat am Freitag den Verkauf und die Anwendung des Insektengiftes gestoppt (s. Info-Box). Die Berliner Behörde gab bekannt, sie habe das sofortige Ruhen der Zulassungen von insgesamt acht Saatgut-Behandlungsmitteln angeordnet, darunter das von Bayer CropScience hergestellte Mittel «Poncho» mit dem Wirkstoff Clothianidin.
Umstrittenes Insektizid seit zwei Jahren zugelassen
Auch in der Schweiz ist Clothianidin als Produkt zum Schutz des Saatguts zugelassen. «Im Rahmen eines Bewilligungsverfahrens haben wir vor rund zwei Jahren Clothianidin auf seine Umweltverträglichkeit hin geprüft. Dabei wird jeweils auch getestet, ob die Chemikalie ein Risiko für die Bienenvölker darstellt. Wir sind zum Schluss gekommen, dass keine Gefahr besteht. Sonst hätten wir das Produkt nicht zugelassen», erklärt Olivier Félix, Leiter Abteilung Produktionsmittel beim Bundesamt für Landwirtschaft (BLW).
Auf die Anfrage von 20 Minuten Online, ob das Insektizid unter den gegebenen Umständen nun auch in der Schweiz verboten werde, wollte Félix keine Stellung nehmen. «Wir müssen die Situation nun neu überprüfen und genauere Abklärungen treffen, warum die Chemikalien verboten werden. Wenn sich neue Aspekte um die Problematik ergeben sollten, dann werden wir diese bei unserer Entscheidung berücksichtigen.»
Weniger als 5 Prozent mit Insektizid behandelt
Clothianidin wird hauptsächlich im Mais-Saatgut verwendet. In der Schweiz wird Mais mehrheitlich im Mittelland angebaut. Es wird jedoch weniger als 5 Prozent des Mais-Saatguts mit Insektiziden behandelt. Gegenwärtig sei es schwierig abzuschätzen, ob ein Verbot von Clothianidin in der Schweiz ausgesprochen werden müsse, so Félix.
Bisher konnten in der Schweiz keine Probleme im Zusammenhang mit Insektiziden beim Maisanbau festgestellt werden. Das BLW wird die Situation gemäss Olivier Félix weiter beobachten: «Wir sind in Kontakt mit den Fachleuten der Schweizer Forschungsanstalt Agroscope und mit den deutschen Behörden. Wir verfolgen die Entwicklung in Deutschland mit grossem Interesse.»

























