17. März 2008 18:36; Akt: 17.03.2008 23:14 Print

USA kritisieren Schweizer Gas-DealUSA kritisieren Schweizer Gas-Deal

Im Beisein von Bundesrätin Calmy-Rey hat ein Schweizer Unternehmen einen Gas-Liefervertrag mit dem Iran abgeschlossen. Sehr zum Missfallen der USA, die den Deal untersuchen wollen.

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Bundesrätin Calmy-Rey und der iranische Präsident Ahmadinedschad am 17. März in Teheran. (Bild: Keystone/AP)

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Es geht um die Lieferung von jährlich 5,5 Milliarden Kubikmetern Gas an die Elektrizitätsgesellschaft Laufenburg (EGL) ab 2011. Das Erdgas aus dem Iran soll zusammen mit Erdgas aus Aserbaidschan eine Gaspipeline von Griechenland über Albanien nach Italien speisen.

Damit wird ein vierter Gasversorgungskorridor nach Westeuropa erschlossen (siehe Info-Box). Der Vertrag sei von grossem strategischem Interesse für die Schweizer Energie-Aussenpolitik, sagte Calmy-Rey. Der Vertragsunterzeichnung wohnte auch der iranische Aussenminister Manouchehr Mottaki bei.

Möglicher Verstoss gegen US-Sanktionen

Am Montagabend kritisierten die USA den Abschluss scharf. Die US-Botschaft in Bern erklärte, dieser verstosse gegen den Geist der Sanktionen gegen den Iran wegen des Atomstreits. Die USA seien enttäuscht: Die Schweiz sende «das falsche Signal» an den Iran.

Die USA wollten nun überprüfen, ob der Vertrag nicht gegen US-Sanktionen verstosse. In dem US-Sanktionsgesetz verbieten die USA Investitionen von über 20 Mio. Dollar in den iranischen Öl- und Gassektor.

Unternehmen, die dagegen verstossen kommen auf eine schwarze Liste. Steigen die Unternehmen nicht aus dem Geschäft aus, kann der US-Präsident Sanktionen gegen sie verhängen, und US-Unternehmen dürfen mit diesen Firmen nicht mehr zusammenarbeiten.

«Schweiz investiert keinen Franken»

Damit widersprechen die USA Calmy-Rey. Diese hatte am Montag erneut betont, der Gas-Vertrag verstosse weder gegen die UNO-Sanktionen noch gegen die schärferen US-Richtlinien. Die USA seien über den Vertrag informiert worden, hatte sie bereits am Sonntagabend erklärt.

Eine Vertreterin der EGL reagierte gelassen auf die Kritik der Amerikaner. Das Unternehmen investiere im Iran keinen Franken; es sei nur ein Kaufvertrag für Gas, sagte EGL-Sprecherin Lilly Frei. Calmy-Rey, die derzeit auf der Rückreise in die Schweiz ist, konnte nicht für eine Stellungnahme erreicht werden.

Atomstreit: Für diplomatische Lösung

Der Atomstreit war auch Thema der Gespräche Calmy-Reys mit der iranischen Regierung. Calmy-Rey betonte an einer gemeinsamen Medienkonferenz mit Mottaki, die Schweiz trete für eine diplomatische Lösung ein. An Teheran appellierte sie, mit der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEA) zu kooperieren.

Kurz vor ihrem Abflug sagte die Bundesrätin, die Schweiz wolle weiter die Rolle eines Türöffners spielen.

Mottaki: Nützlicher Austausch

Die Schweizer Diplomatie versucht seit längerem, den Iran, die USA sowie andere westliche Staaten ohne Gesichtsverlust wieder an den Verhandlungstisch zu bringen. Nach den jüngsten UNO-Sanktionen und dem Gas-Deal dürfte dies schwieriger werden.

Aussenminister Mottaki hatte vor den Medien die unabhängige Rolle der Schweiz hervorgehoben. Er verwies aber auch auf die UNO- Sanktionen, die der Iran als ungerecht empfinde.

Mit den Iranern hatte Calmy-Rey auch eine Konkretisierung des seit rund fünf Jahren dauernden Menschenrechtsdialogs vereinbart. Thema war auch die «anti-israelischer Rhetorik» des Irans, wie die Bundesrätin sagte. Für die Schweiz sei inakzeptabel, dass ein UNO- Mitglied das Existenzrecht eines Staates negiere.

(sda)