Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Kleidervorschriften
10. September 2010 17:56; Akt: 10.09.2010 17:56 Print
Schul-Dresscode - ein rechtliches «Minenfeld»
von Joel Bedetti - Kleidervorschriften von Lehranstalten sind rechtswidrig - doch davon gibt es Ausnahmen. Die sorgen allerdings für umso mehr Wirbel.

Gescheitert: Schuluniformen in Basel, 2006. (Bild: Keystone/Walter Bieri)
Das Sekundarschulhaus Sandbänkli im Thurgauischen Bischofszell, das Auswüchse im Kleidungsstil in einem Knigge regelt, ist nicht das einzige dieser Art. «In den vergangenen Jahren haben mehrere Schulen einen solchen geschriebenen Code eingeführt», sagt Beat W. Zemp, Zentralpräsident des Schweizer Lehrerverbandes. Die Mehrheit der Schulen regle die Frage nach der Kleidung jedoch nicht über festgeschriebene Regeln.
Rechtliche Grauzone: Schülerin mit String-Tanga.(Bild: Keystone/Steffen Schmidt)
Der Schulrechtler Peter Hofmann begrüsst das Knigge-Modell. «Eine solche Regelung, die auf dem Einverständnis aller Beteiligten basiert, finde ich sehr sinnvoll», sagt er gegenüber 20 Minuten Online. Denn rechtlich gesehen begehen Schulen ein «Minenfeld», wenn sie Kleidervorschriften erlassen, schrieb der Jurist Hofmann 2008 in der Lehrerzeitung «Bildung Schweiz».
Heimschicken verboten
Die erziehungsberechtigten Eltern seien verantwortlich, dass sich ihre Kinder angemessen kleiden würden, zudem falle die Wahl des Kleidungsstils unter die von der Verfassung garantierte persönliche Freiheit. «Konkret bedeutet dies, dass der Schule kein Weisungsrecht über Kleidung, Schminke oder Haartracht zusteht», so Hofmann.
Davon ausgenommen sind rassistische, sexistische und allgemein beleidigende Motive – auch Springerstiefel gehören gemäss Hofmann dazu. Weiter habe die Schule die Möglichkeit, aus hygienischen Gründen saubere Kleidung oder beispielsweise auch das Tragen von Hausschuhen zu verlangen. «Gänzlich verboten ist die Weisung an Schülerinnen und Schüler nach Hause zu gehen, um sich umzuziehen», hält der ehemalige Schulpräsident Hofmann fest.
Schuluniform zum selber bezahlen
Die Praxis, unangemessen gewandeten Schülern ein weites T-Shirt überzuziehen, bezeichnet er als rechtswidrig und als «pädagogischen Tiefflug.» Hofmann rät stattdessen, die Schüler in die Mitverantwortung zu nehmen und ihnen klar zu machen, dass die Schule ein Arbeitsort und keine Freizeitanlage sei.
Den bisher radikalsten Versuch einer Kleidervorschrift wagte bisher die Basler Weiterbildungsschule Leonhard 2006: Sie führte probeweise die Schuluniform ein. Das Experiment misslang, oder besser gesagt: verlief im Sand. Nach drei Jahren kamen nur noch vereinzelt Schüler mit Uniformstücken in den Unterricht. Das Basler Projekt war aber wohl auch zum Scheitern verurteilt: Das Tragen der Uniform war freiwillig. Damit der Versuch das Schulbudget nicht belastete, wurde die Uniform nicht gratis abgegeben, sondern war zum Produktionspreis im Schulhausshop käuflich. In vielen anderen Kantonen und Schulen wurde die Frage um die Schuluniform diskutiert, aber wieder verworfen.
Lehrer ohne kurze Hosen
«Schuluniformen sind zurzeit kein Thema», sagt Beat W. Zemp, «es fehlt die Tradition - und der Wille, das zu ändern.» Der Gruppendruck wegen Markenkleidern werde nicht als besonders problematisch eingeschätzt, ausserdem würde eine Uniformierung ins Geld gehen. Sowohl Lehrerpräsident Zemp als auch Schulrechtler Hofmann raten in Sachen Kleidervorschriften zur Besonnenheit. «Es ist beileibe nicht das dringendste Problem an unseren Schulen», sagt Zemp.
Kleidervorschriften gelten übrigens nicht nur für die Schüler. Anders als bei diesen darf die Schule den Lehrern ein striktes Kleiderregime auftragen. «Schon manche Schulleitung hat über die Einführung eines Dresscodes nachgedacht», schreibt Peter Hofmann in seinem Artikel. Gemäss Beat W. Zemp achten die Schulen bei den Lehrern sehr genau auf das Erscheinungsbild: «In meiner Schule dürfen Lehrpersonen im Gegensatz zu Schülern keine kurzen Hosen anziehen.»
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»
Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.
«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»
Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.
«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»
Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)
Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?
Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.
-
Alle 23 Kommentare





























es gibt grössere Probleme
Der kleiderstil der jugendlichen ist doch das kleinste problem. Dazu kommt das sich der Stil in den Jahren immer wieder ändert. Ein grösseres Problem ist, das kinder vor den Augen der Lehrer gemobbt werden können und 5. klässler auf dem Pausenplatz rauchen.
Schuluniform einführen
Ich hab die ersten Jahre meines Lebens in einem Land verbracht, wo Schuluniformen Pflicht sind. Probleme hats nie gegeben. Daher verstehe ich auch absolut nicht, warum bei uns darüber so ein Wirbel veranstaltet wird.
Bluff Unterricht ?
Praktisch weltweit sind Schul Uniformen obligatorisch. Wollen wir unseren Gofen das Lesen und Schreiben beibringen oder nur noch das bluffen ?